Zeitung Heute : Alle Register

ALBRECHT DÜMLING

BSO mit Absolventen der Hanns-Eisler-HochschuleALBRECHT DÜMLINGDer vor 100 Jahren in Leipzig geborene Hanns Eisler hat eingefahrene Normen des Musiklebens in Frage gestellt.Interpretationen seiner Werke können deshalb nur gelingen, wenn sie diesen kritischen Impuls einbeziehen.Bei seiner Kleinen Sinfonie op.29, uraufgeführt 1935 durch Ernest Ansermet im Londoner Rundfunk, liegt die Kritik an der Gattung nicht allein in der Kürze.Schwerer wiegt wohl der konsequente Austausch des Sonatenprinzips gegen die Montage heterogenen Materials.Jens Georg Bachmann, seit 1993 Dirigierstudent an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler", realisierte mit dem Berliner Sinfonie-Orchester die filmischen Schnitte zwischen den 23 Zwölfton-Variationen des Andante-Kopfsatzes.Er markierte die dynamischen Kontraste, wenngleich in den statischen Partien die Spannung abfiel.Insgesamt scheinen dem jungen Dirigenten verhaltene Pointen wie das Gegenüber von Jazzdämpfer und Kontrapunktik besser zu liegen als kräftigere Provokationen.Dies bestätigte sich bei Prokofjews Violinkonzert D-Dur op.19, bei dem er den Examenskandidaten Ilja Sekler mit schwebendem Schlag begleitete.Der junge Russe schien gelegentlich schnellere Tempi zu erwarten, fügte sich dann aber dem meist nach rechts blickenden Dirigenten. Nicht zuletzt von den Musikern des BSO erhielt Sekler für seine mit edlem Ton und blitzsauberen Läufen vorgetragene Interpretation viel Beifall.Katja Thierbach legte ihr Konzertexamen mit dem Hornkonzert eines sonst unbekannten Konrad Schieck ab.Kompositorisch wie interpretatorisch gingen die Ecksätze mit ihren oft mechanischen Imitationen und Echowirkungen nicht über routinierte Gediegenheit hinaus.Nur im Andante cantabile konnten die in Bochum bereits festbestallte Solistin und der schlagtechnisch gewandte Andreas Schüller auch Entwicklungsbögen gestalten. Die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" besitzt offenbar für Studenten der Berliner Hochschule der Künste beträchtliche Anziehungskraft.Wie Andreas Schüller studierten auch die japanische Pianistin Nanako Egami und der israelische Dirigent Uri Rom zunächst an der HdK, bevor sie zur HfM überwechselten.Bei Beethovens c-Moll-Klavierkonzert Nr.3, mit dem sie jetzt ihr Aufbaustudium abschloß, erwies sich die zierliche Japanerin als stilsichere und nervenstarke Interpretin.Von der lyrischen Transparenz bis zum ausdrucksvollen Akkordspiel verfügt sie über alle hier erforderlichen Register.Auch Uri Roms souveränes Dirigat trug dazu bei, daß das überwiegend von Studenten, Dozenten und Angehörigen besuchte Absolventenkonzert im Großen Saal des Schauspielhauses so festlich und erfüllt abschloß.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar