Afghanistan : Nato fordert mehr Bundeswehr für Afghanistan

Der Kommandeur der Schutztruppe sieht in Deutschland noch Kapazitäten für einen Einsatz der Bundeswehr im Norden Afghanistans. Die Bundeswehr sei noch nicht am Ende ihrer Kapazitäten. Gestern hatte US-Präsident George Bush seine Forderungen zu einem deutschen Einsatz im Süden des Landes abgeschwächt: Er wolle "von anderen Staaten nichts fordern, wozu sie politisch nicht in der Lage sind."

Ingrid Müller

KabulKurz vor dem Gipfel der Nato in dieser Woche hat der Kommandeur der internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) die Bundesregierung aufgefordert, mehr deutsche Soldaten für den Norden des Landes bereitzustellen. US-General Dan McNeill machte in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel in Kabul deutlich, dass er die Bundeswehr nicht am Ende ihrer Kapazitäten sieht.

„Wenn die deutsche Regierung es ermöglichen könnte, ein paar mehr Soldaten dafür freizustellen, um in den Norden zu kommen, wäre das sehr hilfreich. Es wäre extrem hilfreich.“ Er fügte hinzu: „Im Norden gibt es zwar nicht viele Nester mit Aufständischen, aber es gibt dort viel Kriminalität, die oft mit dem Drogengeschäft zusammenhängt.“ Außerdem machten sich immer wieder gewaltbereite Drahtzieher bemerkbar. Vor diesem Hintergrund sei eine steigende Präsenz leistungsfähiger Soldaten, „solcher, wie man sie in der Bundeswehr findet“, sehr hilfreich. Derzeit sind bei einer Gesamtstärke von etwa 250 000 rund 7000 deutsche Soldaten in Auslandseinsätzen, davon rund 3200 in Afghanistan. Vom 1. Juli an stellt die Bundeswehr zudem 250 Soldaten für die Schnelle Eingreiftruppe (QRF) im Norden des Landes.

"Ich könnte die deutschen Soldaten gut gebrauchen"

Mit Blick auf die Debatte um einen Einsatz deutscher Soldaten im heftig umkämpften Süden des Landes sagte McNeill: „Wenn die deutsche Regierung mehr Soldaten hierherschicken wollte, würde ich sie an jeden Ort schicken, wo die Regierung sie hinhaben möchte – und ich könnte sie gut gebrauchen“, sagte McNeill. Am Wochenende hatte US-Präsident George W. Bush in einem Interview gesagt, er werde beim Nato-Gipfel keinen Einsatz der Bundeswehr fordern. Er sei dankbar, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Bundestag „unser Engagement mit Truppen im Norden Afghanistans unterstützen“, sagte Bush.

Nach Ansicht von US-General McNeill, der die rund 43 000 Isaf-Soldaten aus 39 Ländern derzeit kommandiert, wird die Schutztruppe mindestens bis Ende 2012 im Land gebraucht. Dies sei abhängig davon, wie schnell die afghanischen Sicherheitskräfte gut ausgebildet seien. Er verwies auf gute Fortschritte bei der Ausbildung der Armee. „Wenn die Polizei entsprechend aufholen kann, wird es weniger als fünf Jahre dauern, bis die internationalen Truppen reduziert werden können“, sagte McNeill. Allerdings sei dies natürlich eine politische Entscheidung.

Beim Nato-Gipfel, der von Mittwoch bis Freitag dieser Woche in Bukarest tagt, wird neben dem Einsatz in Afghanistan auch die Erweiterung des Bündnisses ein Hauptthema sein. Im Anschluss findet dann der Nato-Russland-Gipfel statt.

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