Zeitung Heute : Alle Künste unter einem Dach

Pinsel und Film, Mozart und Mode: Beim UdK-Rundgang erlebt man alte und neue Disziplinen der Hochschule hautnah

Karolina Wrobel

„Oh, Sie sind also Maler!? Und was malen sie so?“ Bei unverhofften Begegnungen mit Künstlern schwebt manchem noch immer eine extravertierte Persönlichkeit mit ebenso ausgeprägtem Pinselstrich vor, die sich in einer eigenen, dem Alltag eher fernen Gedankenwelt bewegt.

Was junge Künstler aber tatsächlich bewegt und wie ihr Arbeitsalltag aussieht, können alle Neugierigen ab morgen auf dem Rundgang der Universität der Künste sehen. Vom 21. bis zum 23. Juli stellen die Studierenden ihre neuesten Arbeiten während der Tage der offenen Tür vor. Unter ihnen keineswegs nur Maler, sondern auch Architekten, Designer, Medienkünstler, Musiker und Schauspieler, Sänger und Bildhauer. Letztes Jahr begaben sich 12 000 Besucher auf Streifzug durch die Hochschule.

Und was gibt es zu sehen? Etwa was man mit Plastilin so alles anstellen kann, präsentiert von den Studenten der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in der Grunewaldstraße 2-5. Ihre animierten Knetfiguren wollen zeigen, welcher Wahnsinn manchmal hinter dem täglichen Konsum stecken kann. Neben Animationsfilmen sind im Kinosaal des Medienhauses auch Werbe- und Imagestreifen zu sehen. Vom Konzept bis zur Produktion gestalteten die Studenten die 16-Millimeter-Filme in eigener Regie. Ungewöhnlicher Höhepunkt der Präsentation dürften die interaktiven Filme sein. Hier kann der Zuschauer den Handlungsverlauf selbst bestimmen. Ob die Filmheldin ihren Traumpartner am Ende in der Kirche oder im Café findet, entscheidet das Publikum per Zuruf.

Niemand wartet gerne – auch die Nachwuchsdesigner der UdK nicht. Deshalb haben sie überlegt, wie man die zermürbenden Minuten in Arztpraxen und auf Flughäfen besser ausfüllen kann und ihre überraschenden Ideen als Medieninstallation umgesetzt. Neue Adventskalender oder – mal ganz andere – Wartenummernanzeigen auf dem Amt fehlen dabei auch nicht. Gleich um die Ecke kann man dann sehen, was dabei herauskommt, wenn Grafiker das Grundgesetz ins rechte Bild setzen.

Ein Stockwerk höher heißt es dann niederknien – zumindest im künstlerischen Sinn. Denn was „anbetungswürdige Gestaltung“ ist, erfährt der Besucher in der Ausstellung „Sakral Design“ der Klasse für digitale Kunst. Die Studenten haben sakrale Objekte der fünf Weltreligionen „redesigned“: Etwa ein christliches Taufbecken, das sein Wasser aus der Luft filtert, oder ein medialer Zeigestab, der die Verlesung der jüdischen Thora typographisch auf die Wand projiziert – die jungen Designer interpretieren die Objekte funktional, aber auch kritisch.

Auf „Expeditionen in den Alltag“ lädt der Studiengang Industrial Design in der Straße des 17. Juni 118 ein. Studenten aus dem 4. Semester tragen unter dem Titel „sync my ride“ eigene und erfundene Reiseberichte zusammen und setzen sich mit „hybriden Orten“ und dem Dasein auf Stand-By auseinander.

Dass auch der eigene Körper eine künstlerische Reise wert ist, beweisen die Designstudenten mit ihren „Körperinszenierungen“. Wie verändern Tattoos oder gar eine „zweite Haut“ die Wahrnehmung des Körpers?

Wem das zu nackt ist, der geht einfach ein paar Schritte weiter und findet Modedesigner, die die Wahrnehmungsgewohnheiten auf den Kopf stellen: Sie machen Farben hörbar und Töne sichtbar. In der Ausstellung „Music Is In The Air“ wird Musik zum Kleidungsstück. Ob experimenteller Underground, Spielzeugmusik oder moderne Ambient-Music, jede Gattung sorgt für ganz spezielle Formen, Drucke und Farben, die die Studenten Stich um Stich in tragbare Gewänder einnähen.

Wer Musik lieber hört als am Leib trägt, kann dies am 21. Juli in der Bundesallee 1-12 tun. Dann spielt Masumi Arai Werke von Mozart und Chopin.

Die eigenen musikalischen Möglichkeiten erproben kann man in der Fasanenstraße 1B. Am 21. und 22. Juli präsentiert das Studio für Elektroakustische Musik & Klangkunst die Klanginstallation „Filling Vessels“. Im Raum verteilte Lautsprecher reagieren auf die Bewegungen der Besucher. Je nach Abstand zwischen Mensch und Lautsprecher ergeben sich ganz unvorhergesehene Klänge.

Der Rundgang der UdK Berlin führt also durch alle Sparten der Kunst. Und die Maler, was malen die nun so? Bilder natürlich – zu sehen in der Meisterschülerausstellung im Foyer des UdK-Hauptgebäudes an der Hardenbergstraße.

Der Rundgang im Internet: www.udk-berlin.de

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