Zeitung Heute : Aigner: Tierschutz macht Essen teurer

20.01.2012 00:00 UhrVon Heike Jahberg

Bundesministerin will nachhaltige Landwirtschaft / Grüne Woche eröffnet.

Berlin - Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) will den Schutz der Tiere in der Landwirtschaft verbessern und stimmt die Verbraucher deshalb auf Preissteigerungen für Lebensmittel ein. „Es gibt Anzeichen von der Wirtschaft, dass die Preise steigen“, sagte Aigner am Donnerstag im Vorfeld der Grünen Woche. Dennoch will die Ministerin die Lebensbedingungen von Nutztieren verbessern und den Verbrauchern mehr Transparenz über die Haltungs- und Mastbedingungen geben. Aigner kündigte an, sich auf EU-Ebene für die Einführung eines europäischen Tierwohllabels einsetzen zu wollen. „Damit sollen die Verbraucher Produkte erkennen können, bei deren Erzeugung sehr hohe Tierwohlanforderungen erfüllt werden“, betonte Aigner.

Angesichts der anhaltenden Kritik am massiven Einsatz von Antibiotika in den Ställen plant Aigner strengere Dosierungs- und Abgabevorschriften für Tierärzte. Die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung, ein weiterer Aufreger in der Massentierhaltung, soll 2017 verboten werden. Zudem sollen Mindeststandards für die Haltung von Mastkaninchen und Puten festgelegt werden.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnte vor steigenden Preisen durch die neuen Vorschriften. „Die Verbraucher müssen ihr Preisverständnis ändern“, sagte der Ökobeauftragte des Verbands, Heinrich Graf von Bassewitz. „Die Verbraucher, die sich heute über die sogenannte Massentierhaltung beschweren, haben mit ihrem Kauf von Billiglebensmitteln und ihrer extremen Preisbewusstheit letztlich genau diese Art der Landwirtschaft vorangetrieben.“ Verbandspräsident Gerd Sonnleitner sagte, es sei zwar wichtig, die Probleme in der Tierhaltung anzupacken und den Umweltschutz zu verbessern. Man müsse aber auch die ökonomische Perspektive der Bauern und das „Preisgebaren“ des Lebensmitteleinzelhandels im Blick behalten.

Tierschützern, Ökobauern und den Grünen gehen Aigners Pläne dagegen nicht weit genug. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf der Ministerin vor, die Systemfragen der Massentierhaltung nicht anzupacken. Fördergelder dürfe es nur geben, wenn Mindeststandards für Tier- und Umweltschutz gewahrt seien. Der Bund für Natur und Umweltschutz (BUND) kritisierte, in Entwicklungsländern würden Lebensräume zerstört, um dort billiges Futter für Tiere in „Agrarfabriken“ auch in Deutschland zu produzieren.

An diesem Freitag öffnet die Grüne Woche ihre Tore. 1624 Aussteller sind auf der weltgrößten Agrar- und Ernährungsmesse vertreten, die am Donnerstagabend von Aigner offiziell eröffnet wurde. Erwartet werden bis Sonntag nächster Woche mehr als 400 000 Besucher.

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