Zeitung Heute : "Akademiker werden die Gewinner sein"

Frau Schlegel[auc],die Arbeitslosenzahlen steigen[auc]

Frau Schlegel, die Arbeitslosenzahlen steigen, auch in Berlin. Können Sie uns Hoffnung auf bessere Zeiten in unserer Region machen?

Wir haben in unserer Region noch immer das besondere Problem des Strukturwandels. Es fallen viele Arbeitsplätze weg. Aber etliche tauchen woanders wieder auf, nur mit völlig neuen Inhalten. Wenn ich einen Beruf gelernt habe und vom Strukturwandel erfasst werde, dann kann ich vielleicht das eine oder andere noch nutzen. Aber ich werde womöglich in einem ganz anderen Sektor neu anfangen müssen.

Zum Beispiel?

Wir haben bis zur Wende einen ausgeprägten industriellen Bereich gehabt. Danach ging es erdrutschartig nach unten. Jetzt stabilisiert sich zwar der Markt wieder, aber es haben sehr viele gewerblich technisch ausgebildete Leute ihre Arbeitsplätze verloren. Nun setzt Berlin auf Dienstleistungen, zum Beispiel Neue Medien. Zwar auch auf neue Techniken, doch bei diesen geht der Zug in Richtung anspruchsvolle Bereiche - wie Medizin und Biotechnologie. Da muss der Einzelne viel tun, um hinterherzukommen.

Die Berufswelt verändert sich immer schneller. Sind Akademiker besonders betroffen?

Die Vorzeichen für Akademiker stehen eher günstig. Aus unseren Forschungen geht hervor, dass der Anteil der Berufstätigen, die einen Hochschulabschluss mitbringen müssen, deutlich zunehmen wird. Das werden die Gewinner der nächsten Jahre sein. Die Verlierer werden auf der anderen Seite der Qualifikationsskala sein - die, die keine Ausbildung haben. Selbst auf Facharbeiter wird der Druck zunehmen, was das Qualifikationsniveau angeht.

Das Arbeitsamt fördert immer noch Weiterbildungen im Online-Bereich, der mit der Börsenkrise zusammengebrochen ist. Warum?

Aus zwei Gründen. Zum einen werden die neuen Technologien, nicht aufhören zu existieren. Deshalb kann man davon ausgehen, dass sie auch in Zukunft qualifizierte Arbeitskräfte suchen. Das Zweite ist, dass sich in Boom-Situationen Leute in diesen Bereichen etablieren konnten, die keine fundierte Ausbildung haben. Jene sind natürlich in einer Kündigungswelle besonders gefährdet. Also: Hochwertige Weiterbildung in dem Bereich macht sicherlich immer Sinn.

Welche Branchen schätzen Sie als besonders aussichtsreich für Berlin ein?

Trotz der Probleme nach dem 11. September hat Berlin eine Zukunft als Tourismusregion. Das hat auch positive Auswirkungen auf klassische Dienstleistungen, zum Beispiel den Handel. Dann werden auch weiterhin viele Organisationen und Unternehmen nach Berlin ziehen. Wir haben deutliche Hinweise, dass sich im Bereich Beratung und Management eine Menge interessanter Beschäftigungsmöglichkeiten auftun werden.

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