Zeitung Heute : Aktion Kindersicheres Internet

Schlösser und Filter gegen Verführer – Sechs Fragen und Antworten für Eltern

Kai Althoetmar

In Autos sind Kindersicherungen Pflicht. Jeder Fahrer braucht einen Führerschein, in der Kneipe und im Kino gibt es Altersbeschränkungen - nicht so auf der Datenautobahn. Wenn Kinder und Jugendliche sich ins Internet einwählen, sollen sie eigentlich nicht den Falschen ins Netz gehen. Sexseiten, Chat-Gelaber, dubiose Internetgeschäfte und massenweise Infomüll haben das Internet aber in Verruf gebracht. Doch Eltern können ihre Kinder vor Schund schützen. Auch im Internet sind Kindersicherungen und Jugendschutz möglich. Filter lassen nur erwünschte Inhalte zu, Downloads und E-Mails lassen sich kontrollieren, und kindgerechte Websites bieten im Sinne der Eltern erst gar nichts Falsches an.

Wie verlässlich ist eine Kindersicherung? Auf den Provider kommt es an. Die einfachste Kindersicherung besteht darin, neben dem surfenden Kind sitzen zu bleiben. Das ist zeitaufwändig. Seriöse Provider bieten ihren Nutzern eine programmierbare Kindersicherung. Der Inhaber des Internetzugangs kann den Zugriff auf die verschiedenen Online-Funktionen einschränken. Das gilt für die Seiten im Web, E-Mails, Chat- Räume, Newsgroups und Downloads. Sinnvoll ist es, wenn Eltern und Kinder ihren jeweils eigenen Nutzernamen mit Passwort haben. Dann können Eltern den Zugang der Kinder Einschränkungen unterwerfen, ohne selbst davon betroffen zu sein. Beim Internetanbieter AOL kann die Kindersicherung nur mit einem passwort-geschützten AOL- Hauptnamen eingerichtet werden. Den Hauptnamen erhält ein Erwachsener, das Kind hat Zugang über einen Nebennamen.

Erwachsene und Kinder können den selben PC nutzen, haben aber jeweils eigene passwort-geschützte Zugänge. Die Zugangssoftware kann aber auch auf verschiedene Computer gespielt werden, ohne dass man auf diese Art der Kindersicherung verzichten muss. Bei AOL etwa kann der Hauptnutzer, auf den der Zugang angemeldet ist, für jeden Nutzernamen festlegen, von wem E-Mails empfangen werden können und von wem nicht.

Wie kann man die Schmuddelseiten überhaupt abblocken? Eine einfache Sicherheitslösung, um Kinder von ungeeigneten Internetinhalten fernzuhalten, ist der „K-Webfilter“. Er richtet sich an Eltern von Kindern im Alter von sieben bis 13 Jahren. Der Filter kann von der Seite www.kidstation.de kostenlos heruntergeladen werden. Er basiert auf einer Positivliste von kindgerechten Internetseiten. Seiten, die im Katalog nicht enthalten sind, blockiert der Filter.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Filterprodukten nähert sich der „K-Webfilter“ dem Thema Kindersicherheit nicht allein von der technischen Seite. Surferteams von Kidstation prüfen jede Seite individuell. Eltern und Kinder können Vorschläge machen, welche Seiten neu in den Webkatalog aufgenommen werden sollen. Herkömmliche Filter arbeiten oft rein automatisiert. Sie durchsuchen das Netz nach pornografischen oder gewaltverherrlichenden Websites und anderen jugendgefährdenden Inhalten mittels Schlagwörtern wie „Sex“, „Drogen“, „Nazi“ oder „Porno“. Die Betreiber von einschlägigen Internetseiten können diese Begriffe geschickt umgehen.

Wo finden sich kindgerechte Internetseiten? Online-Angebote speziell für Kinder gibt es viele. Doch nicht jede Website, die beispielsweise eine Brutalo-Zeichentrickserie aus dem Fernsehen oder die Verkaufspropaganda für Kinderschokoriegel begleitet, ist empfehlenswert. Als unbedenklich gelten unter anderem die Lern-und-Spiele-Seite www.kidstation.de mit Webfilter und Webkatalog, die ZDF-Seite www.zdf.tivi.de , die auch die Kindernachrichtensendung „Logo“ integriert, die Suchmaschine www.blindekuh.de , die nur Internetseiten für Kinder erfasst und die zur Buchserie „Was ist was“ gehörige Internetseite ( www.wasistwas.de ), ein Wissensportal für Kinder und Jugendliche.

Was tun, wenn mein Kind im Internet einkaufen geht? Return to sender! Minderjährige können keine rechtsverbindlichen Kaufverträge abschließen. Das gilt auch für das Internet. Wenn Kinder im Netz Waren bestellen, können Eltern diese zurückschicken. Um Komplikationen – etwa mit Versendern im Ausland – zu vermeiden, sollten Kinder nicht die Bankverbindung oder die Kreditkartendaten der Eltern kennen.

Wer darf die virtuelle Post öffnen? Vorsicht bei unerwünschten E-Mails. Die so genannte „Spam“ erkennt man meist schon vor dem Öffnen am Absender und den meistens englischsprachigen Betreffzeilen. Wer es leid ist, täglich „Spam“ in die Mülltonne zu klicken oder seine Kinder von derlei Post verschonen will, sollte eine besonders ausgefallene E-Mail-Adresse wählen und diese nicht auf Webseiten veröffentlichen, weder in Foren noch auf der eigenen Homepage.

Weitere Infos, Poster und Tipps für Eltern, deren Kinder das Internet nutzen, gibt es in einer Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der kostenlose Leitfaden „Ein Netz für Kinder – Surfen ohne Risiko“ wurde von der Redaktion von jugendschutz.net mit Kindern und Jugendlichen erstellt.

Mit der gleichen Thematik beschäftigt sich auch das Faltposter „Der richtige Dreh im www“. Erhältlich sind Poster und Leitfaden beim: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Broschürenstelle, Postfach 201551, 53154 Bonn, Telefon: 0180/53 29 32 9. Damit kann man seine Kinder am Computer schon mal alleine lassen.

Kostenloser Leitfaden per E-Mail:

broschuerenstelle@bmfsfj.bund.de .

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