Zeitung Heute : Alle an Bord

Deutsche Fluggesellschaften mussten bislang keine Flüge auf Verlangen Washingtons streichen – doch das kann jederzeit passieren

Rainer W. During

Deutsche Fluggesellschaften waren bisher nicht von den Verboten einzelner Flüge in die Vereinigten Staaten betroffen. Aber auch hier müssen Reisende kurzfristig mit Absagen rechnen, wenn es die Sicherheitslage aus Sicht der US-Behörden erfordert. Viele Bundesbürger reisen zudem über ausländische Flugdrehkreuze wie Amsterdam, London, Paris oder Zürich in die USA. Seit März vergangenen Jahres müssen ausländische Luftverkehrsgesellschaften ihre Buchungslisten vorab den US-Behörden übermitteln. Dort werden die Namen mit den Datenbanken der Sicherheitsdienste abgeglichen. Die Sicherheitsbedenken der Amerikaner gehen offenbar so weit, dass sie sich nicht mit dem Ausschluss von verdächtigen Passagieren begnügen. Sie bestehen darauf, dass der komplette Flug gestrichen wird. So wollen die US-Behörden offenbar ausschließen, dass sich vielleicht noch nicht identifizierte Komplizen potenzieller Entführer an Bord befinden.

„Unser Flugbetrieb in die USA läuft normal", sagte Lufthansa-Sprecher Bernd Hoffmann am Freitag. Bisher habe man weder Flüge absagen müssen, noch seien Maschinen in den Vereinigten Staaten von Kampfjets eskortiert oder am Boden durchsucht worden. An Spekulationen wolle man sich nicht beteiligen, Ratschläge oder Empfehlungen an USA-Reisende auszusprechen, sei Sache der zuständigen Behörden.

Als einzige deutsche Airline steuert die Lufthansa Zielorte wie Los Angeles und Washington an, die von den USA als besonders gefährdet eingestuft sind. Auch bei den beiden deutschen Charter-Gesellschaften, die in der Wintersaison nur Zielorte in Florida im Angebot haben, gab es bisher keine Probleme. „Bei uns gibt es keine Einschränkungen", sagte der Sprecher von Thomas Cook Airlines, der früheren Condor. Man habe keine Hinweise, dass sich daran etwas ändere. „Alles normal" sagt auch Pierre de la Motte von der LTU. Man erfülle alle Sicherheitsanforderungen. „Wenn auf bestimmten Flügen Sky Marshalls gewünscht werden, sind sie an Bord."

Bereits nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatten die deutschen Luftverkehrsgesellschaften ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Dazu zählte unter anderem der Einbau gepanzerter Cockpittüren. Die Bundesrepublik gehörte außerdem zu den ersten Ländern, die auf manchen Flügen bewaffnete Flugbegleiter einsetzt. Dabei handelt es sich um eine Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes. Sie ist mit einer Spezialmunition ausgerüstet, die Flugzeugentführer zwar außer Gefecht setzt, die sensiblen Kabinenwände von Flugzeugen aber nicht durchschlägt. Seit gut einer Woche besteht das US-Heimatschutzministerium darauf, dass alle als bedroht eingestuften Flüge ausländischer Airlines von so genannten Sky Marshals begleitet werden.

Nach wie vor gelten auf deutschen Flughäfen die seit 2001 verschärften Sicherheitsbestimmungen, wonach selbst Scheren und Nagelfeilen zu den als gefährlich eingestuften Gegenständen gehören. Sie dürfen nicht im Handgepäck mit an Bord genommen, sondern nur im aufgegebenen Gepäck befördert werden.

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