Zeitung Heute : an Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht

Trotz Krankheit in den Urlaub?

an Christoph Abeln

Mein Mann ist aufgrund von Depressionen seit Anfang November krank geschrieben. Seine Ärztin hat ihm letzte Woche mitgeteilt, dass er erst im Frühjahr wieder ganz gesund sein wird. Wir haben Anfang Februar eine Woche Urlaub auf Djerba geplant. Kann mein Mann diesen Urlaub antreten, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch krankgeschrieben sein sollte? Muss er seinen Arbeitgeber über den Urlaub informieren?

Urlaub und Arbeitsunfähigkeit schließen sich gegenseitig aus, denn Urlaub bedeutet, dass der Arbeitnehmer in dieser Zeit von seiner Arbeitspflicht befreit ist. Ist der Arbeitnehmer aber arbeitsunfähig krank, hat er in diesem Moment gar keine Arbeitspflicht mehr, von der er befreit werden könnte. Solange Ihr Mann also arbeitsunfähig krank ist, kann er rein rechtlich betrachtet keinen Urlaub nehmen. Fährt der arbeitsunfähige Arbeitnehmer in den Urlaub und ist dieser Urlaub seiner Genesung förderlich, behält der Arbeitnehmer auch seinen Gehaltsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber für die vollen sechs Wochen.

Arbeitsunfähigkeit bedeutet nicht, dass der Arbeitnehmer während dieser Zeit ausschließlich zu Hause bleiben oder gar im Bett liegen muss. Ein arbeitsunfähiger Arbeitnehmer muss sich aber so verhalten, dass er möglichst bald wieder gesund wird. Das bedeutet, dass Ihr Mann alles unterlassen muss, was seine Genesung verzögern oder gar beeinträchtigen könnte. Letztlich kann nur der Arzt entscheiden, ob ein einwöchiger Urlaub auf Djerba der Heilung förderlich ist. Ist dies der Fall, dann sollte sich Ihr Mann eine schriftliche Bestätigung seines Arztes geben lassen, und diese Bestätigung dem Arbeitgeber vorlegen. So kann bei dem Arbeitgeber Ihres Mannes erst gar kein Verdacht entstehen. Ihr Aufenthalt in Djerba wird also kein Urlaub im rechtlichen Sinne sein, so dass Ihrem Mann diese Woche nicht von seinem Urlaubskonto abgezogen werden kann.

Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte: In einem vom Bundesarbeitsgericht (BAG) entschiedenen Fall war ein Arbeitnehmer wegen einer schweren Hirnhautentzündung mehrere Monate arbeitsunfähig krankgeschrieben. Trotzdem begab er sich in seinen schon länger geplanten Skiurlaub. Dort stürzte er wegen seiner infolge der Krankheit geminderten Konzentrations- und Leistungsfähigkeit so schwer, dass er sich das Bein brach. Dieser Unfall verlängerte sogar seine Arbeitsunfähigkeit. Das BAG hat die daraufhin vom Arbeitgeber ausgesprochene fristlose Kündigung für rechtens erklärt, weil der Arbeitnehmer grob pflichtwidrig gehandelt habe.

Foto: Mike Wolff

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