Zeitung Heute : An Anfang steht das Wort Drehbuchautoren schreiben Filmgeschichte

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Foto: Promo

Ohne Drehbuch gibt es keinen Film. Ganz einfach. Wie aus einer Idee ein Film wird, liegt also weniger beim Regisseur als zunächst beim Drehbuchautor. Er ist es, der zuerst Gedanken, Bilder und Dialoge lebendig werden lässt, lange bevor ein Krimi im Fernsehen oder eine Liebeskomödie im Kino gezeigt werden. Sogar Dokumentarfilme stützen sich auf Drehbücher.

Die Rolle des Drehbuchautors kann also gar nicht hoch genug eingeschätzt werden und dennoch bleibt er meist im Hintergrund, während Regisseure und Schauspieler beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Manchmal wird der Film auch ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe“, erzählt Drehbuchautor Gerhard J. Rekel. „Das ist nicht immer schlecht, aber als Autor muss man das Baby irgendwann aus der Hand geben und mit dem Ergebnis leben.“

Rekel hat sein Handwerk an der Filmakademie Wien gelernt, wo er Drehbuch und Regie studiert hat. „Ich habe schnell festgestellt, dass mir das Schreiben mehr Spaß macht als das Regieführen“, sagt er. „Es gibt mir mehr kreative Freiheit.“ Da der Beruf keine formelle Ausbildung voraussetzt, kann fast jeder Drehbuchautor werden. Nicht wenige sind Autodidakten, wie etwa Werner Herzog. „Es gibt keine Lizenz zum Schreiben“, schmunzelt Rekel. Neben der klassischen Ausbildung an Filmhochschulen bieten mittlerweile auch eine Reihe privater Drehbuchschulen oder Volkshochschulen entsprechende Kurse an.

Allerdings ist keiner dieser Ausbildungswege eine Garantie für Erfolg. Was das Studium an Hochschulen wie der Drehbuch-Akademie der Deutschen Film- und Fernsehhochschule Berlin (dffb) auszeichnet, ist die Möglichkeit, von renommierten Profis zu lernen, wie man Charaktere entwickelt, welche Struktur ein gutes Drehbuch haben sollte oder wie man Schreibblockaden überwindet. Vor allem bietet die Hochschule die Möglichkeit, zusammen mit Studierenden der Fachrichtungen Regie, Kamera und Produktion an Projekten zu arbeiten. So lernen angehende Drehbuchautoren schon während der Ausbildung, wie ihre Geschichte es auf die Leinwand schafft. „Ein Film ist grundsätzlich Teamarbeit“, sagt Rekel. „Und Filme haben auch Ansprüche, etwa an das Budget oder den Drehort. Manchmal muss eine Szene mehrfach überarbeitet werden, insofern ist es normal, dass es mehrere Fassungen eines Drehbuchs gibt.“ Das als Autor auszuhalten, sei nicht immer einfach. Und so nimmt es nicht wunder, dass vom ursprünglichen Exposé bis zum ersten Drehtag im Schnitt 15 Monate vergehen.

Ob Auftragsarbeit oder eigene Geschichte, Voraussetzung für jeden guten Drehbuchautor ist neben Neugierde, Spaß am Erzählen und am Schreiben auch die Lust an der Authentizität und vor allem eine gute Portion Durchhaltevermögen, so Rekel, der zwei „Tatorte“ für die ARD schrieb und seit 2006 Gastdozent an der Donau-Universität Krems ist. Um Ideen für seine Figuren und Geschichten zu finden, müsse man in alle Richtungen recherchieren. „Wie ein guter Kommissar“, meint der erfahrene Autor. „Das Internet ist für mich immer nur der Anfang. Interessant wird es erst in den persönlichen Interviews.“ Ihm ist es bei seiner Arbeit wichtig, dass er sich für das Thema interessiert und sich wenigstens zum Teil mit den Figuren identifizieren kann. Rekel versteht das Schreiben dabei als Entdeckungs- oder Forschungsreise, auf der er sich in seine Figuren reindenken muss. Dass er so mit Charakteren und menschlichen Konstellationen in Berührung kommt, die ihm vorher fremd waren, sei ein Teil des Reizes. Tong-Jin Smith

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