Zeitung Heute : Alfa wird noch sportlicher

Ingo von Dahlern

Er brachte die Wende für Alfa - der Alfa 156. Im Herbst 1997 in Lissabon vorgestellt setzte er die italienische Traditionsmarke auf den ihr angemessenen Platz - als Hersteller sportlicher Premium-Autos. Denn in diesem Auto steckte alles, was einen typischen Alfa ausmachen sollte - Sportlichkeit, exzellente Motorentechnik und ein unverwechselbarer italienischer Stil. Dem viel versprechenden Anfang folgten weitere Modelle, die bestätigen, dass man mit dem Alfa 156 nicht nur einen Zufallstreffer gelandet hat, sondern offenbar auf dem richtigen Weg ist - der Alfa 166, der Alfa 156 Sportwagon und zuletzt der Alfa 147. Drei Autos, die auch im Design wieder Maßstäbe setzen, die ganz offensichtlich angenommen werden. Denn der Markt reagiert betont positiv - Alfa wird wieder gekauft, in wachsenden Stückzahlen, wie sie selbst ausgewiesene Optimisten nicht für möglich gehalten haben. Binnen vier Jahren produzierte Alfa 463000 Alfa 156 - knapp eine halbe Million fast. Im Sog des Erfolgs des Alfa 156 geht es für die gesamte Marke wieder aufwärts. Wurden in Europa 1996 gerade einmal 117 500 Alfas verkauft, so waren es im Jahr 2001 bereits knapp über 200 000.

Inzwischen ist der Alfa 156 vier Jahre alt. Alt ist er damit allerdings noch lange nicht. Denn sein äußeres Design ist auch heute noch so überzeugend, dass es ohne größere Eingriffe auch noch für viele weitere Jahre Bestand haben kann. Änderungsbedarf besteht angesichts des immens schnellen technischen Wandels allerdings bei manchem technischen Detail unter der wohlgeformten Karosseriehaut. Und das hat Alfa veranlasst, die Baureihe 156 jetzt gründlich zu überarbeiten. Das Ziel dabei waren bessere Fahrleistungen, mehr Sicherheit und eine noch umfassendere zeitgemäße Telematikausstattung. Diese Gelegenheit nutze man zugleich, auch das Interieur des Alfa 156 noch attraktiver zu gestalten.

Ganz entscheidend für die Zukunft der sportlichen Marke Alfa allerdings ist, dass man sich entschlossen hat, die in den 60er geborene Tradition der sportlichen GTA-Modelle wieder aufzunehmen - mit dem Ziel, künftig in jeder Alfa-Familie einen GTA als Spitzenmodell zu haben. GTA steht ursprünglich für Gran Turismo Alleggerita - also besonders leichte Gran-Turismo Fahrzeuge, die - rund 200 Kilo leichter als Serienfahrzeuge - beste Voraussetzungen für exzellente Fahrleistungen boten. Solche Gewichtsreduzierungen sind heute angesichts des auch in der Großserie optimierten Leichtbaus für GTA-Modelle nicht mehr zu realisieren, wenn diese nicht reine Fahrmaschinen, sondern rundum alltagstauglich sein sollen.

Der Weg, die modernen GTA zu überzeugenden Sportlern zu machen, geht daher über die Motoren und das Fahrwerk. Ein 3,2-Liter-V6 mit 24 Ventilen, der 184 kW (250 PS) leistet , bei 4800/min sein höchs-tes Drehmoment von 300 Nm liefert und sich schon bei 2000/min im sechsten Gang fahren lässt, macht die GTA-Versionen vom Alfa 156 und Alfa 156 Sportwagon zu ausgewiesenen Hochleistungssportlern, denen gerade einmal 6,3 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 genügen und die bei Tempo 250 elektronisch abregeln. Dem starken Motor wurde das gesamte Fahrwerk angepasst, das tiefer gelegt, in vielen Details verstärkt und neu abgestimmt wurde. In Verbindung mit einer sehr viel direkteren Lenkung lässt sich das auf eigens für die GTA-Modell entwickelten 17-Zoll-Felgen stehende Auto mit geringstem Lenkaufwand zielgenau steuern. Und es war durchaus passend, dass man zu ersten Kennenlernen Streckenabschnitte der Targa Florio ausgesucht hatte, an denen Fahrzeug, Fahrwerk und Bremssystem bestätigen konnten, das sie das Kürzel GTA und die dazu passende Optik mit den voluminösen Stoßfängern und den vergrößerten Lufteinlässen und die in die Karosserie integrierten Schweller zu Recht tragen.

Aber auch beim ganz normalen Alfa 156 gibt es bemerkenswerte Verbesserungen. Setzte Alfa bei dessen Einführung mit den direkt einspritzenden Turbodieseln mit Common Rail, die bei Fiat auf das Kürzel JTD hören, neue Maßstäbe für Sportlichkeit und Sparsamkeit, so setzt man beim erneuerten Alfa 156 nun auf die JTS-Triebwerke. Die sind Benziner mit Direkteinspritzung, bei denen man ganz bewußt auf die hohe Leistungssteigerung setzt, die mit Direkteinspritzung realisiert werden kann, während man den Spareffekt nur mehr oder weniger nebenbei mitnimmt. Es ist beachtlich, wie der 2,0-Liter-Vierzylinder - der wahlweise mit mechanischem Handschaltgetriebe oder automatisiertem Getriebe (Selespeed) verfügbar ist - seine 121 kW (165 PS) ausspielt und das 220 km/h schnelle Auto binnen 8,2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und alls das souverän und auffallend leise bis zu hohen Drehzahlen bewältigt. Nicht minder beeindruckend ist allerdings der nun 110 kW (150 PS) leistende 2,4-Liter-JTD-Diesel, der 212 km/h schnell ist und in nur 9,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt - bei nur 6,6 l/10 km als Durchschnittsverbrauch.

Weitere markante Verbesserungen sind die nun für alle Alfa 156 verfügbare Fahrdynamikregelung VCD mit Bremsassistent, Kopfairbags für alle Varianten, Isofix-Kindersitzbefestigungen, eine Dual-Zonen-Klimaautomatik, eine Cruise Control und Xenon-Licht als Wunschausstattung, ein neues Multiktfunktionsdisplay und das Connect-Telematiksystem - der Alfa 156 ist auf aktuellem Stand der Technik.

Daten auf einen Blick

Karosserie: Viertürige Stufenhecklimousine und fünftüriger Kombi.

Maße/Gewichte: 4,43 m lang, 1,75 m breit, 1,43 m hoch, Radstand 2,60 m, Leergewicht 1285 - 1460 kg, Zuladung 500-520 kg, Kofferraum 378 l, Tank 63 l.

Antrieb: Neue Motoren: 2,0-l-Vierzylinder-Benziner 16V mit Benzin-Direkteinspritzung und 2,0 l und 121 kW (165 PS), 3,2-l-V6 24V mit 184 kW (250 PS), 2,4-Liter-Hochdruck-Direkteinspritz-Turbodiesel mit Common Rail mit 110 kW (150 PS) Fünf- und Sechsgang-Schaltgetriebe, automatisiertes Selespeed-Schaltgetriebe, Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit Doppelquerlenkern, hinten mit Federbeinen, Zahnstangenlenkung mit Servo, vier Scheibenbremsen, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Fahrdynamikregelung VCD mit Bremsassistent.

Fahrleistungen: 6,3-9,4 s von Null auf Tempo 100, 220-250 km/h.

Verbrauch: Benziner durchschnittlich 8,6 und 12,3 l/100 km, Diesel 6,6 l/100 km.

Preise: ca. 25 200/26 00 Euro (2.0 JTS Progression Alfa 156/Sportwagon), ca. 25 500/

26 700 Euro (2.4 JTD Progression), 38 400/

39 700 Euro (Alfa 156 GTA/Sportwagon GTA).


Alfas eigener Weg bei der Benzindirekteinspritzung

(mm) Er hört auf das Kürzel JTS - das steht für Jet Thrust Stoichiometric (Benzinsprühstrahl und stöchiometrischer Betrieb) und ist der neueste Motor im Programm von Alfa - ein Benzin-Direkteinspritzer, bei dem man allerdings andere Wege geht, als die meis-ten Entwickler solcher Triebwerke. Denen geht es nämlich vornehmlich um möglichst niedrige Verbräuche. Konsequent setzen sie deshalb in möglichst weiten Betriebsbereichen auf einen geschichteten Magerbetrieb. Bei dem wird das Kraftstoff-Luftgemisch als zündfähiger Gemischballen in unmittelbarer Nähe der Zündkerze gezündet. Der extrem magere Betrieb erlaubt entsprechend hohe Einsparungen, bringt allerdings Probleme bei den Abgasen, denn bei dieser Betriebsweise entstehen Stickoxide, die mit speziellen Denox-Katalysatoren abgebaut werden müssen.

Alfa geht einen anderen Weg. Denn der benzinsparende Magerbetrieb wird nur bis zu Drehzahlen von 1500/min verwirklicht, mit nicht ganz so mageren Gemischen und ohne die Stickoxidprobleme. Bei Drehzahlen oberhalb 1500/min setzt man dagegen das Ausnutzen des hohen Leistungspotenzials von direkt einspritzenden Benzinern. Man nutzt die Wirkung der Luftabkühlung durch den mit hoher Kraft eingespritzen Benzinstrahl, arbeitet mit erhöhter Verdichtung, vermeidet die hohen Abgasgegendrücke der aufwändigen Denox-Abgasanlagen, verzichtet auf die raffinierte Verwirbelungstechnik der viel im mageren Bereich arbeitenden Direkteinspritzer und erreicht mit einer vergleichsweise einfachen Technik eine hohe Leistungsausbeute, die nicht durch speziell für den Magerbetrieb optimierte Lufteinlass-kanäle behindert wird. So erreicht der 2.0-Liter-JTS eine Literleistung von mehr als 60 kW/l und ein spezifisches Drehmoment von mehr als 100 Nm/l, erreicht also die Leistungen eines 2,3-Liters und verbraucht rund zehn Prozent weniger als dieser.

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