Zeitung Heute : Alles besser wissen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Was ist eigentlich los mit der englischen Sprache? In England lässt sich ein weiblicher Fußballfan den Namens ihres Idols David Beckham auf den Rücken tätowieren und muss später feststellen, dass der Tätowierer einen Buchstaben vergessen und ihr „Beckam“ auf den Leib geschrieben hat. Auf dem Oberarm von Claudia Strunz, Stefan Effenbergs Geliebter, prangt der herrliche Spruch „Real Love Never Die“. Und ja, offenbar sind lückenhafte Englischkenntnise auch in der Berliner Club- und Partylandschaft allgegenwärtig. English: A very difficult language? Ein Blick auf die Flyer oder Einladungskarten, die man Woche für Woche für irgendwelche Veranstaltungen erhält, scheint diesen Eindruck zu bestätigen. Ist Ihnen beispielsweise mal aufgefallen, dass sobald von mehreren Plattenlegern die Rede ist, irrtümlicherweise immer „DJ’s“ geschrieben wird? Es muss natürlich „DJs“ heißen, ohne Apostroph. Das gilt übrigens auch für andere wichtige Nachtleben-Worte wie „Drink’s“, „Cocktail’s“ und „CD’s“, die immer wieder gerne im Stile des sächsischen Genitivs apostrophiert werden.

Aber Rechtschreibfehler hin oder her: Es kann auch richtig lustig werden, wenn sich die Buchstaben plötzlich verselbstständigen. Unvergessen: „DJ Westbem“ letztes Jahr auf einem Love Parade-Flyer. Auch nicht schlecht: „DJ Leksi“, das neulich in einer Stadtzeitung zu lesen war. Oder die Ankündigung eines Auftritts des Londoner DJs „Geils Peterson“ in einem E-Mail-Flyer – der Mann heißt in Wirklichkeit Gilles. Wobei man allerdings bei DJ-Namen natürlich oft nicht so wirklich weiß, ob es sich um einen Rechtschreibfehler oder schlicht um eine coole Namensänderung handelt, von der man noch nicht gehört hat. Das gleiche gilt übrigens auch für die Benennung von Party-Veranstaltungen. Dafür greift man auch mutwillig zur kreativen Sprachverhunzung. Vergangenes Wochenende wurde zum Beispiel auf einem Flyer des Tacheles auf eine Psycho-Trance-Party der Agentur Partner & Partner hingewiesen. Sie hieß: „Trance-For-May-Schn“. Ob die Agentur da die richtigen Texter engagiert hat?

Ähnliche Veranstaltungsnamen stehen für dieses Wochenende leider nicht auf dem Programm, aber wenigstens ist ein Konzert im Bastard Club in Prenzlauer Berg angekündigt, das in musikalischer Hinsicht vielversprechend klingt. Dinky kommt aus Santiago de Chile ist dort live zu hören, eine DJ-Musikerin, deren jüngstes Album „Black Cabaret“ derzeit die Herzen vieler Musikliebhaber höher schlagen lässt. Die Musik, die Dinky von ihrem Laptop spielt, ist elektronisch, aber von einer großen Vielfältigkeit geprägt: Das Album changiert zwischen kühl groovenden Technotracks, die eine subtile Wehmut ausstrahlen, und Pop und Dance kompatiblen Hedonisten-Stücken. Das gleiche dürfte heute Abend zu erwarten sein, und fürs Auge gibt es bestimmt auch viel: Dinky ist nämlich nicht nur eine brillante Musikerin, in jüngeren Jahren studierte sie Ballett und Tanz in New York, eine Leidenschaft, die sie bei ihren Konzerten immer wieder gerne einbringt. See you!

Dinky und Support DJs im Bastard, Prater, Kastanienallee 7-9, Prenzlauer Berg, heute Abend, 23Uhr.

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