Zeitung Heute : Alles für den Mülleimer

Verständliche Symbole statt komplizierte Eingaben: Die Einführung des Apple Macintosh vor zwanzig Jahren revolutionierte den Umgang mit dem Computer

Kurt Sagatz

Dieser Werbespot sollte Geschichte machen: Am 22. Januar 1984 nutzte das noch junge Computerunternehmen Apple die Fernsehübertragung des Super-Bowls für eine ganz besondere Botschaft: Wer etwas gegen die Vorherrschaft von „Big Brother“ IBM tun will, bekommt nun seine Chance – mit dem neuen Macintosh. Der Angriff auf IBM und das Spielen mit Ängsten vor Orwells „1984“ war für zahlreiche TV-Sender Anlass, den Spot in ihren Nachrichtensendungen zu thematisieren.

Allerdings war nicht nur die forsche Werbung für den Macintosh revolutionär. Auch das Gerät selbst schien wie aus einer anderen Zeit: Erstmals gab es mit dem Macintosh einen Computer, der ohne komplizierte Eingaben bedient werden konnte. Gesteuert wurde der Mac vielmehr über die Symbole des „Desktop“. Einfach ein Dokument zu löschen, in dem man sein Symbol in einen virtuellen Mülleimer verfrachtet – das hatte es bislang noch nicht auf einem massentauglichen Computer gegeben. Erst mit der Einführung von Windows 3.1 Anfang der 90er Jahre sollte es Microsoft gelingen, die Dominanz von Apple bei den grafischen Benutzeroberflächen aufzubrechen.

Doch auch äußerlich unterschied sich der Ur-Mac von den Computern anderer Hersteller. Der integrierte Monitor und das ins Gehäuse integrierte Diskettenlaufwerk machten ihn unverwechselbar. Benannt wurde der Macintosh übrigens nach dem Lieblingsapfel des Macintosh-Designers Jef Raskin, dem „McIntosh“.

Der wirtschaftliche Erfolg des Macintosh blieb allerdings zuerst begrenzt. Anfangs gab es für das Gerät gerade einmal zwei Anwendungen, MacPaint und MacWrite. Hilfe holte sich Apple-Chef Steve Jobs ausgerechnet bei Bill Gates. Dessen Firma Microsoft programmierte für den Mac unter anderem die Tabellenkalkulation Excel sowie die Programme Chart und File.

In den Folgejahren gelang es Apple nicht nur, das Renommee, sondern auch die Verkaufszahlen zu verbessern. 1987 wurde eine Million Macs abgesetzt, man spielte nun tatsächlich in der IBM-Liga. Allerdings verpasste Apple durch eine restriktive Lizensierungspolitik die Chance, daraus einen dauerhaften Erfolg zu machen. Vielmehr schlitterte Apple in den 90er Jahren in eine existenzbedrohende Krise, die erst mit der Rückkehr von Steve Jobs an die Unternehmensspitze sowie der Einführung des iMacs und anderer innovativer Produkte wie dem Musik-Player iPod beendet wurde.

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