Zeitung Heute : Alexander, der Große?

„American Idol“, „Pop Idol“ – weltweit läuft die Suche nach dem Superstar. Doch nicht jeder Sieger in der Casting-Show macht Karriere und Geld

Joachim Huber

Heute bekommt das krisengeschüttelte Deutschland endlich wieder einen Sieger. Punkt 21 Uhr 15 pfeift der Fernsehsender RTL das Finale seiner Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ an. Juliette Schoppmann, 22, aus Stade, tritt gegen Alexander, 19, aus Sendenhorst an. Die Zwei haben sich gegen 10 077 Mitbewerber durchgesetzt. Juliette singt zunächst „Through The Rain“ von Mariah Carey und Alexander „She’s The One“ von seinem großen Vorbild Robbie Williams. Das zweite Stück ist der jeweilige Lieblingssong aus den Liveshows. Alexander tritt an mit Michael Sembellos „Maniac“ und Juliette mit „It’s Raining Man“ von den „Weather Girls“. In der dritten Runde kommt es zum echten Duell: Sowohl Juliette als auch Alexander singen „Take Me Tonight“, den von Dieter Bohlen produzierten Siegersong. Danach stimmen die Zuschauer per Telefon ab, dann gibt es Live-Schaltungen nach Stade und nach Sendenhorst, danach können sich alle Deutschen sofort für die nächste „Superstar“-Staffel bewerben. RTL hat übrigens angekündigt, wegen der Betrugs- und Manipulationsvorwürfe die Zahlen der Telefonabstimmungen nach dem Finale offenzulegen.

Wann der zweite „Superstar“-Wettbewerb startet, ist noch offen. Man könne damit rechnen, sagte RTL-Sprecher Jovan Evermann, dass dann noch deutlich mehr junge Menschen teilnehmen wollen als bei der ersten Staffel. „Viele haben vielleicht beim ersten Mal noch gezögert. Jetzt weiß man, was dabei heraus kommt.“

Für die neun Finalisten der ersten Premiere geht die Arbeit weiter: Ihre Deutschlandtournee startet am 8. Mai. Dieter Bohlen ist dabei. Das Jury-Mitglied hat mit den Finalisten den Nummer-1- Hit „We have a dream“ und das Album „United“ aufgenommen. Bohlen ist auch aus anderen Gründen einer der Sieger: Bislang war er mehr als „Ekelpaket“ und Autor des Buches „Nichts als die Wahrheit“ wahrgenommen worden. Mittlerweile hat er mit witzigen und väterlichen Beurteilungen der Wettbewerber klar an Sympathien gewonnen.

Weitere Gewinner: der Privatsender RTL, der die Casting-Show eigentlich gar nicht produzieren wollte, die Musikindustrie, namentlich die BMG (wie RTL zum Bertelsmann-Konzern gehörig), und natürlich der „Superstar“- Erfinder Simon Fuller, der sich die Haupteinnahmen gesichert hat. Die Teilnehmer und Gewinner beim „Superstar“ müssen auf das große Geld warten. Noch sind sie vertraglich an die Show gebunden. Immerhin, die große Popularität könnte sich auszahlen. Daniel Küblböck, Dritter beim deutschen Wettbewerb, wird derzeit von einer Agentur getestet, ob er als Werbeträger für Jugendmode, Kondome und Parfüm tauglich ist. Küblböck würde gerne für „Drei-Wetter-Taft“ werben.

Das Fernsehformat läuft um die Welt wie eine Ola-Welle. Neben England und den USA lief die Show bereits in Südafrika und in Polen. Für manchen Sieger war der Nachruhm kurz (siehe nebenstehende Beiträge), was der Nachfrage der Bewerber und der Fortsetzung der Casting-Show allerdings keinen Abbruch tut. Laufende Wettbewerbe werden aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Kanada etc. gemeldet, angeblich soll die Fernseh-Konkurrenz in bald vierzig Ländern stattgefunden haben, auch im Mittleren Osten, auch in Saudi-Arabien – der „Superstar“ ist ein weltumspannender Erfolg, vergleichbar mit dem Quiz „Wer wird Millionär?“.

Dem nicht genung: Schon überlegt sich die Produktionsfirma Freemantle, ob sich mit den Siegern der nationalen Wettbewerbe nicht eine internationale Konkurrenz veranstalten ließe – eine Weltmeisterschaft der „Superstars“.

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