Zeitung Heute : an Jürgen Hesse Berater im Büro für Berufsstrategie

Damit Frust nicht chronisch wird

an Jürgen Hesse

Ich arbeite seit 15 Jahren im selben Unternehmen. Wechseln mag ich nicht, weil ich inzwischen nahezu unkündbar bin und mich nicht verschlechtern will. Ich merke aber, dass meine Arbeitsfreude langsam nachlässt. Muss ich mich damit abfinden oder haben Sie eine Idee, wie ich wieder mehr Spaß bei der Arbeit bekommen könnte?

Mit Ihrem Problem sind Sie nicht allein: Man schätzt, dass mehr als 80 Prozent aller Menschen an ihrem Arbeitsplatz unzufrieden sind. Das heißt aber nicht, dass Sie sich mit dieser Unzufriedenheit abfinden sollten: Veränderung ist immer möglich, wenn Sie nur wollen! Allerdings ist es keine Kleinigkeit, die Frust-Spirale zu durchbrechen und wieder Spaß an der Arbeit zu entwickeln.

Wenn man mit einer Sache unzufrieden ist, gilt der alte Grundsatz: „Love it, leave it or change it!“ Man sollte also entweder die unbefriedigende Situation zu lieben lernen, sie hinter sich lassen oder verändern. Scheiden „Love it“ und „Leave it“ als Lösungen aus, bleibt noch das „Change it“ – doch auch das ist leichter gesagt als getan: Nach vielen Jahren im selben Unternehmen fällt es den meisten Menschen schwer, die konkreten Gründe für ihre Unzufriedenheit zu benennen. Darauf kommt es aber an. Daher sollte man zunächst ehrlich analysieren: Woher kommt der Frust? Liegt es an zu hoher Arbeitsbelastung, einem gleichgültigen Chef, Reibereien mit den Kollegen? Oder leidet man unter mangelnden Karrierechancen, schlechter Bezahlung, unsinnigen Umstrukturierungen?

Wenn Sie herausgefunden haben, woher Ihre Unzufriedenheit rührt, gilt es, diese Ursachen zu beseitigen. Hierfür gibt es viele Lösungsstrategien. Seien Sie kreativ! Ist Ihre Arbeitsbelastung zu hoch, zügeln Sie Ihren Perfektionismus, indem Sie Ihren „inneren Sklaventreiber“ in seine Schranken weisen. Einem gleichgültigen Chef sollten Sie mit gelungenem Selbstmarketing begegnen und überlegen, wie Sie ihm gute Ideen besser verkaufen können. Falls Sie das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten, vererhöhen Sie Ihre Aufstiegschancen durch Weiterbildung und Zusatzqualifikationen.

Übrigens kann es schon entlasten, über die Unzufriedenheit zu reden – aber nicht mit Kollegen, sondern lieber im Freundes- und Bekanntenkreis oder mit einem professionellen Karrierecoach.

Fazit: Veränderung ist möglich, wenn Sie konkret werden, statt sich in nebulöser Unzufriedenheit zu verlieren. Nehmen Sie sich die Zeit, ein Problem nach dem anderen anzupacken; freuen Sie sich über kleine Erfolge. So vermeiden Sie die innere Kündigung und die Arbeit macht Ihnen auch nach 15 Jahren wieder Spaß.

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