Zeitung Heute : „Amerika ist ein sicheres Land“

Verbandschef der Reisebüros plädiert für Gelassenheit

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KLAUS LAEPPLE (64)

ist Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV). Er selbst hat ein

Reisebüro in Düsseldorf.

Foto: Promo

Herr Laepple, was kommt jetzt auf deutsche Touristen zu? Könnte es auch zu gestrichenen Flügen von Deutschland aus kommen?

Flugstreichungen dürften seltene Ausnahmen bleiben. Auch sinkt durch den verstärkten Einsatz von Sky Marshals die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt. Ohnehin werden Touristen in aller Regel umgebucht, wenn ein Flug gestrichen wird. Als Passagier hätte ich andererseits größtes Verständnis, wenn bei hinreichend konkretem Terrorverdacht auch mal ein Flug abgesagt wird.

Was können die Passagiere dann tun? Bekommen sie auf einer gebuchten Reise ihr Geld vom Veranstalter oder von der Fluggesellschaft zurück ?

Pauschalurlauber müssen sich gar keine Gedanken machen. Da sorgt der Reiseveranstalter dafür, dass sie – gegebenenfalls mit einer anderen Gesellschaft oder auf einer anderen Route – ans Ziel kommen. Geringfügige Verspätungen sind allerdings hinzunehmen. Ansonsten werden Flüge wegen Terrorgefahr ja auf Anweisung der Sicherheitsbehörden hin abgesagt. Das wäre dann höhere Gewalt und ein allgemeines Lebensrisiko, das die Flugpassagiere selbst tragen müssen und nicht an die Fluggesellschaft delegieren können. Ich gehe aber davon aus, dass sich Airlines in solchen Fällen kulant zeigen und zumindest eine Ersatzbeförderung anbieten.

Was für Vorsichtsmaßnahmen haben deutsche Reiseveranstalter gegen Terror ergriffen?

Alle großen Reiseveranstalter verfügen inzwischen über extrem kurzfristig funktionsfähige Krisenstäbe, kleinere zumindest über Krisenbeauftragte. Zu deren Aufgaben zählen auch vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen. Ich bitte aber um Verständnis, wenn wir über Einzelmaßnahmen nicht informieren, um Terroristen das Planen von Anschlägen nicht zu erleichtern.

Belasten die Kosten die Veranstalter?

Ja, ganz erheblich. Allein die Kosten für Flugversicherungen haben sich nach dem 11. September 2001 mehr als verzehnfacht. Das Personal in den Krisenstäben ist hochqualifiziert und will entsprechend bezahlt werden, Sky Marshals gibt es nicht zum Nulltarif und Sicherheitsmaßnahmen in Hotels kosten ebenfalls. Übrigens sind auch Umbuchungsangebote auf Kulanzbasis ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

Raten Sie Touristen ab, in die USA zu reisen?

Ganz im Gegenteil. Die USA sind ein besonders sicheres Land und im Zeichen des starken Euro ein extrem attraktives Reiseziel.

Welche Ziele sind am sichersten?

Terrorismus ist eine weltweite Bedrohung, also gibt es nirgendwo hundertprozentige Sicherheit. Definitiv unsicher sind Länder, für die das Auswärtige Amt Reisewarnungen ausgesprochen hat, also momentan etwa Afghanistan, Irak oder der Kongo.

Bringt der erhöhte Terroralarm der Reiseindustrie neuen Schaden für das Jahr 2004?

Ohne Terroristen ginge es uns sicher allen besser. Wirtschaftlich gefährlicher erscheinen mir jedoch die immer noch hohe Arbeitslosigkeit und die nur langsam anspringende Inlandskonjunktur.

Das Gespräch führte Flora Wisdorff.

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