Zeitung Heute : Andalusien für Strandläufer

KLAUS THIELE

Costa de la Luz ist die "Küste des Lichts", Spaniens schönste Uferlandschaft mit endlosen SandsträndenVON KLAUS THIELE

Römische Ruinen, breite Dünengürtel hinter feinen, langen Sandstränden und viel Wind für Surfer.Im Gegensatz zu vielen Mittelmeerküsten bietet die Costa de la Luz ideale Möglichkeiten, Urlaub abseits der Trampelpfade zu machen. Haben die Spanier Millionen Touristen über Jahre verulkt und ihre besten Strände einfach für sich behalten? Wer von der zubetonierten Costa del Sol in Richtung Portugal fährt und an die Costa de la Luz kommt, der könnte leicht auf diesen Gedanken kommen.Hier liegen die schönsten, feinsandigsten Strände Spaniens, schier endlos lang und wenig bebaut.Ein Andalusien für Strandläufer, traumhaft im Vergleich zu all den anderen Costas.Haben die Spanier also wirklich gemogelt? Des Rätsels Lösung ist einfach: Die "Küste des Lichts" liegt nicht mehr am Mittelmeer, sondern schon am viel rauheren Atlantik.Und der erlaubt nur eine vergleichsweise kurze Saison.Bis Mai ist die Ferienwelt großenteils noch mit Brettern vernagelt.Im Hochsommer, wenn vor allem Spanier dort Urlaub machen, weht immer eine frische Brise, ist die Luft viel klarer als an den Mittelmeer-Costas.Aber im Oktober plustert der Wind sich schon mächtig auf, im Winter verweht er alle Urlaubsträume.Keine Konkurrenz also für das milde mediterrane Klima jenseits von Gibraltar.Deshalb waren die Mittelmeer-Küsten schon mit Hotels, Bungalows und Appartments zugeklotzt, als das Andalusien am Atlantik vom Tourismus noch nahezu unberührt war. Die Costa de la Luz reicht von Tarifa, wo Europa sich Afrika auf nur 13,4 Kliometer nähert, bis zur portugiesischen Grenze.Es ist eine Küste, an der man nicht einfach entlangfahren kann.Denn mittendrin liegt das breite Delta des Flusses Guadalquivir, das man weit umfahren muß, auf der Autobahn weit landeinwärts bis Sevilla, dann weiter in Richtung Huelva.Tarifa ist ein "pfiffiger" Auftakt bei der Erkundung der Licht-Küste.Hier landete 710 der maurische Feldherr Tarif Ben Malik als Vorreiter der islamischen Invasion.Die Altstadt wirkt noch heute ein wenig wie aus Afrika herübergeweht.Tarifa ist Südspaniens windigste Ecke.Die Küste mit Ausblick auf Afrika wurde deshalb zu einem Dorado erfahrener Windsurfer. Westlich wartet hinter den römischen Ruinen von Belonia Claudia der behutsam aufstrebende Ferienort Zahara de los Atunes.Wie der Name sagt, lebten die Männer des kleinen Fischernestes über Generationen vom Thunfischfang.Im nahen Fischerhafen Barbate wird die Beute angelandet.Conil ist hinter dem Trafalgar-Kap, wo Lord Nelson 1805 seine große Seeschlacht gewann, der nächste attraktive Badeort - zum Teil mit Sandstrand unterhalb einer Steilküste.Bei Chiclana entstand die vergleichsweise geschmackvolle Ferienurbanisation Novo Sancti Petri.Weiter nördlich schiebt sich Cadiz, eine der ältesten Städte Europas, in diesen südlichen Teil der Costa de la Luz.Nördlich liegen noch die Costas von Rota, das wegen eines Militärstützpunktes in Reisekatalogen als "lebhaft" bezeichnet wird, und Chipiona.Beim für seine Langusten und den Manzanilla-Sherry bekannten Sanlucar de Barrameda am Guadalquivir ist dann abrupt Schluß für Strandfans.Am anderen Ufer beginnt der Nationalpark Coto de Donana, ein Naturparadies mit Sümpfen, Steppen und Wäldern, in dem ein Großteil der Zugvögel Europas zur Rast zwischenlandet.Nur auf wenigen Pfaden, die zu Beobachtungsständen führen, kann man Spaniens größten Nationalpark betreten oder sich zu einer von Parkhütern geleiteten Landrover-Safari anmelden.Ansonsten ist das Gebiet Tabuzone.Mit einer Ausnahme: Zu Pfingsten ziehen Tausende hoch zu Roß, mit Ochsenkarren und leider immer mehr auch mit Traktor oder Landrover durch das Gebiet.Sie sind auf der Wallfahrt zur Virgen von El Rocio, einem Dorf beim Städtchen Almonte am Rande der Coto de Donana, das ansonsten das Jahr über fast unbewohnt ist. An der Küste, eingeklemmt vom Nationalpark, liegt Matalascanas, das größte Seebad der Costa de la Luz.Daß sich diese Ferienstadt nicht längst weiter in die Naturoase gekrallt hat, ist ein spanisches Wunder, an das Naturschützer freilich noch immer nicht so ganz glauben mögen.Matalascanas ist eine ziemlich plump hingebaute Retortenstadt.Aber die Lage ist phantastisch.Breite Dünengürtel, davor flacher Sandstrand vom Feinsten, hinter dem Ferienzentrum kilometerweit nur noch ein paar Fischerhütten und die schönste Einsamkeit, bis man sich hinter Mazagon der Industriestadt Huelva nähert, die den nächsten "Keil" in die Costa treibt. Huelva ist nicht gerade eine Attraktion.Aber bis hinter die Brücke über den Rio Tinto sollte man schon fahren.Dort schaut nämlich ein steinerner Kolumbus-Koloß grimmig aufs Meer.Bei Huelva liegt "Kolumbus-Land".Im Kloster La Rabida fand der in Portugal erfolglose Seefahrer Verständnis für seine Entdecker-Pläne.Der Prior des Klosters war Beichtvater der Königin Isabella und legte bei Hofe ein gutes Wort für den späteren Amerika-Entdecker ein.Vom nahen Palos de la Frontera brach er 1492 mit drei Schiffen zur ersten Fahrt auf.In dem verschlafenen Städtchen erinnert man sich bis heute freilich statt an den "Portugiesen" lieber an die an der Entdeckungsreise beteiligten Brüder Pinzon aus Palos, sie waren Kapitäne auf der "Nina" und "Pinta". Bis Ayamonte, an der Grenze zu Portugal, folgen noch einige Strände, die in den letzten Jahren zum Teil durchaus mit gewissem Niveau erschlossen wurden, Islantilla oder Isla Canela zum Beispiel.Wer hier Urlaub macht, will weit aus der Welt sein.Wer dagegen auf Ausflügen ins Hinterland die schönsten Seiten Andalusiens erkunden will, der ist an diesen Stränden etwas weit vom Schuß.Andalusien-Entdecker sind bei Matalascanas und vor allem südlich des Guadalquivir besser aufgehoben.Von dort ist eine Reihe der schönen weißen Städte und Dörfer leicht zu erreichen, wie etwa Medina-Sidonia mit dem maurischen Stadttor, die "Adlernester" Arcos de la Frontera und Vejer de la Frontera oder die Altstadt um die Kathedrale von Cadiz mit den "Miradores" genannten verglasten Erkern, Logenplätzen mit viel Überblick für die Senoras.Das Anhängsel "de la Frontera" bei vielen Ortsnamen erinnert übrigens daran, daß hier einst die Grenze zwischen dem von den Christen zurückeroberten Spanien und dem letzten Brückenkopf des Islam, dem Königreich Granada, verlief.Berühmteste dieser einstigen Grenzstädte ist Jerez de la Frontera, Hochburg der andalusischen Pferde, die Hohe Schule in Vollendung zeigen, und natürlich Heimat des Sherry.Wer in den "Kathedralen" von Jerez die verschiedenen Sorten durchprobieren will, der sollte sich für den Rest des Tages nichts mehr vornehmen.REISETIPS - Reisezeit: Das Klima ist in der Regel ab Mitte Mai bis in den frühen Oktober angenehm. - Anreise: Reiseveranstalter fliegen wegen der komplizierten Unterteilung der Costa drei verschiedene Flughäfen an: Sevilla, Jerez und Faro an der portugiesischen Algarve-Küste.Auskünfte in allen Reisebüros. - Angebote: Alle größeren Veranstalter wie Neckermann, TUI oder Jahn haben die Costa de la Luz im Angebot.Zwei Wochen kosten je nach Komfort zwischen etwa 1100 und 2200 Mark. - Literatur: Die Costa de la Luz wird in den meisten Andalusien-Führern ausreichend behandelt, z.B.DuMont Richtig Reisen oder DuMont Reise-Taschenbuch, Vista Point, Baedeker, Polyglott oder HB-Bildatlas. -I nformation: Weitere Informationen erteilt das Spanisches Fremdenverkehrsamt.Hier die Adresse: Kurfürstendamm 180, 10707 Berlin, Tel.: 030/882 65 43, Fax: 882 66 61. © 1997 Verlag DER TAGESSPIEGEL

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