Zeitung Heute : „Amerika diskutiert kaum über den Klimawandel“
Der Hurrikan „Katrina“ hat in den USA große Schäden angerichtet. Steigt nun der Druck auf Präsident Bush, seine Klimapolitik zu ändern, Frau Morgan?
Ich glaube, es wird schwerer und schwerer für Präsident George W. Bush, dieses Problem weiterhin zu ignorieren. Denn es gibt immer mehr Hinweise, dass solche extremen Wetterereignisse eng mit der Klimaerwärmung in Zusammenhang stehen.
Einige Forscher sagen, die Zunahme der Hurrikane seit Mitte der 90er Jahre habe mit dem Klimawandel nichts zu tun.
Tatsächlich ist die Wissenschaft der Hurrikane kompliziert. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Hinweisen darauf, dass der Klimawandel die Intensität der Wirbelstürme erhöht.
Ob er auch einen Einfluss auf die Zahl hat, ist umstritten. Es gibt in den USA aber eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich selbst als Skeptiker bezeichnen, ich nenne sie inzwischen Leugner, die jede wissenschaftliche Debatte nutzen, um den menschengemachten Klimawandel grundsätzlich zu bezweifeln.
Findet in der amerikanischen Öffentlichkeit überhaupt eine Diskussion über Hurrikane und deren Zusammenhänge mit der Erderwärmung statt?
Es gibt in den USA weniger Diskussionen als in Europa. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer ist die Art, wie die Medien über wissenschaftliche Erkenntnisse berichten. Es werden immer beide Seiten gezeigt. Selbst dann, wenn nur ein Zweifler gegen 2500 seriöse Wissenschaftler steht. In den amerikanischen Zeitungen gab es heute auch kaum Hinweise auf den Klimawandel in der Berichterstattung über „Katrina“. Europa ist da schon viel weiter. Da kommt das Thema inzwischen nach jedem extremen Wetterereignis vor.
Werden solche extremen Wetterereignisse nicht auch für die USA langsam zu teuer?
Die Kosten allein der Versicherungen durch diesen Hurrikan liegen bei rund 26 Milliarden Dollar. Der 11. September 2001 hat sie 30 Milliarden Dollar gekostet. Was muss denn noch passieren, damit die amerikanische Regierung das Thema endlich ernst nimmt? Wenn Bush so weiter macht wie bisher, müssen die USA immer mehr Geld für solche Katastrophen ausgeben, zumal die Versicherungen Häuser oder Fabriken in Gefahrenzonen einfach nicht mehr versichern werden, je größer das Risiko solcher Ereignisse wird.
Jennifer Morgan ist Klimadirektorin der Umweltorganisation WWF.
Das Gespräch führte Dagmar Dehmer.





