Zeitung Heute : Alle vier Jahre verändert sich die Szenerie

MATTHIAS DE OLIVEIRA

An die Strände im Norden Brasiliens verirrt sich bisher kaum ein Tourist / Wanderdünen und klare LagunenVON MATTHIAS DE OLIVEIRA

Ceará ist nur wenig größer als Österreich und die Schweiz zusammen, und nur dünn besiedelt.Doch Ceará gilt als "Land des Lichts" in Brasilien mit mehr als 2800 Stunden Sonnenschein im Jahr allein an der 570 Kilometer langen Küste. So interessant das wilde Landesinnere von Ceará für den abenteuerlustigen Touristen auch sein mag, die meisten interessieren sich einzig für die Küsten des nordostbrasilianischen Bundesstaates. Während deutsche Touristen überwiegend die Küsten bei Salvador da Bahia und Recife, der Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco, aufsuchen, gelangen nur wenige nach Natal oder gar nach Fortaleza - aber genau in diesen Regionen zeigt die tropische Natur Brasiliens an den Küsten ihre symbolischen Farben: grün, gelb und blau.Die Schönheit der Küste läßt sich auf drei Hauptmerkmale reduzieren: hohe Dünen, Kokospalmen mit elegant geschwungenen, gertenschlanken Stämmen und ein lauwarmer Ozean unter zumeist azurblauem Himmel. Doch alle Strände im nördlichen Brasilien werden von einer sehr ausgedehnten Strandregion im äußersten Nordwesten des Staates Ceará übertroffen: Jericocoacoara.Genau 312 Straßenkilometer, ein Drittel davon auf nichtasphaltierten Pisten, liegt Jericoacoara von Fortaleza entfernt. Der 1200 Einwohner zählende Ort Jeri besitzt keinen direkten Stromanschluß.Die Häuser und gut ein halbes Dutzend Pousadas - einfache Herbergen für Touristen - werden durch einen ortseigenen dieselbetriebenen Generator versorgt. Schon um 6 Uhr wird Frühstück in der Pousada angeboten.Es gibt Kuchen und schmackhaftes einheimisches Obst.Von der mit trockenen Palmenwedeln überdachten Terrasse können wir auf die weißgelbe Dünenlandschaft Jericocoacoaras sehen.Lohnendes Ziel: die Lagoa do Paraíso, eine der größten, und schönsten Süßwasserlagunen im brasilianischen Nordosten, aber weit vom eigentlichen Strand entfernt.Die Lagune ist über vier Kilometer lang und 500 bis 1000 Meter breit.Das Wasser leuchtet so klar wie geschliffenes Glas.Gut fünf bis sechs Meter beträgt die Tiefensicht.Kaum Pflanzen gedeihen auf dem sandigen Grund, dennoch wimmelt es im Wasser von Fischen und Krebsen. Die Fahrt zur Lagune führt an Sicheldünen entlang, sogenannten Barchane, die in der Sprache der Einheimischen serrotes genannt werden.Diese Dünen ragen gut 30 bis 50 Meter hoch - und sie wandern so schnell, daß sich alle vier Jahre die Landschaft dramatisch verändert.So findet man heute an Kiosken in Fortaleza eine Ansichtskarte mit einem von einer hohen Sicheldüne umgebenen Kokospalmenhain.Die Vorlage zur Karte wurde um 1991 aufgenommen.Diese Düne wollen wir zum Sonnenuntergang besteigen - doch der Palmenhain ist schon seit zwei Jahren unter ihr begraben. Beim Strandimbiß essen wir einheimische Fischspezialitäten und vatapá, ein mit Kokossauce verfeinertes, auf Reis serviertes Hühnerfrikassee.Natürlich fehlen die obligatorischen, frisch riechenden Limonen nicht - doch aufgepaßt, man sollte die Limonen (limÄao) nicht ausquetschen, wenn ihre Spritzer auf nackte Haut treffen könnten.Bei der salzhaltigen Luft unter einer fast im Zenit stehenden Sonne verfärbt die Haut unter den Limonenflecken für den Rest des Lebens.Sie wird dann stets dunkler als die übrige Haut erscheinen. In Buggies geht es zur nächsten Lagune, der Lagoa dos Franceses, die mitten in einem dichten Fächerpalmenwald, weitab vom Strand liegt.Im Westen erstrecken sich zwei lange, fast parallele Sicheldünenreihen, eine dritte Dünenreihe folgt in weitem Bogen der großen Bucht bis zum Horizont, wo Tatajuba, der schönste Teil Jericoacoaras liegt. Umgeben wird Jericoacoara von den Stränden Enseada und Malhada, die ein 23 Kilometer langes Kap bilden.Jeri liegt genau an der Stelle, wo die Felsklippen in die weiten Dünenstrände übergehen.Einst wollten Fischer im 17.Jahrhundert beim Anblick der beiden parallelen Dünenstränge sowie einem dritten Dünenstrang, der fast in rechtem Winkel auf die beiden anderen trifft, ein riesiges Krokodil erblickt haben, das an Land gekrochen war.Jeri ist die in der damaligen Fischersprache gebräuchliche Abkürzungsform für jacaré, Alligator, Kaiman, und ocara, was soviel heißt wie "unter der Sonne trocknend".Poetisch wunderbare Details zu der seltsamen Namensgebung dieses Strandes kann der Portugiesisch sprechende Tourist von dem 82jährigen Dichter Joaquim Pedro Canuto erfahren, der in Jeri lebt.TIPS FÜR BRASILIEN - Lage: Fortaleza ist Hauptstadt vom Bundesstaat Ceará und liegt 400 Kilometer südlich des Äquators.Jericoacoara ist der berühmteste Strand in Ceará und liegt im hohen Nordwesten des Bundeslandes, 312 Straßenkilometer weit von Fortaleza und nur knappe 300 Kilometer Luftlinie südlich des Äquators. - Klima: Das Bundesland Ceará liegt in den Inneren Tropen.Die Küstenregion ist von einem ganzjährigen warmen, tropischen Klima geprägt mit saisonalen, zum Teil ergiebigen Niederschlägen in der Zeit von März bis August.Selten dauern jedoch die Niederschläge in der Regenzeit länger als einen Tag an.Oft wechseln sich Sonne und Regen in dieser Zeit ab.Die überwiegend sonnige und trockene Jahreszeit beginnt im September und dauert bis zum Februar.Die Tagestemperaturen liegen das ganze Jahr fast immer über 30 Grad Celsius . - Einreise: Alle Bundesbürger benötigen einen noch mindestens 6 Monate über den Aufenthalt hinaus gültigen Reisepaß. - Anreise: Es gibt Flüge von Sao Paulo und Rio de Janeiro mit Zwischenlandung nach Fortaleza.Es gibt keine direkten Linienflüge von Deutschland aus nach Fortaleza, sondern nur nach Rio de Janeiro, Sao Paulo, sowie Charterflüge nach Recife und Salvador da Bahia. - Gesundheit: Für einen Besuch der Küste des Bundeslandes Ceará ist eine Malaria-Vorbeugung ausreichend.Im Landesinneren reicht bloße Prophylaxe nicht überall aus.Schutzimpfungen gegen Tetanus, Polio, Hepatitis A dringend empfohlen. - Geld: Empfohlen werden Dollarnoten oder Reiseschecks.Dabei ist zu beachten, daß nur der Unterzeichner des Schecks diesen auch in Reais umtauschen kann. - Nebenkosten: Frühstück etwa 15 US-Dollar.Mittag- und Abendessen rund 15 bis 35 Dollar. - Sprache: Portugiesisch mit brasilianischen Varianten.In den Hotels der Großstädte wird auch Englisch und zum Teil Französisch und Spanisch gesprochen. - Stromspannung: In Brasilien sind 110 Volt und in guten Hotels neben 110 Volt auch 220 Volt vorhanden.In den Pousadas generell nur 110 Volt Stromspannung.In Rio de Janeiro und einigen anderen Orten gibt es eine Stromspannung von 220 Volt und 60 Hertz. - Auskunft: Easy Travel Services, Steglitzer Damm 3, 12169 Berlin, Telefon: 796 10 81/2, Fax: 795 03 42; Best of Brazil Tours, örtliche Filiale in Brasilien: 60060-220 Fortaleza-Ceará, Rua Senado Almino 441; Telefon- und Faxnummer: 00 55 / 85 / 254 46 93.

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