Zeitung Heute : Alle können dazulernen

Cordula Eubel

Seit Jahresbeginn ist Hartz IV in Kraft. Danach haben Jugendliche einen Anspruch auf Vermittlung in eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle. Wie kam es, dass im März 660000 unter 25-Jährige ohne Job waren?

In die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit will die Bundesagentur für Arbeit (BA) in diesem Jahr knapp sieben Milliarden Euro stecken. Insgesamt eine Million Fördermaßnahmen will die Behörde 2005 für Frauen und Männer, die jünger als 25 Jahre sind, finanzieren. „Mit der Bundesregierung ist vereinbart, dass kein Jugendlicher länger als drei Monate arbeitslos sein soll“, sagt BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Ende März waren 660000 Menschen unter 25 Jahren arbeitslos. Davon kommen allein 130000 Jugendliche aus der Sozialhilfe.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat mit Hartz IV versprochen, dass alle Jugendlichen im Laufe des Jahres ein Angebot erhalten sollen, ob Lehrstelle oder Praktikum. Das ist keine einfache Aufgabe: Mehr als zwei Drittel der Betroffenen bringen keine Ausbildung mit, etwa ein Drittel nicht einmal einen Schulabschluss. Seit Jahresbeginn haben nach Angaben von BA-Vorstand Heinrich Alt 140000 Jugendliche eine Arbeit gefunden, 70000 sind in eine Ausbildung vermittelt und 170000 in Integrationsmaßnahmen untergebracht worden – vom Nachholen des Schulabschlusses bis zur Reha-Maßnahme. An diesem Mittwoch steht das Thema erneut auf der Tagesordnung des Bundeskabinetts.

Bei den Eingliederungsvereinbarungen hinkt die BA dem Zeitplan hinterher. In den ersten drei Monaten wurden zwar 880000 Gespräche mit Jugendlichen geführt, aber erst mit 70000 Personen ist eine Eingliederungsvereinbarung geschlossen worden, in der Schritte für die Integration in den Arbeitsmarkt verabredet werden. Das liegt daran, dass viele Arbeitsgemeinschaften aus Arbeitsagenturen und Kommunen, welche Langzeitarbeitslose betreuen, sich noch im Aufbau finden. Außerdem sind nicht alle Jugendlichen in der Lage, eine solche Vereinbarung abzuschließen – etwa weil sie Drogenprobleme haben.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer bezeichnete dennoch die Anstrengungen der BA als „vorbildlich“, jungen Menschen und auch benachteiligten Jugendlichen den Zugang in Ausbildung und Beschäftigung zu eröffnen. Es sei erschreckend, dass zehn Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Hauptschulabschluss verließen. „Da tickt eine Zeitbombe, für die die gesamte Gesellschaft verantwortlich ist“, sagte Engelen-Kefer, die im Verwaltungsrat der BA die Gewerkschaften vertritt.

Engelen-Kefer forderte die Arbeitgeber auf, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Die Bemühungen der BA stießen an Grenzen, wenn die Unternehmen nicht mehr Lehrstellen und Arbeitsplätze schafften. Es gebe immer weniger „Beschäftigung mit Perspektive“ für Jugendliche, beklagt die DGB-Vize.

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