Zeitung Heute : an Anja Mengel Fachanwältin für Arbeitsrecht

Wer bestimmt den Arbeitsort?

an Anja Mengel

Seit über einem Jahr bin ich von meinem Arbeitgeber für einen anderen Tätigkeitsbereich als meinen ursprünglichen abgeordnet worden. Die Abordnung war zunächst bis zum Jahresende befristet, ist aber nun ohne neue Vereinbarung aufrechterhalten worden. Zudem soll ich jetzt an einen anderen Arbeitsort versetzt werden – dieser ist etwa eine Stunde entfernt. Ist das rechtens?

Das kommt vor allem auf die Vereinbarung zur Abordnung an. Typischerweise wird im Arbeitsvertrag festgelegt, in welcher Position der Arbeitnehmer arbeitet. Im Rahmen dieser Positionsbeschreibung ist der Arbeitgeber grundsätzlich berechtigt, alle anfallenden Arbeiten einseitig zuzuweisen. Allerdings bedeutet dies nicht, dass ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer alle Arbeiten zuweisen kann, für die dieser Arbeitnehmer grundsätzlich geeignet ist. Die einseitige Zuweisung von Aufgaben, die nicht der vertraglich vereinbarten Position entsprechen, kann der Arbeitgeber nur aufgrund eines erweiterten Weisungsrechts, wie es häufig in sogenannten arbeitsvertraglichen Versetzungsklauseln vorgesehen ist, vornehmen. Die Wirksamkeit von diesen Versetzungsklauseln wird derzeit verstärkt diskutiert.

Der Arbeitgeber hat allerdings grundsätzlich das Recht, dem Arbeitnehmer auch Aufgaben zuzuweisen, die gleichwertig zu seiner ursprünglichen Tätigkeit sind sowie seiner Berufsqualifikation und Erfahrung entsprechen. Vereinbart der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber abweichend vom Arbeitsvertrag den neuen Einsatz, kommt es auf die Weisungsrechte nicht an; die zweiseitige Abrede geht dann vor. Ist diese aber befristet und wird nicht verlängert, werden wieder die ursprünglichen vertraglichen Regelungen und das entsprechende Weisungsrecht des Arbeitgebers relevant.

Entsprechendes gilt auch für den Wechsel des Arbeitsortes. Der Arbeitsort muss im Arbeitsvertrag nicht schriftlich geregelt sein. Daher kann der Arbeitgeber den konkreten Arbeitsort bestimmen und auch eigenständig verändern, soweit die Veränderung nicht zu einer wesentlichen Änderung der Arbeitsbedingungen führt – dies ist insbesondere dann der Fall, wenn der neue Arbeitsort nicht weit entfernt ist. Auch weiter – eine Fahrtstunde oder länger – entfernte Orte kann der Arbeitgeber aber einseitig zuweisen, wenn dies in der Natur der Tätigkeit liegt: zum Beispiel bei Bau-, Montage- oder Außendiensteinsätzen. Dies ist auch möglich, wenn es eine entsprechende Versetzungsklausel im Vertrag gibt. Legt der Arbeitsvertrag jedoch einen Arbeitsort fest, kann dies nur mit Zustimmung des Arbeitnehmers erfolgen.

– Haben Sie auch eine Frage?

Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Beruf@tagesspiegel.de

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar