Zeitung Heute : An der Wand seines Schlafzimmers

Der Tagesspiegel

Scharon geht aufs Ganze. Arafats Amtssitz ist zerstört - der Palästinenserchef mit wenigen Getreuen in seinem Büro eingeschlossen, während Israels Soldaten vor der Tür patrollieren. Schnell und einhellig hat nun der UN-Sicherheitsrat reagiert und dem Ex-General eine rote Linie gezogen. Mit Zustimmung der USA fordert die Weltgemeinschaft von Israel den Rückzug aus den palästinensischen Städten. Gleichzeitig bekräftigt sie die zentralen Resolutionen der früheren Jahre, die den Rückzug Israels aus allen besetzten Gebieten fordern und den Palästinensern einen eigenen Staat in sicheren Grenzen in Aussicht stellen. Scharon hat in der Osterwoche die Logik der militärischen Vergeltung bis zum Äußersten getrieben, bis zur Wand von Arafats Schlafzimmer sozusagen. Weiter kommt er nicht mehr. Die Weltgemeinschaft verbürgt sich für das Leben Arafats. Der Angriff auf den Regierungssitz in Ramallah war Scharons letzte militärische Karte. Die Bilanz ist mager: Der Schaden im Verhältnis beider Völker ist immens. Der Terrorismus ist keineswegs gestoppt. Und Scharons Koalition bleibt unverändert den Beweis schuldig, dass sie den gemäßigten Palästinenser einen politischen Horizont für ein friedliches Miteinander in Aussicht stellen kann. M.G.

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