Zeitung Heute : Am Ball bleiben

Die Mutter-Job-Grätsche

-

Mutter und berufstätig zu sein, ist eine Grätsche. Die 40jährige Ophelia Beckmann kann davon ein Lied singen. Sie studierte in Maastricht und Düsseldorf Kunst sowie Kunst am Bau und arbeitete als freie Künstlerin. 1990 ging sie nach Berlin. Obwohl sie inzwischen Mutter von zwei Kindern geworden war, folgte sie 1994 ihrem Mann nach Griechenland. Der hatte dort einen Job angenommen. In Thessaloniki widmete sich Beckmann nicht nur ihren Kindern, sondern auch ihrer Kunst und machte Ausstellungen. Nach drei Jahren kehrte die Familie nach Berlin zurück. Beckmann stieg im künstlerischen Bereich auf Fotografie um – obwohl sie rückblickend sagt: „Durch die vielen Umzüge und meine Kinder war es schwer für mich, beruflich Anschluss zu finden."

Trotzdem wollte sich die – nicht eben üppig verdienende – Fotografin künstlerisch weiterentwickeln und deshalb mit elektronischer Bildbearbeitung beschäftigen. So absolvierte sie eine Ganztags-Weiterbildung zur Webdesignerin. Das funktionierte nur, weil sie für den Nachmittag ein Kindermädchen anheuerte, denn die Kinder kamen schon Mittags aus der Schule. Die Mühen und Kosten haben sich gelohnt: Seit vergangenem Jahr gestaltet Beckmann von zu Hause aus Internetseiten für Architekten und Ingenieurbüros. So ist sie für die Kinder auch tagsüber ansprechbar. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass sie sich die Aufträge mit einer Partnerin teilt. Auch mit ihrer Kunst geht es bergauf. „Ich habe mich umorientiert und bin froh, dass ich mit 40 endlich weiß, wie es bei mir beruflich weitergeht – gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation."kaw

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben