Zeitung Heute : An der Nordseeküste Wann beginnt die Sucht?

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Nach dem Betäubungsmittelgesetz bestraft werden kann, wer illegale Betäubungsmittel - und darunter fällt Cannabis - „anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft“. Doch seit das Bundesverfassungsgericht 1994 sein so genanntes Haschischurteil gefällt hat, hält sich bei vielen die irrtümliche Auffassung, die Strafverfolgung sei quasi ausgesetzt.

Tatsächlich wollte das Gericht die Frage der Verhältnismäßigkeit gewahrt sehen, wegen Geringfügigkeit kann das Verfahren eingestellt werden. Die Auffassung darüber, was geringfügig ist, unterscheidet sich aber zwischen den Bundesländern. In Berlin gelten Mengen bis sechs Gramm als gering, in Schleswig-Holstein 30 Gramm. Überall aber gilt: Wenn öffentliches Interesse vorliegt, wird das Verfahren in jedem Fall fortgeführt. So, wenn Minderjährige beteiligt sind oder der Betroffene Auto fährt.

Führerscheinbesitzer riskieren nach Cannabiskonsum ihre Fahrerlaubnis. Und zwar selbst dann, wenn sie nicht am Steuer saßen. Eine Praxis, die das Bundesverfassungsgericht im vergangenen Jahr kritisiert hat. Dennoch hat beispielsweise das Verwaltungsgericht Trier den Entzug der Fahrerlaubnis bei nachgewiesenem, dauerhaften Cannabiskonsum als rechtmäßig bestätigt. lat

RECHT

Macht Cannabis abhängig? Die meisten Kiffer würden die Frage wohl mit nein beantworten – und sich irren, wie Andreas Ganter, Psychologe im Berliner „Therapieladen“, erklärt. Auf vier bis fünf Prozent der Cannabis-Konsumenten beziffert er den Anteil der Abhängigen, sie hätten mit therapiebedürftigen psychischen Störungen, wie Angstzuständen, Realitätsverlust, Verfolgungswahn und Halluzinationen zu kämpfen.

Sinnvoll sei eine solche Therapie für diejenigen, die neben hohem Konsum (ca. ein – zwei Gramm pro Tag) bei seinem Ausbleiben gereiztes Verhalten zeigten, innere Anspannung fühlten und sich nicht vorstellen könnten, den Alltag ohne Cannabis durchzustehen. Wenn das Vorhaben, den Verbrauch einzuschränken, oder ihn gar einzustellen, scheitert, ist eine Sucht definitiv vorhanden.

„Eine spezifische Suchtpersönlichkeit“, sagt Ganter, „ist bis heute nicht gefunden worden. Man geht von verschiedenen Faktoren aus, genetischen, familiären, persönlichen, gesellschaftlich-sozialen, die eine Suchtentwicklung bedingen“. Generell begünstigten aber starke Sensibilität und eine labile Psyche die Entwicklung zur Abhängigkeit. Oft ist der Drogenkonsum gerade für Jugendliche ein Versuch, das Ich zu stabilisieren.

Zur Behandlung dieser Sucht und ihrer Folgen ist 1985 der „Therapieladen“ gegründet worden. Diese Initiative der „Jugend- und Drogenhilfe Berlin“ bietet neben Prävention durch Aufklärung für Betroffene und ihre Bezugspersonen ambulante Psychotherapie für Haschischabhängige an. tv

www.therapieladen.de

THERAPIE

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