Zeitung Heute : Angst vor Popularität: Eine Diskussion über Literatursendungen in Fernsehen und Hörfunk

Manfred Loimeier

"Die Schrift ist nicht fernsehtauglich, und die Vielgestaltigkeit der literarischen Rede ergibt kein Bild." Was Hubert Winkels, Literaturredakteur im Deutschlandfunk und Moderator der "Bestenliste" des Südwestrundfunks, zum Auftakt der Veranstaltung "Formate für Bücher - Information, Kritik und Promotion in Fernseh- und Hörfunksendungen" an der Akademie für politische Bildung in Tutzing sagte, leistete der Abschaffung von Literatursendungen Vorschub: "Fernsehen kann eine essayistische Literaturkritik nicht ersetzen". Kein Wunder, dass die ARD diskutiert, "Kulturreport" und "Kulturweltspiegel" auf einen noch späteren Ausstrahlungstermin zu verschieben - zu Gunsten eines weiteren Politmagazins nach "Sabine Christiansen".

Dabei informiert sich - laut einer Studie der Stiftung Lesen - ein Drittel aller Literaturfreunde im Fernsehen über Neuerscheinungen. Etwa jeder Vierte liest dafür Zeitungen oder Zeitschriften, jeder Zehnte hört deshalb Radio. Die Sendeanstalten lassen sich auch allerlei einfallen: von visuell ausgetüftelten Beiträgen in "Metropolis" (Arte) über Spielszenen im "Bücherjournal" der ARD bis zum im "Literarischen Quartett" des ZDF. Und im Radio von den Hörspielen in Radio Kultur bis hin zu Promis als Rezensenten im WDR 2.

Gerade die neueren Wege zur Promotion von Buchsendungen sorgten indes für eine Auseinandersetzung zwischen Puristen und Pragmatikern. Während etwa SWR-Literaturredakteur Uwe Kossack auf ein neues Kooperationsmodell zwischen SWR Partnerbuchhandlungen verwies, wo ab Mitte Juni vorerst für ein halbes Jahr die Bücher und sogar Sendemanuskripte ausliegen sollen, fragte "Büchermarkt"-Redaktionsleiter Hajo Steinert nach dem Verbleib literaturkritischer Inhalte in derlei Marketing-Strategien. Diese Konfrontation rührt allein schon vom unterschiedlichen Verständnis davon, was Literatur eigentlich ist. Vollkommen außer Acht blieben Wellenfusionen und Strukturreformen, durch die Kultursendungen aus dem Programm zu kippen drohen. Welcher Weg der bessere sei, um etwa die geplante gemeinsame Hörfunkwelle von Radio Bremen und NDR zu verhindern - dafür hatten die Kulturredaktionen weder Augen noch Ohren.

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