Zeitung Heute : Am Rande der Farbe

RONALD BERG

Die Berliner Malerin Anke Paola Neumann im van der Rohe HausFrüher, als das Mies van der Rohe Haus noch bewohnt war und Landhaus Lemke hieß, hatte sein Eigentümer, der Besitzer einer Kunstdruckanstalt, natürlich auch schon Kunst an den Wänden.Soviel man auf alten Fotos erkennen kann, gab es eine Wandmalerei mit einer nackten Frau auf einem Pferd.Nachdem nun also das schlicht kubische Wohnhaus bis auf die Substanz reduziert worden ist, spielt das Haus als Ort für konkrete Kunst und Minimal Art eine entscheidende Rolle.Entsprechendes wird für Ausstellungen ausgewählt: zum Beispiel Anke Paola Neumann, Jahrgang 1962, Absolventin der hiesigen Hochschule der Künste. Der Berliner Künstlerin geht es um Farbe im essentiellen Sinne.Sie steht in der Tradition der Farbfeldmalerei und der Monochromie.Ihre Arbeiten zeigen, daß es trotz aller naheliegenden Uniformität in dieser Richtung immer noch etwas zu entdecken gibt.Neumanns spezielles Thema sind Ränder: die Ränder des Bildes und der Farbe.An den Außenkanten der beiden Bilder erscheint jeweils die Farbe des Gegenübers auf.Auf diesen schmalen Grad der Auflösung und des Übergangs der einen Farbe in die andere hat es die Künstlerin abgesehen.Das eine geht ins andere über, löst sich auf: die Zone des Übergangs ist so subtil, daß sie aus der Ferne betrachtet zugunsten einer harten Grenze verschwindet. Dieses Phänomen wird in einer Reihe von vier Tafeln erprobt.Trennungslinie und Übergang, Differenz und Annäherung, Lücke und Nachbarschaft sind hier im Spektrum von zartem Grün, Gelb, dunklem Braun und Schwarz sehen.Mal nehmen die beidseitig am Rand liegenden schmalen Streifen des dunklen Farbtons das Helle in die Mitte, mal rahmt ein Rosa das Schwarz; mal sind die Kontraste weicher, mal härter.Darüber hinaus kommen die Brüche der vier Tafeln untereinander in den Blick.Dafür stellt die Architektur die Ränder - mit ihren Proportionen und ihrem Weiß, das heißt: durch die Abwesenheit von Farbe.Letztlich also untersucht Neumanns Malerei durch die Darstellung von Grenze, Bruch und Übergang im Medium der Farbe die Rolle des angemessenen Raums, in dem sich ein solches Schauspiel ereignen kann.Das Mies van der Rohe Haus liefert der Malerei den passenden Rahmen und schmückt sich gleichzeitig mit dem farbigen Inhalt.RONALD BERG Mies van der Rohe Haus, Oberseestr.60,
bis 24.Mai; Dienstag bis Donnerstag 13-18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 14-18 Uhr.
Katalog 10 DM.

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