Zeitung Heute : An den Rändern der oft betretenen Kulturpfade

Wo die Nacht etwas stiller leuchtet – eine Auswahl der Highlights abseits des musealen Alltags

Michael Zajonz

Die Lange Nacht der Museen ist ein Berlin-Klassiker. Bis zu 600 000 Besucher nutzen zweimal jährlich die Chance, die Berliner Museumslandschaft zu erkunden oder einfach ihr Lieblingsmuseum in festlicher Abendstimmung zu erleben. Das Veranstaltungsangebot lässt sich kaum überblicken. In rund 110 Museen und anderen Kulturstätten wird von 18 bis 2 Uhr ein Programm aus Sonderausstellungen, Führungen, Filmen und Live-Musik geboten. Wir empfehlen einige Sammlungen und Häuser jenseits ausgetretener Museumspfade.

PRENZLAUER BERG MUSEUM

Prenzlauer Allee 227/228,

10405 Berlin-Prenzlauer Berg,

16–24 Uhr.

Wem die Fußball-WM nicht genügt hat, darf im Stadtteilmuseum Prenzlauer Berg in Rundlederwelten eintauchen: bei Musik rund um den Ball, einem Kindersportfest (16-19 Uhr) oder der ultimativen Panini-Bilder-Tauschbörse (16-21 Uhr). Die aktuelle Ausstellung „Doppelpässe – Wie die Deutschen die Mauer umspielten“ erinnert an deutsch-deutsche Fußballbegegnungen, an die einst in der DDR lebenden Fans westdeutscher Vereine und die ostdeutschen Fußballer, die spielend die Seite gewechselt haben. Ab 22 Uhr wird der 1990 gedrehte Dokumentarfilm „… und freitags in die Grüne Hölle“ über den berüchtigten Fanclub des Fußballvereins Union gezeigt.

MUSEUM DER

STAATLICHEN MÜNZE BERLIN

Ollenhauer Straße 97,

13403 Berlin-Reinickendorf,

18–22 Uhr.

Berlin ist pleite. Warum in der Stadt dennoch bis heute Münzen und Medaillen geprägt werden, erzählt der Tagesspiegelmitarbeiter und passionierte Münzsammler Helmut Caspar in seinem neuen Buch „Vom Taler zum Euro – Die Berliner, ihr Geld und ihre Münze“ (Berlin Story Verlag). Es wird am angemessenen Ort ab 18 Uhr vom Autor persönlich präsentiert. Mitarbeiter der Staatlichen Münze prägen in der Museumsnacht für alle Besucher eine Erinnerungsmedaille. Die Dauerausstellung der Geldfabrik informiert über Gedenkmünzen der DDR – und natürlich können auch die Produktionsräume (Führungen 18.30, 19.30, 20.30 Uhr) besichtigt werden.

HEIMATMUSEUM TREPTOW

Sterndamm 102,

12487 Berlin-Johannisthal,

18–2 Uhr .

2005 wurde das Rathaus von Johannisthal mit seinen stattlichen Neorenaissancegiebeln saniert. Zur Langen Nacht wird die Neueröffnung des dort untergebrachten Heimatmuseums gefeiert: mit einer Ausstellung sowie Führungen.

ANTI-KRIEGS-MUSEUM

Brüsseler Straße 21,

13353 Berlin-Wedding,

16–2 Uhr.

1925 gründete der Pazifist Ernst Friedrich sein Anti-Kriegs-Museum in der Parochialstraße, das 1933 von der SA zerstört wurde. 1982 gehörte Friedrichs Enkel Tommy Spree zu den Neubegründern des gemeinnützigen, durch Spenden finanzierten Privatmuseums. Spree präsentiert Ausschnitte aus Ali Samadi Ahadis und Oliver Stoltz’ Film – „Lost Children“. Die Dokumentation über Kindersoldaten in Uganda erhielt in diesem Jahr den Deutschen Filmpreis. Ein beklemmendes Erlebnis bietet auch der unter den Museumsräumen original erhaltene und eingerichtete Luftschutzkeller , in dem ab 18 Uhr alle 20 Minuten Führungen stattfinden.

KERAMIK-MUSEUM BERLIN

Schustehrusstraße 13,

10585 Berlin-Charlottenburg,

18–2 Uhr.

„Eva mit Punkte“ heißt die Kabinettausstellung der unlängst verstorbenen Töpferin Eva Schulz-Endert, die um 18.30 Uhr eröffnet wird. Die bereits laufenden Sonderausstellungen „Keramik der 50er Jahre“ und „Teeschalen und keramisches Teegerät“ geben einen Eindruck von der Qualität der Spezialsammlung, die seit 1990 von einem Förderverein unter Führung des Keramikgaleristen Heinz-Joachim Theis zusammengetragen wird. Seit 2004 residiert das Privatmuseum im ältesten Bürgerhaus Charlottenburgs.

POLIZEIHISTORISCHE SAMMLUNG

IM POLIZEIPRÄSIDIUM BERLIN

Platz der Luftbrücke 6,

12101 Berlin-Tempelhof,

18–2 Uhr.

Der Cartoonist Uli Stein mag Mäuse, Pinguine – und Polizisten. „Halt, aufmachen – Polizei!“ heißt die im Foyer des Polizeipräsidiums eröffnete Ausstellung seiner Zeichnungen, die nicht nur Polizisten zum Lachen bringen. Außerdem beantworten Beamte (fast) alles, was Sie schon immer über Polizeieinsätze wissen wollten. Mitglieder des Fördervereins erzählen in ihrem Einakter „Der doppelte Kommissar“ aus dem Berufsleben von Ernst Gennat, dem legendären Chef der Berliner Mordkommission in den zwanziger Jahren (19, 20.30, 22, 23.30 Uhr).

PROJEKT NS-ZWANGSARBEIT

Britzer Straße 5

12439 Berlin-Niederschöneweide,

16–2 Uhr.

1994 „entdeckten“ Stadtplaner in Niederschöneweide ein NS-Zwangsarbeiterlager: zwölf Baracken, in denen italienische, belgische, französische, polnische und russische Zwangsarbeiter gefangen gehalten worden sind. Neben Führungen (ab 16 Uhr stündlich) informieren zwei Ausstellungen über Zwangsarbeit in Berlin und über die Geschichte und Zukunft des Geländes.

KUNSTGEWERBEMUSEUM

IM SCHLOSS KÖPENICK

Schlossinsel,

12557 Berlin-Köpenick,

18–2 Uhr.

Das Große Silberbüfett aus dem Berliner Stadtschloss gehört zu den Prunkstücken des Museums im 2004 wiedereröffneten Schloss Köpenick. Führungen finden ab 18.30 Uhr stündlich statt. In der Schlosskirche gibt der Kirchenmusiker Andreas Hetze Orgelkonzerte.

BRAUEREI MUSEUM

BERLINER BÜRGERBRÄU

Müggelseedamm 164-166,

12587 Berlin-Köpenick,

18–2 Uhr.

Wer genug Kunst gesehen hat, lässt den Abend im historischen Sudhaus ausklingen: bei der „Sudkesselperformance“ des hauseigenen Brauereiorchesters und einem frisch Gezapften.

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