• „Alles purer Sex, behaart wie ein Affe, super“ So redet Anke Engelke über Harald Schmidt. Sie lag mit ihm im Bett.

Zeitung Heute : „Alles purer Sex, behaart wie ein Affe, super“ So redet Anke Engelke über Harald Schmidt. Sie lag mit ihm im Bett.

Aber zum Vorbild für Krisenzeiten nimmt sie sich lieber Helmut Kohl.

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Anke Engelke, 39, begann ihre Fernsehkarriere als 13Jährige. Mit der Comedy-Serie „Wochenshow“ bei Sat 1 wurde sie berühmt. Ihre „Anke Late Night“ auf Harald Schmidts Sendeplatz wurde jedoch nach fünf Monaten abgesetzt. Zurzeit ist Engelke in Helmut Dietls Film „Vom Suchen und Finden der Liebe“ zu sehen.

Interview: Matthias Kalle und Annabel Wahba Frau Engelke, im Kino spielen Sie gerade die Anwältin Helena, die von ihrem Mann betrogen wird. Durch einen Seitensprung will sie ihn zurückgewinnen – ein gutes Mittel, um Beziehungen zu retten?

Als ich das Buch gelesen habe, dachte ich auch als Erstes: Was ist das denn? Ich finde keines der im Film angebotenen Beziehungsmodelle lebenswert, weder die Sache mit dem Seitensprung noch das Arrangement zwischen Helena und ihrem Mann Theo, wonach er Frau und Geliebte behalten kann – nee, das ist alles nix für mich.

Haben Sie Dietl gefragt: Warum macht die das?

Ja. Natürlich. Aber ich habe ihm nie gesagt, dass ich es eigentlich völlig falsch finde. Ich wollte sie verstehen, um sie darstellen zu können. Es gibt diese Szene, da liegt die sonst so strenge Helena in Theos Bett – totkomisch, dass die getrennte Schlafzimmer haben – , und gibt sich ganz weich, obwohl ihr Mann sie gar nicht will. Da habe ich gefragt: Warum geht die denn jetzt nicht?

Und was hat der Regisseur dazu gesagt?

„Die will jetzt nicht aufgeben.“ Er hat Helena und ihre Handlungen nie gerechtfertigt. Aber ich sehe das eben so: Das lässt sich eine Frau nicht gefallen, nicht im Jahr 2005. Dass der Typ sagt: „Wie, du willst kuscheln? Nö, gibt’s nicht!“ Die nimmt dann das Kind und geht. Zumindest möchte ich die Frauen von heute gerne so sehen.

Ihr Liebhaber, durch den Sie Ihre Filmehe retten, wird ausgerechnet gespielt von Harald Schmidt.

Ja, ich habe ein Verhältnis mit ihm! Das muss noch mal fest gehalten werden! Ich! Mit Schmidt!

Ein Verhältnis ist übertrieben: Als Sie mit ihm im Bett lagen, trug er zwei paar Unterhosen.

Wir lagen da zusammen, irgendwann hat er die Decke hochgeschlagen, und da sehe ich: Der hat so eine längliche, eng anliegende Unterhose an und darüber so etwas wie eine Boxershorts. Ich hoffe, ich erinnere mich jetzt richtig. Es war jedenfalls eine ganz absurde Kombination.

Mit andern Worten: Es sah nicht gut aus.

Doch! Ich finde, Schmidt sieht immer gut aus.

Der Mann ist stark behaart.

Alles purer Sex, behaart wie ein Affe, super.

Die Dreharbeiten waren vergangenen April, kurz bevor Sie auf Schmidts Sendeplatz die „Anke Late Night“ übernahmen. Als Sie beide zusammen unter der Decke lagen: Haben Sie darüber gesprochen?

Nein, das spielte überhaupt keine Rolle. Wir waren beide komplett in diesem Paralleluniversum, dieser Dietl’schen Welt, abgetaucht.

Wie bitte – Sie drehen mit Harald Schmidt und reden nicht über dieses Thema?

Ehrlich, nein. Den ganzen Rummel in Deutschland habe ich damals gar nicht an mich herangelassen. Es ging auch gar nicht. Dietl ist da sehr herrisch, fast schon diktatorisch, da gibt es links und rechts nichts anderes. Wenn man den Text nicht kann oder ein Komma nicht richtig intoniert... Ich habe mir immer gedacht, der erschießt mich gleich.

Helena, diese karrieresüchtige Anwältin, ist eine Parodie. Das ist Ihre Stärke. Fällt es Ihnen schwerer, als Sie selbst im Fernsehen aufzutreten?

Das ist so bei mir, und das wird auch immer so sein.

Sie wollen eigentlich nichts von sich preisgeben.

Doch, schon. Es gibt Sketche in meiner Show „Ladykracher“, die auf Situationen beruhen, die wir miteinander erlebt haben – in unserer Clique, mit den Autoren, mit den Regisseuren. Und auch wenn ich die Texte zuvor nicht kenne, könnten sie doch von mir sein. Die Autoren schreiben mir häufig Texte, die an meine Grenzen gehen, die jeder anderen peinlich wären. Die vielen Ehe-, Freundinnen- und Sexszenen: alles ganz intim und beängstigend bekannt und wahr. Aber ich spiele das, da ist eine Kamera, da ist der Text, und ich reproduziere.

Das ist der Job.

Genau. Aber wenn ich auf eine Bühne gehe, und aus dem Off kündigt jemand an: „Hier ist… Anke Engelke!“, dann kostet mich das immer erst mal Überwindung, weil ich dann den Menschen suggeriere: „Hallo, hier bin ich, und ich bin die Größte.“ Und das finde ich ganz, ganz ätzend.

Wir glauben Ihnen kein Wort.

Es ist aber wahr. Jeder denkt doch, dass jemand, der freiwillig auf eine Bühne geht und ein Mikrofon in der Hand hält und was erzählt, sich auch automatisch großartig findet. Bei manchen Entertainern klappt das ja auch super, und die sind gemacht für die Bühne. Ich bin das eben nicht.

Man hat von Ihnen nie ein bitteres Wort über das Ende der Late Night Show gehört. Sie haben auch nie Ihre Kritiker angegriffen.

Ich weiß auch nicht, warum das so ist. Aber mein Freund Olli Dittrich, mit dem ich gerade wieder eine Episode von „Blind Date“ mache, ist in diesem Punkt genauso. Er konzentriert sich extrem auf seine Arbeit. Unsachliche Kritik von anderen oder gar gegen andere macht für uns keinen Sinn. Deshalb würde ich auch nicht sagen, dass dieses Defensive spezifisch weiblich ist. Wenn ich der Meinung wäre, ich bin die Größte, dann würde ich doch ein Soloprogramm machen. Ich bin aber eigentlich gar nicht so ein Showtyp.

Aber Sie haben eine Show gemacht.

Nein, ich meine damit: Mein Name auf Plakaten, auf der Bühne stehen in der Itzelbitzelhalle in Poppenhausen. Das ist nicht mein Ding. Ich habe nicht den Drang, mich immerzu mitzuteilen. Ich bin ein totaler Teammensch, der am liebsten immer alle nennen würde, die dafür verantwortlich sind, dass ich das machen kann, was ich da mache.

Sie brauchen aber nicht nur Menschen, mit denen Sie arbeiten können, Sie müssen ihnen vertrauen.

Ja, sonst geht es gar nicht. Ich vertraue ja sogar dem Dietl. Der hätte mich komplett ausliefern können, ich wäre ihm gefolgt.

Jetzt übertreiben Sie.

Ich kenne den Dietl ja nicht, aber warum vertraue ich dem Mann so? Wie komme ich dazu, mich am ersten Drehtag auszuziehen? Ich muss total bescheuert sein. Bin ich aber nicht. Dietl ist einer, der packt einen einfach. Der kennt die Menschen.

Haben Sie den Leuten zu sehr vertraut, die Ihnen einredeten, Sie seien die Königin der „Late Night“?

Nein, denn das habe ich nie geglaubt oder gewollt. Dann wäre ich ja auch schön blöd. Wir haben immer gesagt: Hey, das versuchen wir mal. Hat es noch nicht gegeben, eine Frau in so einer Sendung. Wir machen da einfach eine Mischung aus „Ladykracher“ und Talk und Musik und durchgeknallten Dingen und klugen Ansätzen. Und wenn man so an die Sache rangeht, dann ist man auch nicht frustriert, wenn es nicht klappt. Ich kannte das ja schon: „Anke – die Serie“ wollte auch niemand sehen, obwohl ich die sehr schön fand.

Sie kannten das Risiko und zeigten sich in Interviews kämpferisch und siegessicher.

Man macht in solchen Interviews Werbung für eine Sendung, nicht für sich selbst. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer One-Woman-Show und einer 50-Personen-Show. Persönliche Interviews gibt man doch eher zu einer sehr intimen Platte oder so. Mach ich aber nicht. Ich singe auch gar nicht gut genug.

Wenn Sie sagen, dass seien nicht Sie, dann heißt das auch, dass die Kritik nicht Sie trifft.

Zum Teil. Kritik, die unter die Gürtellinie geht, berührt mich tatsächlich überhaupt nicht. Ich weiß nicht, ob ich alles gelesen habe, was Sie in den letzten Monaten über mich gelesen haben. Stellen Sie sich das so vor, als ob ein Kollege Sie mobbt: Entweder man ist dafür empfänglich oder man ist es nicht. Und wenn einer irgendwann zu fies wird, dann gehen Sie dem entweder aus dem Weg oder Sie hauen ihm mal eine rein. Entweder Sie wählen seine Mittel oder Ihre eigenen. Ich habe immer meine eigenen Mittel gewählt, schon vor Jahren.

Etwas genauer, bitte.

Na ja, ich rede zum Beispiel mit bestimmten Blättern nicht, die eine klare „jetzt ist sie oben und jetzt ist sie unten“-Sicht auf die Dinge haben. Die Boulevardpresse macht die Menschen groß, verleiht ihnen Titel, „Comedy-Queen“ und so, dann kriegt man Preise – und auf einmal sagen sie: So, jetzt schlachten wir die! Das scheint dazuzugehören, obwohl die natürlich wissen, dass sie dafür in die Hölle kommen.

Diese Gewissheit reicht Ihnen?

Ja, und die Gewissheit, dass ich konstant meine Arbeit mache, und die finde ich immer okay. Ich gehe ja nicht los und sage: „So, heute bin ich mal richtig Scheiße.“ Ich gebe alles. Da habe ich totale Freude dran, ich kann anders nicht arbeiten. Wenn die Zuschauer das nicht mögen, dann höre ich auf, weil ich das nicht für mich mache, sondern für sie.

Haben Sie in der Show gespürt, dass das Publikum nicht so mitzieht, wie es müsste?

Ich habe da ein gutes Gespür. Wenn ich einen Raum betrete, kann ich in den Blicken der Menschen sehen, ob das ein angenehmer Aufenthalt wird oder nicht.

Man merkt natürlich, wenn man einen Witz macht und die Zuschauer reagieren nicht.

Das ist von so vielen Faktoren abhängig: Themenlage, Witzqualität, Tagesform. Und zwar nicht nur meine, auch die des Publikums. Wenn da eine Gruppe junger Studenten sitzt,wird bei den Merkel-Witzen schneller gelacht, der fröhliche Betriebsausflug freut sich mehr über Pimmel-Witze. Das ist spannend und frustrierend zugleich.

Und was ging in solchen Momenten in Ihnen vor?

Sich lange über eine vergeigte Pointe zu ärgern oder über ein waches Publikum zu freuen, sprengt den zeitlichen Rahmen der Show und bringt nichts.

Sie wirkten sehr mutig: Als klar war, dass Ihre Sendung abgesetzt würde, haben Sie noch zwei Wochen weitermoderiert, als ob nichts passiert wäre.

Ja, Mut habe ich eine ganze Menge. Die Kraft dazu geben mir die Leute, mit denen ich arbeite. Ich kann aber auch nur auf Menschen hören, deren Arbeit ich kenne und respektiere. Wenn die am nächsten Morgen sagen, „ach, das war aber nichts“, oder „ja, gut“, dann ist das wichtig für mich.

Vor drei Jahren sagten Sie uns im Interview, zu Ihrem Glück fehle Ihnen die Unabhängigkeit von der Bewertung anderer. Sind Sie heute glücklicher?

Glücklicher bin ich, aber nicht unabhängiger von meiner direkten Umgebung. Macht aber nichts, Hauptsache glücklich.

Als Sie 17 waren, wollte Sie der Programmchef des ZDF nicht mehr haben, weil Sie ihm zu dick waren.

Das hat mich damals umgehauen, aber ich bin jemand, der das dann erst mal zur Kenntnis nimmt und mindestens eine Nacht drüber schläft. Ich kann auch ein Jahr über etwas schlafen. Ich finde dieses Helmut Kohl’sche „Aussitzen“, der einfach abgewartet hat, bis sich die Aufregung von alleine gelegt hat, als Vergleich mit mir zwar missraten. Ich setze mich irgendwann schon sehr intensiv mit so etwas auseinander, aber erst mit einer schönen Distanz, mit einer zeitlichen und einer räumlichen.

Die Erfahrung von damals hat Ihnen geholfen?

Ja, absolut. Ich würde zum Beispiel niemals jemanden, der im Fernsehen zu tun hat und vor der Kamera steht, auf das Äußere reduzieren.

Sie hatten immer ein privates Umfeld: Menschen, die da sind, wenn man eine Niederlage erlebt.

Ist das so ungewöhnlich?

In Ihrer Branche denkt man an falsche Freunde.

Ich habe meine Familie. Die ist immer da. Was die Freunde angeht, ist das schon ein wenig schwieriger. Das muss man erst mal hinkriegen, dass man sich einen Monat nicht meldet, und die Freunde dann trotzdem noch da sind. Oh Gott, wenn ich gerade daran denke: Meinen besten Freund, mit dem ich bei SWF3 gearbeitet habe, den habe ich das letzte Mal gesehen zu Pfingsten im vergangenen Jahr. So was geht doch eigentlich gar nicht...

Sie sagen trotzdem: mein bester Freund.

Ja, immer. Das hat doch jeder: ein paar wenige beste Freunde, denen man nichts erklären muss. Die oft mehr Verständnis haben als die Menschen, die täglich um einen herum sind. In unserem Fall haben wir aber auch jahrelang eng miteinander gearbeitet, das reicht noch für ein paar Jahre! Man klebt schön aneinander.

Ihr Lebensgefährte Claus Fischer war der Bandleader in der „Anke Late Night“. Wie ist das, wenn man mit seinem Partner auch noch arbeitet?

Finde ich super. Je näher man den Leuten ist, mit denen man zusammenarbeitet, desto schöner ist die Arbeit. Und so viel wie möglich zu teilen, macht ja auch Sinn. Ich kenne aber mehr Leute, die sagen: „Oh nein, bitte nicht nach Feierabend auch noch über die Arbeit reden.“ Aber warum denn nicht? Wenn das doch Teil unseres Lebens ist.

Vermissen Sie die Arbeit mit ihm?

Nein. Wir tun das ja trotzdem, wir spielen seit über zehn Jahren in einer Band, da bin ich manchmal Gastsängerin. Franck-Band heißt sie, Spitzen-Band, auch wenn sie keiner kennt. Wir tauschen aber ohnehin unsere Meinungen aus über das, was wir gerade machen. Es geht aber nicht immer ums Fernsehen bei uns.

Aber Sie machen sich dazu sicher Gedanken. Was fehlt Ihnen in der deutschen Fernsehlandschaft?

Wenn Harald Schmidt nicht zurückgekommen wäre, würde mir etwas fehlen.

Manche Kritiker wünschen sich, seine Show in der ARD wäre wieder so sinnentleert wie früher.

Wirklich? Ich finde, alle müssten froh sein, dass er wieder da ist. Ich freue mich einfach darüber. Das ist das Gefühl, das ich auch konserviert habe während meiner Show: Wenn die Menschen sich freuen, dass man auftritt, weil sie uns als Entertainer mögen, egal ob ihnen jedes Detail gefällt.

Ist der Druck stärker geworden? Als Schmidt anfing und die Quoten schlecht waren, sagte sein damaliger Chef Fred Kogel trotzdem: Weitermachen!

Spitzentyp, oder? Das ist mal ein Chef. Aber es stimmt, dass sich das verstärkt hat. Nur habe ich keine Erklärung dafür. Vor allem ist das, was wir jetzt besprechen, wahnsinnig zuschauerfern.

Den Zuschauer interessiert: Ärgert sich Anke Engelke darüber, dass Schmidt jetzt wieder eine Late Night Show macht, nachdem ihre abgesetzt wurde?

Die Frage verstehe ich nicht. Was erwarten diese Menschen? Dass ich jetzt sage: Das ist aber Kacke, was der macht. Ich bin doch kein Monster.

Würden Sie eine Wette auf die Zukunft seiner Sendung abschließen? So wie Rudi Carrell 10000 Euro wettete, dass Sie mit Ihrer Late Night scheitern.

Jeder hat seinen Stil. Und meiner ist das nicht.

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