Zeitung Heute : Als Öko am Computer

ANJA KÜHNE

Jedem Student den eigenen PC, jedem Kind seine programmierbaren Legosteine - der Elektronik- und Informationsmarkt boomt in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft.Für die Umwelt ist die rasante technologische Entwicklung ein Segen, wenn sie sauberere Lösungen ermöglicht.Andererseits belastet der Weg in die Informationsgesellschaft die Natur aber auch.Jährlich fallen etwa 1,5 Millionen Tonnen Elektro- und Elektronikschrott an, wovon 444 000 Tonnen verschrottete Unterhaltungselektronik und etwa 100 000 Tonnen Informationstechnik sind.Was kann getan werden?

Eine Reihe von Gegenmaßnahmen schlagen das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor, die jetzt im Auftrag der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Schutz des Menschen und der Umwelt" gemeinsam die bundesweit erste systematische Studie zu den Umweltfolgen der neuen Technologie veröffentlicht hat.

Gefordert sind nach Ansicht der Autoren vor allem der Gesetzgeber und die Hersteller, die dafür sorgen sollen, daß umweltschonende Materialien verwendet werden, die später recycelt werden können.Aber auch der Endverbraucher kann die neuen Technologien umweltschonend nutzen, wie Ralf Pfitzner vom IZT erklärt: So sollte man bei der Anschaffung von Geräten auf niedrigen Energieverbrauch achten.Die Schweiz und die USA kennzeichnen besonders sparsame Geräte mit den Labeln "Energie 2000" und "Energy Star", an denen sich die Verbraucher gelegentlich auch schon in Deutschland orientieren können.Klebt auf dem Gerät der "Blaue Engel" des Bundesumweltministeriums, ist es aus schadstoffarmen Materialien hergestellt, und der Hersteller verpflichtet sich dazu, das Gerät kostenlos zurückzunehmen.Bei Fernsehern ist dies generell seit Anfang des Jahres Pflicht, am Jahresende wird dies wohl auch für Faxe und Telefone gelten.

Ständig gibt es neue, verbesserte Produkte: Behielt man sein Telefon bis in die achtziger Jahre noch zwölf Jahre lang, sind es heute nur noch fünf Jahre - ein Trend, der sich weiter fortsetzen wird.Pfitzner empfiehlt den Kunden, solide Geräte zu kaufen, die später mit weiteren Funktionen aufgerüstet werden können, selbst wenn man diese momentan noch für verzichtbar hält.Der "Blaue Engel" zeigt an, ob daß Gerät mit austauschbaren, standardisierten Komponenten ausgestattet ist.Ein umweltschonender Drucker hat keine Einweg-Tintenpatronen, sondern ein material- und geldsparendes Refill-System.

Pfitzner rät, den Energieverbrauch zu senken, indem man sämtliche miteinander verbundene Geräte an eine abschaltbare Steckerleiste anschließt, mit der man sie mit nur einem Knopfdruck abschalten kann, wenn man sie länger nicht benutzen will.Bei manchen Computern kann man die Zeit einstellen, nach der sie sich von selbst in den Stand-by-Modus schalten.

Computer dürfen nicht im Hausmüll entsorgt werden.Bei den Recycling-Höfen der Berliner Stadtreinigung kann man sie für 25 Mark abgeben, läßt man sie abholen, kostet das 35 Mark (Telefon 759 20).Fotokameras oder Telefone werden kostenlos entgegengenommen.Für funktionstüchtige Computer ab einer gewissen Leistungsklasse finden sich übrigens immer Interessenten, beispielsweise die Tagesspiegel-Kontaktbörse "Computer in die Schulen" (Telefax: 26 009-377).Die größten Möglichkeiten zur Abfallvermeidung sieht Pfitzner aber im Spielzeugbereich: "Weil es nun einmal kein ökologisches Tamagotchi gibt, sollte man sich vorher genau überlegen, ob man überhaupt eins braucht."

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