Zeitung Heute : Amerika landet, Europa strandet Warum die Nasa mit ihrer Mission mehr Erfolg hat

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„Schneller, billiger, besser“ – das war der Slogan mit dem sich die Nasa in den 90er Jahren anschickte, Flügen zu unseren Nachbarplaneten zu neuer Attraktivität zu verhelfen. Sie hat dann aber bald einsehen müssen, dass alles zusammen nicht zu haben ist. Je billiger die Missionen, je schneller die Raumsonden zusammengeschustert wurden, desto riskanter waren die Flüge. So verlor die Nasa Ende der 90er Jahre gleich zwei MarsSonden hintereinander – und hat sich dann eines Besseren besonnen. Gut 800 Millionen Dollar hat sie diesmal in ihre beiden Marssonden investiert, die Flüge lange vorbereitet. Nun ist der erste Roboter glücklich gelandet, der zweite Roboter folgt in drei Wochen.

Die europäische Weltraumorganisation Esa wartet unterdessen immer noch auf ein Zeichen von „Beagle“. Dieses Landegerät war ursprünglich gar nicht in ihren Planungen vorgesehen. Eigentlich wollte sie lediglich eine Raumsonde zum Mars schicken, die den Planeten umkreist. Die Sonde ist mittlerweile in eine Umlaufbahn eingeschwenkt und wird in den kommenden Wochen damit beginnen, den Planeten zu kartieren.

Dass die Raumsonde auch noch den 60 Kilogramm schweren Roboter „Beagle“ mitschleppte, hat die Esa dem Engagement des Briten Colin Pillinger zu verdanken. Der kam mit einem verlockenden Angebot, ein Landegerät zu einem Schnäppchenpreis zu bauen. Für die Kosten werde er schon aufkommen. Pillingers groß angelegte Werbekampagne spielte das Geld zwar nicht ganz ein, so dass die Esa am Ende doch ein gutes Sümmchen drauflegen musste, aber billiger konnte man eine Marslandung nicht kriegen.

Allerdings musste die Esa dafür ein weitaus größeres Risiko eingehen als die Amerikaner. Die Nasa hatte vor allem mehr Geld für die Tests aller technischen Systeme. Sie konnte von ihren Erfahrungen mit bereits erfolgreichen und missglückten Marslandungen profitieren, etwa beim Bau der Airbags oder dem Einsatz vom Bremsraketen – auf die die Esa verzichtete. Die Roboter „Spirit“ und „Opportunity“ sind im Vergleich zum europäischen „Beagle“ auch so groß, dass für mehr Verpackung und allerhand Sicherheitstechnik Platz war. Die Esa musste auf doppelte Sicherungen ganz verzichten. Und damit war klar: Was bei der Landung kaputt gehen würde, würde nicht zu ersetzen sein.

Woran die Landung gescheitert sein mag oder ob sich „Beagle“ in den nächsten Tagen noch meldet, bleibt ungewiss. Am Mittwoch fliegt die europäische Raumsonde „Mars-Express“ erstmals über die Landestelle. Noch gibt es Hoffnung auf ein Funksignal. tdp

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