Amadeus Becker : Mozart, der Soundtrack des Lebens

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Als der Osten noch DDR hieß, gaben Eltern ihren Kindern gerne Namen wie Mandy, Sandy, Wendy oder auch Sandro und Enriko. Das sollte gewiss ein bisschen Westen vermitteln, ist aber trotzdem nicht zu entschuldigen. Grundsätzlich gehört die Namensfindung zum Schwierigsten einer Schwangerschaft. Welcher Name ist gerade in, welcher out, und vor allen Dingen: Was bedeutet so ein Name, welches Nomen passt zum Omen? Boris zum Beispiel, Boris heißt der Kämpfer. Als der Beckerboris noch Tennisspieler war, passte der Name zur Tat. Heute lässt Boris sich lieber inspirieren. Zur Namensgebung für seinen jüngsten Sohn habe ihn und Gattin Lilly Mozarts „Kleine Nachtmusik“ verführt, sagte er, „es ist der Sound, der unser Leben begleitet. Da lag es nahe, dass wir unseren Sohn Amadeus nennen.“ Wolfgang oder Wolferl hätten natürlich auch nahegelegen. Viel näher sogar, weil Amadeus nur so eine Art Künstlername ist und der kleine Nachtmusiker eigentlich und vollständig Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theopilus hieß. Chrysostomus Benedict Edley Luis Becker hört sich aber wirklich nicht gut an. Alle würden sagen, der arme Kerl. Was für ein Glück für den Kleinen, dass Mozart selbst den Theophilus in sich, also den „von Gott geliebten“, ins Französische übersetzt hat, in Amadé, woraus dann in der lateinischen Fassung Amadeus wurde.

Die „Kleine Nachtmusik“ geht ungefähr so: tamm-ta-tamm, ta-tamm-ta- tamm-ta-tamm. Das also ist der Soundtrack des Lebens im Hause Becker. Ziemlich eindeutig, könnte man sagen mit Beckers bisheriger Vita im Kopf. Aber doch auch sehr zugänglich und geordnet. Und unterm Strich etwas schlicht. Und mittlerweile auch reichlich abgenudelt. Gott im Himmel, bumm-ta-bumm, ta-bumm-ta-bumm-ta- tamm, nach all den Jahren seit ihrer Komposition, wer kann das noch ertragen als Lebensbegleiter? Womöglich noch rund um die Uhr, als „Kleine Morgenmusik“, „Kleine Mittagsmusik“. Andererseits, wer kann schon von sich behaupten, einen durchgehenden Soundtrack seines Lebens oder wenigstens seiner Beziehung zu besitzen? Noch dazu einen so friedfertigen und verspielten. In einem normalen Leben scheppert es doch oft gewaltig posaunig dazwischen, da paukt es auch schon mal disharmonisch und wummern nervtötend die Bässe. Kennt Becker ja auch. Weswegen die Namensgebung seines Sohnes vielleicht weniger inspiriert, sondern mehr manieriert war. Also wie bei Mandy, Sandy, Wendy, Sandro und Enriko. Helmut Schümann

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