Zeitung Heute : Am kurzen Ende

Die Gesundheitsreform bringt viele Einschnitte. Wen treffen sie? Was sind die Härtefälle?

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Von der Gesundheitsreform sind viele Patienten bisher wenig begeistert: Der Doktor verlangt seit Anfang Januar zehn Euro für den Arztbesuch, manche Medikamente werden von der Kasse nicht mehr erstattet, das Taxi zum Arzt muss aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Einige können sich das leisten, manche aber trifft es hart.

Chronisch Kranke: Wer wegen einer chronischen Erkrankung regelmäßig zum Arzt gehen muss, für den kann die Gesundheitsreform teuer werden. Zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal, plus Medikamentenausgaben zwischen fünf und zehn Euro pro Packung. Maximal werden im Jahr ein Prozent der Bruttoeinkünfte fällig – das kann sich aber läppern. Bei einem Jahreseinkommen von 30000 Euro (inklusive Kapitaleinkünfte) sind das zum Beispiel 300 Euro. Wer als Chroniker anerkannt wird und damit nur ein statt zwei Prozent zuzahlen muss, entscheidet der zuständige Bundesausschuss erst am 27. Januar. Voraussichtlich muss eines der folgenden Kriterien erfüllt sein: acht Arztbesuche wegen der Krankheit im Jahr, Pflegestufe I oder II, 70 Prozent Schwerbehinderung oder Erwerbsminderung oder zwei Krankenhausaufenthalte in den vergangenen beiden Jahren wegen der chronischen Krankheit. Dazu soll es einen Katalog mit Indikationen geben (zum Beispiel Mukoviszidose). Diabetiker gelten möglicherweise nicht als Chroniker.

Taxifahrten: Wer auf dem Land wohnt, hat es unter Umständen weit zum Arzt. Ab 2004 werden Taxifahrten nicht mehr erstattet. Ausnahmen: Strahlen- oder Chemotherapie- und Dialysepatienten bekommen die Fahrt von der Kasse bezahlt, bis auf eine Zuzahlung von fünf Euro. Schwer Gehbehinderte sollen auch befreit werden.

Sozialhilfeempfänger: Erstmals müssen Sozialhilfeempfänger Zuzahlungen leisten. Für die 260000 pflegebedürftigen Menschen im Heim, die Sozialhilfe beziehen, bedeuten zehn Euro Praxisgebühr viel – vor allem wenn sie nur ein monatliches Taschengeld erhalten. Sie sollen voraussichtlich erst einmal befreit werden. Die Sozialhilfeträger überweisen den Kassen zum 1. Juli die 35 Euro, die für das Jahr fällig werden – ein Prozent des Sozialhilferegelsatzes. Sukzessive ziehen die den Betrag ab, um die Belastung zu verteilen. ce

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