AMERICANA The Walkabouts : Die verlorene Generation

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Wenn man bedenkt, wie viel Talent, ja sogar Genialität sich in den herausragenden US-Indie-Bands der Achtziger geballt hatte, ist es umso erstaunlicher, dass die meisten von ihnen in Vergessenheit geraten sind. Wer kennt heute noch The Dream Syndicate? Green On Red? Guadalcanal Diary? Rain Parade? The Gun Club? Eleventh Dream Day? Alles tolle Gruppen, denen man damals eine nicht minder rosige Zukunft als etwa R.E.M. – den einzigen, die zu Ruhm und Geld gekommen sind – vorausgesagt hätte. Okay, ein paar aus dieser verlorenen Generation, etwa Yo La Tengo und Giant Sand, haben überlebt und touren mit einem simultan alternden Publikum der Rockrente entgegen.

Zu diesen Stehern gehören auch The Walkabouts. Das kreative Herz der Seattle-Veteranen ist seit jeher das Paar Carla Torgerson (Foto, rechts) und Chris Eckman (links), das sich wahlweise in einer Fischfabrik in Alaska oder – weniger exotisch – auf einem College im Bundesstaat Washington kennengelernt hat. Jedenfalls gründeten die beiden 1984 eine Band, die sie nach Nicolas Roegs Kultfilm „Walkabout“ benannten. Bis zu den ersten Platten dauerte es ein Weilchen, aber seit Ende der Achtziger haben die Walkabouts auf fast 20 Alben und mit diversen Kollaborationen die Tradition handgemachter, in den Weiten der amerikanischen Urlandschaft verankerter Rockmusik in Ehren gehalten. Zu ihrem Glück hatten sie mit dem im westfälischen Beverungen ansässigen Glitterhouse-Label auch in schwierigen Zeiten einen stabilen Rückhalt. So darf Eckman hoffentlich noch recht lange seine Gitarrensoli lodern lassen und sich in leidenschaftlichen Eifersuchtsduetten mit seiner Lebensliebe Torgerson suhlen.Jörg Wunder

Lido, Mo 23.1., 21 Uhr, 17 €

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