Zeitung Heute : Allergisch auf die Sonne?

Hautreaktionen können andere Ursachen haben

Adelheid Müller-Lissner

Wenn man für den Aufenthalt in der Sonne mit Quaddeln, juckenden Flecken, Bläschen oder Pickeln bestraft wird, sind Laien mit der Diagnose meist schnell bei der Hand: Na klar, eine Sonnenallergie! Auch von einer „Lichtallergie“ ist manchmal die Rede.

Hautärzte und Allergologen sind da vorsichtiger. Wenn die Haut unter dem Einfluss der Sonne Veränderungen zeigt, sprechen sie zunächst einmal allgemein von einer „lichtbedingten Erkrankung“. Eine echte Allergie attestieren sie ihren Patienten erst, wenn ein Stoff ausfindig gemacht werden konnte, der sie hervorruft – ein Allergen also, wie die Pollen beim Heuschnupfen. „Auf die Sonne selbst ist man nicht allergisch“, stellt Torsten Zuberbier von der Hautklinik der Charité Campus Mitte, Leiter der Europäischen Allergiestiftung, klar.

Wie viele aus leidvoller Erfahrung wissen, gibt es aber sehr wohl eine Überempfindlichkeit gegenüber dem Sonnenlicht, die vor allem viele Frauen zwischen 16 und 60 mit juckender, geröteter Haut büßen. Die Ärzte sprechen dann von polymorpher (also vielgestaltiger) Lichtdermatose. Der Begriff „Mallorca-Akne“ hat sich für die Pickel eingebürgert, die Empfindliche bekommen, wenn sie bestimmte Kosmetika, zum Beispiel fetthaltige Sonnenschutzcremes, anwenden und sich danach in die Sonne legen. In diesen Fällen lohnt sich, verstärkt auf textilen Schutz zu setzen. Vor allem für das Gesicht sollte man Mittel verwenden, die nicht so leicht zur Bildung von „Mitessern“ (Komedonen) führen.

Auch wenn man beim Wandern in der Sonne nach dem Kontakt mit Wiesengräsern an den nackten Beinen eine Art heftigen Sonnenbrand bekommt, hat man keine Allergie. Die Hautärzte sprechen dann von einer phototoxischen Reaktion.

Selten ist die „Lichturtikaria“. Der Aufenthalt im Sonnenlicht wird hier unmittelbar mit quälendem Jucken und Quaddeln bezahlt. Auch Fensterglas ist kein Schutz, denn die UV-A-Strahlen durchdringen es. „Das Licht der Sonne führt dazu, dass ein körpereigenes Eiweiß seine Struktur verändert und zusammen mit dem Sonnenlicht eine Reaktion in Gang setzt“, erläutert Zuberbier. „Das Eiweiß wirkt dann wie ein Allergen.“

Von einer echten photoallergischen Reaktion sprechen Hautärzte aber nur, wenn ein von außen kommender Stoff unter Einwirkung von Sonnenlicht das körpereigene Abwehrsystem in Alarmbereitschaft versetzt („sensibilisiert“). Dann regiert es im Wiederholungsfall überschießend, um den vermeintlichen „Feind“ zu bekämpfen. Solche Photoallergene können Stoffe sein, die man einnimmt, etwa als Arzneimittel. Die häufigste Ursache sind jedoch Bestandteile von Sonnenschutzmitteln, vor allem chemische UV-Filter. Letzten Aufschluss über den Urheber gibt der Photopatch-Test, für den zwei Proben der verdächtigen Substanz auf die Haut aufgetragen werden. Nur eine der beiden wird anschließend mit UV-Licht bestrahlt. Wenn sich nach einiger Zeit dort ein Ekzem zeigt, ist der Verdacht auf eine photoallergische Reaktion bestätigt. Wenn ein solcher chemischer UV-Filter zusammen mit dem Sonnenlicht als Allergieauslöser wirkt, kann man statt dessen auf physikalische Filtersubstanzen zurückgreifen, also auf Mittel, die feinste Pigmente wie etwa Zinkoxid enthalten.

Bei allen lichtbedingten Hautkrankheiten – ob nun allergisch oder nicht – besteht wirksame Hilfe darin, sich möglichst wenig der prallen Sonne auszusetzen. Dass sie wärmt, kann man trotzdem genießen. Sogar noch abends im Mondschein, auf der Terrasse des Urlaubsdomizils.

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