Zeitung Heute : Anfänger suchen das Licht

Aus dunklen Gängen unters Glasdach: Wie Bewerber empfangen werden – und was besser wird

Heidi Simon
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Einladend. Im Westflügel des Hauptgebäudes Unter den Linden entsteht bis Mitte 2011 ein neues zentrales Service-Center für...

Abi und dann? Studieren ist irgendwie klar. Aber was? Irgendwas mit Medien wäre spannend. Aber welche Studiengänge gibt es? Und finde ich damit später einen Job? Diese Fragen stellt sich Linda. Auf der Homepage der Humboldt-Universität hat die Berliner Abiturientin den Studiengang „Musik und Medien“ entdeckt. Allerdings würde sie das Ganze ohne Musik studieren wollen.

„Die Studienberaterin hat mir gesagt, dass man die beiden Fächer nur zusammen studieren kann“, sagt Linda. „Das ist also nichts für mich.“ Mit der kurzen Studienberatung während der offenen Sprechstunde an der HU sei sie trotzdem zufrieden, sagt die 19-Jährige. Immerhin sieht sie jetzt klarer. Um ihre Studienwahl noch einmal von Grund auf neu zu planen, nimmt sich Linda die Broschüre „Studieren in Berlin und Brandenburg“ mit.

Das Studienangebot in der Region ist riesig. Allein an der Humboldt-Uni gibt es 248 Studiengänge. Die universitätsinterne Studienberatung hilft, sich in dem Irrgarten zurecht zu finden. Sie ist derzeit im fünften Stock der Invalidenstraße 110 in Mitte angesiedelt. Studieninteressierte erwartet ein großer heller Warteraum mit Klappstühlen an der Seite. Es gibt zwei Infoständer mit allgemeinen Studieninformationen und eine Wand mit Klappfächern. Hinter den Klappen verbergen sich Kurzbeschreibungen zu einzelnen Studiengängen – forschendes Lernen wie im Kindermuseum.

Christopher Hampel weiß schon genauer, was er will. Nachdem er sich entschlossen hat, sein Maschinenbaustudium abzubrechen, will er nun Geschichte und Englisch studieren. „Wenn man einmal eine falsche Entscheidung getroffen hat, informiert man sich beim zweiten Mal ganz genau“, sagt der 21-Jährige. Bei der Studienberatung möchte er wissen, welche sprachlichen Voraussetzungen er für das Studium braucht. Jetzt weiß Christopher: Für das Geschichtsstudium werden Kenntnisse in zwei modernen Fremdsprachen sowie in Latein erwartet und müssen gegebenenfalls parallel zum Studium nachgeholt werden.

Nicht nur die Wahl des Studiengangs kann eine Herausforderung sein. Auch die Orientierung an der HU selbst ist für Neuankömmlinge nicht einfach. „Wir sind keine typische Campus-Uni, sondern verteilen uns über mehrere Standorte“, sagt Steffan Baron, Leiter der Studienabteilung. Deshalb sind auch die Informationsbüros der einzelnen Fachbereiche weit verstreut. Zum Beispiel nur ein paar Anlaufstellen in Berlin-Mitte: Die allgemeine Infostelle findet sich im Hauptgebäude, Unter den Linden 6, das Servicezentrum für Lehramtsstudierende ist in der Ziegelstraße 13c untergebracht und die Studienberatung in der Invalidenstraße 110. Die Prüfungsämter sind eigentlich auch im Hauptgebäude zu finden, aber aufgrund von Umbaumaßnahmen in die Friedrichstraße, Ecke Leipziger Straße umgezogen. Alles klar?

Wer sich lästige Irrfahrten ersparen will, fragt am besten bei der Infostelle im Hauptgebäude, Raum 1041, nach. Hier arbeiten immer von Montag bis Freitag, von 9 Uhr bis 16 Uhr 30, studentische Mitarbeiter, die erste Informationen geben können. „Wir schicken die Leute dann weiter, wenn wir nicht direkt helfen können“, sagt Sandra Langer, eine der Mitarbeiterinnen der Infostelle. Von November bis März kommen deutlich weniger Anfragen. Zwischen Ostern und Oktober, wenn die Bewerber für das Wintersemester Rat suchen, zieht die Infostelle ins Foyer im Hauptgebäude und hat einen Tresen direkt neben dem Haupteingang. Damit hat die Infostelle darauf reagiert, dass es im vergangen Jahr längere Wartezeiten gab und sich Schlangen bildeten.

Die Studienabteilung ist sich durchaus bewusst, dass die Verteilung der angebotenen Serviceangebote nicht optimal ist. Das soll sich nun ändern. „Bisher hatten wir aber nicht den Platz und das Geld, um den Mangel zu beheben“, sagt Steffan Baron. Doch mit dem Bau des Grimm-Zentrums konnte das Rechenzentrum aus dem Hauptgebäude in die neue große Bibliothek ziehen. Auf der frei gewordenen Fläche im Westflügel des historischen Unigebäudes Unter den Linden wird seit März ein neues zentrales Servicecenter gebaut.

Alle fakultätsübergreifenden Angebote sollen vereint werden. Ab dem Sommersemester 2011 werden dort Ansprechpartner aus den Bereichen Studienberatung, Studierendenservice mit Zulassung und Immatrikulation, Career Center, Servicezentrum Lehramt sowie Internationales vertreten sein. „Das Angebot wird an der Nachfrage ausgerichtet sein, so können wir bei Veränderungen flexibel reagieren“, sagt Jochen Ley, Projektleiter des neuen Zentrums. Die Baukosten von 3,5 Millionen Euro werden mit Geldern aus dem Konjunkturpaket II finanziert. Das neue Servicecenter soll eine vollkommen neue Atmosphäre schaffen. Bisher mussten Bewerber und Studierende oft durch dunkle Gänge des Hauptgebäudes irren, immer wieder nach dem Weg fragen. Ab Mitte kommenden Jahres werden sie in einem 190 Quadratmeter großen Raum empfangen, in dem die Infotresen und sonstigen Anlaufstellen auf den ersten Blick zu finden sind. Und transparent wird das Ganze allemal: Das neue Zentrum wird mit einem Glasdach überwölbt.

Studenten und Studieninteressierte sollen in drei Stufen bedient werden. Erste Informationen können sie sich an einem Tresen holen, der mit studentischen Mitarbeitern besetzt ist. Von dort werden sie dann an einzelne Beraterinseln weitergeleitet. „Die Serviceplätze werden nach dem Rotationsprinzip besetzt sein“, sagt Ley. Zu unterschiedlichen Zeiten seien die Schreibtische unterschiedlich belegt.

In der heißen Bewerbungsphase etwa sollen mehr Personen vom Zulassungsbüro vertreten sein, während der Rückmeldezeit zum neuen Semester sind dann eher Mitarbeiter aus dem Immatrikulationsbüro anwesend. „Wir haben Statistiken erhoben, um festzustellen, was wann am meisten gebraucht wird“, erklärt der Berater. Wenn ein Fall einen Blick in die Akten erfordert, werden die Studierenden von den Beraterinseln in die jeweiligen Büros weiter verwiesen, die an das Center angrenzen.

Das Konzept, das dahinter steckt: Studierende sollen von 9 Uhr bis 15 Uhr jederzeit einen Ansprechpartner finden. Konnte es früher sein, dass Ratsuchende vor verschlossenen Türen standen, weil sie sich mit den Öffnungszeiten vertan hatten, können sie nun zumindest am Tresen erste Informationen erhalten.

Und wenn man nicht gleich zur Uni fahren will, nur eine schnelle Frage hat? Gerade in der Bewerbungsphase rufen viele Studienbewerber an, um den Stand der Dinge zu erfragen. Doch bei der Flut an Anfragen stößt die Zulassungsstelle schnell an ihre Grenzen. Auch auf der anderen Seite herrscht Frust. „Ich saß in Frankreich bei meinem Zivildienst und wusste nicht, was los ist“, erinnert sich Sebastian Kempkens, der heute im zweiten Semester Geschichte studiert. „Fast jeden Tag habe ich angerufen, doch niemand konnte mir Genaueres sagen.“

Dieser Zustand soll sich ab Juni während der nächsten großen Bewerbungsphase ändern. An der HU wird erstmals eine Hotline für Studienbewerber eingerichtet. „Wenn sie ihre Bewerbernummer durchgeben, können sie auch telefonisch den Stand ihrer Bewerbung erfragen“, erklärt Ley, der diese Einrichtung ebenfalls betreuen wird. Aber auch für andere Anfragen soll der Telefonservice der erste Ansprechpartner sein.

Wer sich dann für ein Fach oder eine Fächerkombination entschieden hat, sollte auch mit den Fachschaften sprechen. Dort bieten erfahrene Studenten eine Woche vor Semesterbeginn Einführungsveranstaltungen für die „Erstis“ an. „Eigentlich alles, was ich über die Uni weiß, habe ich bei der Fachschaft gelernt“, sagt Sebastian Kempkens. Und selbst wenn man von Anfang an nicht alles weiß, ist es nicht so schlimm. Denn ein Studium bedeutet auch, erst einmal seine Universität zu studieren.

Mehr Informationen im Internet:

http://studium.hu-berlin.de/beratung; www.hu-berlin.de/hu/besucher/infostelle

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