Zeitung Heute : Am Boden bleiben

Ariane Bemmer

Wie eine West-Berlinerin die Stadt erleben kann

Mein erster Flug ging 1978 in den Schulferien nach Mallorca. Die Flüge kosteten damals ein Vermögen und waren Monate im Voraus gebucht, wir wimmerten beim Start, klatschten bei der Landung, und als wir ausstiegen, machten Flughafenfotografen Fotos von uns allen. Das ist alles Geschichte, heute kauft man heute und fliegt morgen, und ein Billigflug nach Mallorca kostet ähnlich viel wie eine BVG-Tageskarte.

2,7 Millionen Flugzeuge fliegen heute jedes Jahr am Himmel über Deutschland herum, dreimal so viel wie zur Zeit meines ersten Fluges. Entsprechend häufiger kommt es zu Vorfällen und es ist statistisch immer wahrscheinlicher geworden, dass auch mir in einem Flugzeug mal etwas passieren sollte. Bei der Deutschen Bahn ist diese Schamgrenze übrigens lange abgelaufen, da blieben alle vier Züge, mit denen ich jüngst fuhr, auf offener Strecke liegen.

Mein außerplanmäßiges Flugzeugabenteuer ereignete sich nun vor einigen Tagen am Flughafen von Zürich. Die Maschine der Fluggesellschaft Air Berlin nach Berlin war startklar und fuhr los, schnell und immer schneller, und gerade als sie abheben sollte, bremste der Pilot und alle quiekten und rutschten in ihren Sitzen nach vorne. „Normal operation“, sagte der Pilot auf Englisch. Ein Tempomesser sei kaputt, wir fuhren zurück zum Flughafen. Die Tür ging auf, es roch verbrannt. „Keine Angst“, sagte der Pilot, das seien nur die Bremsen. Außerdem stehe ja die Feuerwehr bereit. Wollte er uns damit etwa beruhigen?

Wir mussten aussteigen und drei Stunden warten, was viele Fluggäste sehr empörte. Air Berlin bemühte sich um Krisenmanagement, scheiterte aber an Währungsdifferenzen: Es wurden Gutscheine im Wert von acht Franken verteilt, mit denen wir an den Flughafensnackbars etwas kaufen sollten, aber das billigste Sandwich kostete 8,50 Franken, worüber sich die Fluggäste noch mehr aufregten. Ich dagegen war froh und dankbar, dass meine erste Flugzeugpanne am Boden stattgefunden hatte. Sollte das ein Wink des Schicksals gewesen sein?

Air Berlin Flüge unter www.air-berlin.de. Man kann auch mit dem Auto nach Zürich fahren, sicherer ist das zwar nicht, aber es dauert auf den jeden Fall länger als ein Flug mit dreistündiger Verspätung.

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