Zeitung Heute : Anspruchslose Dauerblüher

Die Gattung Felberich bietet 200 Arten. Einige davon sind auch gut für den Garten geeignet

Tassilo Wengel

Regelmäßig bieten Staudengärtnereien und Gartencenter Felberich (Lysimachia) an, eine Gattung mit über 200 Arten. Aus dieser Fülle sind natürlich auch einige Sorten für den Garten geeignet.

Zum Standardsortiment der meisten Staudengärtnereien gehört der Gold-Felberich (Lysimachia punctata), auch Punktierter Gilbweiderich genannt. Doch Vorsicht! Hat man ihn erst einmal auf der Staudenrabatte, wird man ihn nicht so schnell wieder los, denn die rhizomartigen Wurzeln haben einen ungeheuren Ausbreitungsdrang. Schlimmer noch, er verwandelt im Laufe der Zeit die gesamte Staudenrabatte in ein Gold-Felberichbeet und bedroht die Existenz aller anderen Arten, wenn man ihn gewähren lässt.

Wertvoll ist diese anspruchslose Art vor allem in naturnahen Pflanzungen, wo genügend Platz ist. Auch auf trockenen und schattigen Stellen, wo die meisten anderen Stauden versagen, leistet diese ohne Zweifel recht attraktive Pflanze gute Dienste. Breitet sich der Gold-Felberich zu stark aus, kann man ihn etwas im Zaum halten, indem man regelmäßig nach der Blüte einen Teil der Pflanze entfernt. Deshalb sollte man gut überlegen, ob man einen geeigneten Platz für diese Art hat. Die Pflanze wird je nach Standort und Bodenfeuchte 30 bis 90 Zentimeter hoch, hat gegenständige oder quirlige Blätter und entfaltet von Juni bis August leuchtend gelbe Blüten. Sie sind in einer endständigen Traube vereint.

Doch mittlerweile gibt es Sorten, die eine geringere Neigung zum Wuchern haben, beispielsweise ,Alexander‘. Diese Züchtung ist zudem mit ihren grün-weiß panaschierten Blättern ungemein attraktiv. Wer eine goldgelb-grün panaschierte Variante sucht, findet sie in ,Ivy Mc Lean‘ aus England. Mehr horstartig wächst eine Sorte, die seit 2001 im Handel ist und den Namen ,Hometown Hero‘ trägt. Sie wuchert nicht und bildet 80 bis 100 Zentimeter hohe Büsche mit zahlreichen, dicht mit goldgelben Blüten von zwei Zentimetern Durchmesser besetzten aufrechten Trauben.

Keinen allzu großen Freiheitsdrang hat auch der Schnee-Felberich (Lysimachia clethroides), der manchmal als Entenschnabel-Felberich bezeichnet wird. Dieser Name rührt daher, dass man mit etwas Fantasie im Blütenstand die Form eines Entenkopfes erkennen kann. Er stammt aus China, Japan und Korea und wird etwa 90 Zentimeter hoch. Von Juli bis September erscheinen zahlreiche weiße Blüten, die in überhängenden Ähren vereint sind. Dadurch entsteht eine sehr bizarre Form des Blütenstands. Diese Art treibt Ausläufer in gemäßigter Form. In einem strengen Winter kann es sogar vorkommen, dass die Art ziemlich dezimiert wird. Als Schutz empfiehlt sich daher eine Laubabdeckung. Ein vollsonniger Standort und eine gewisse Bodenfeuchte sind für den Schnee-Felberich wichtig.

Als Begleitpflanzen für diese beiden Felberich-Arten bieten sich einige Storchschnabel-Arten und Sorten (Geranium) an. Sie breiten sich am Fuß der Pflanze aus und bilden einen dichten Teppich: Geeignet sind beispielsweise Sorten vom Blutstorchschnabel (Geranium sanguineum) wie ,Ankum's Pride‘ (rosa), ,Max Frei‘ (rot) oder ,Elsbeth‘ (rotviolett). Auch die fabelhafte Kreuzung ,Johnson Blue‘ aus Geranium himalayense und Geranium pratense passt gut dazu. Sie blüht von Juni an bis in den Sommer hinein verschwenderisch mit großen lilablauen Blüten, die zur Mitte hin heller werden. Als recht neue, ähnliche Sorte ist ,Jolly Bee‘ zu empfehlen. Sie entfaltet vom Frühsommer bis zum Herbst große blaue Blüten mit feinen dunklen Adern und einer weißen Mitte. Besonders reich- und langblühend ist ,Rozanne‘ aus England, die von Mai bis November eine Fülle von violettblauen Blüten mit weißer, sternförmiger Mitte hervorbringt.

Hohe Partner können Sorten der Indianernessel (Monarda didyma) und des Kerzenknöterichs (Polygonum amplexicaule) sein, aber auch das Mädesüß (Filipendula vulgaris) und die Rodgersie (Rodgersia podophylla) bieten sich hier an.

Ebenfalls zur Gattung gehört das Pfennigkraut (Lysimachia nummularia), das ganz anders im Wuchs und den Ansprüchen ist als der Gold-Felberich. Diese heimische Art ist ein Bodendecker für feuchte Standorte und bevorzugt lichtschattige bis halbschattige Stellen. Die rundlichen Blätter sind an den bis 30 Zentimeter langen Trieben aufgereiht und wirken sehr dekorativ. Von Mai bis Juli entfalten sich in den Blattachseln bis drei Zentimeter breite goldgelbe sternförmige Blüten in großer Zahl. Weite Verbreitung findet auch die Sorte ,Aurea‘ mit gelben Blättern, die je nach Standort und Jahreszeit unterschiedlich intensiv gefärbt sind. Man kann das Pfennigkraut gut mit dem Purpur-Günsel (Ajuga reptans ,Atropurpurea‘) als blau blühendem Partner kombinieren.

In den letzten Jahren fand das Pfennigkraut vor allem im Zuge der immer stärker propagierten Herbstbepflanzung von Kästen, Schalen und Trögen erhöhte Aufmerksamkeit. Da es zu dieser Zeit nicht mehr blüht, wirkt es allein durch die Blätter als Strukturpflanze. Besonders gut kommt es mit den zahlreichen neueren rotlaubigen Sorten des Purpurglöckchen (Heuchera) zur Geltung, aber auch als Begleiter für herbstblühende Pflanzen wie die Staudenbleiwurz und andere.

Zum Schluss soll noch eine Art aus der Felberich-Gattung genannt werden, die vor einigen Jahren aus China zu uns kam und schnell einen Höhenflug erlebte. Es handelt sich um den Topf-Felberich (Lysimachia congestiflora), der allerdings nicht winterhart ist. Er wird vor allem zur Bepflanzung von Balkonkästen und Ampeln sowie für Schalen und Sommerblumenbeete verwendet. Die Pflanze hat einen leicht überhängenden Wuchs und entfaltet zwischen Mai und September zahlreiche goldgelbe Blüten, die in großen kugeligen Dolden am Ende der Triebe vereint sind. Der Standort soll sonnig bis halbschattig sein und der Boden humos, aber durchlässig. Da es sich nicht – wie oftmals angegeben – um eine einjährige Pflanze, sondern um eine Staude handelt, kann man sie bei fünf bis zehn Grad Celsius hell überwintern. Im nächsten Frühjahr lässt sie sich problemlos weiterkultivieren und kann erneut Kästen, Schalen oder Ampeln schmücken.

Bezugsquelle für Sorten: Staudengärtnerei Heinz-Richard Klose, Rosenstraße 10,

34253 Lohfelden, Tel. 0561/515555

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