Zeitung Heute : Anspruchsvolle Funktionen statt Megapixel-Wahn

Die neuen Digital-Fotoapparate setzen auf Tempo: Die lästige Auslöseverzögerung wird immer geringer

Kurt Sagatz

Die Zeiten, in denen sich Digital-Fotografen einfach nur darüber freuten, ihre Bilder sofort begutachten und eventuell auch gleich wieder löschen zu können, sind vorbei. Wer jetzt seine zweite oder auch schon dritte Digital-Kamera kauft, stellt höhere Ansprüche – und die dazu passenden Geräte findet er auf der Ifa, die kaum weniger Neuheiten präsentiert als die große Photokina.

Vor allem die ambitionierten Hobby-Fotografen sollten bei ihrem Messerundgang Zeit mitbringen, denn zahlreiche Hersteller haben hochwertige Kameras nach Berlin mitgebracht. Bestes Beispiel ist die DSC-F828, Sonys Spitzenmodell für semiprofessionelle Fotografie. Die 8-Megapixel-Kamera verfügt über ein Achtfachzoom (28-200 Millimeter) und einen Vierfarbfilter, der für eine besonders naturgetreue Farbwiedergabe sorgen soll. Beinahe eine kleine Revolution ist, dass die Kamera nicht nur Sonys Memorystick als Speichermedium unterstützt, sondern auch Compact- Flash-Karten und somit auch Microdrives. Zahlreiche Funktionen zur manuellen Optimierung der Aufnahmen sowie eine Betriebsbereitschaft nach einer Sekunde (Auslöseverzögerung: 0,5 Sekunden) runden das gute Gesamtbild der Kamera ab, die vermutlich für 1150 Euro im November in den Handel kommen wird.

Auch bei Nikon wird Tempo immer größer geschrieben. Die 4000-Euro-Kamera D2H, die Nikon in Berlin präsentiert, kennt die Begriffe Startbereitschaft und Auslöseverzögerung nicht mehr. Dafür ist sie in der Lage, Bilderserien von acht Aufnahmen pro Sekunde zu schießen.

Wer nicht so tief in die Tasche greifen will, kommt an Kodak nicht vorbei: Die Easy Share DX6490, die im Oktober für 550 Euro angekündigt ist, gehört zu den Superzoom- Kameras. Von 38 bis 380 Millimeter reicht die Brennweite der 4-Megapixel-Kamera. Dagegen handelt es sich bei der Kodak CX6230 (2-Megapixel, 3fach-Zoom, 210 Euro) um ein echtes Einsteigermodell.

Überhaupt kommen auf der Ifa nicht nur die semi-professionellen Hobbyfotografen und die Bildjournalisten auf ihre Kosten: Auch in der Kompaktklasse der Geräte mit drei und mehr Megapixeln hat sich einiges getan. Sanyos Xacti VPC-J2 EX (3,2 Megapixel, 2,8faches optischer Zoom, rund 450 Euro) ist bereits nach rund einer Sekunde startbereit und braucht nur zwei Sekunden, um die nächste Aufnahme zu schießen.

Ein Megapixel mehr – ganz ist die Schlacht um die Auflösung eben doch noch nicht zu Ende – hat Casio der QV-R40 ins silberfarbene Gehäuse gepackt. Ein zehn Megabyte großer interner Speicher sorgt für zügige Bildverarbeitung, gespeichert wird auf SD-Karten. Der 3fach-Zoom ist Standard, auffallend sind dagegen die 21 Motivprogramme, die es unter anderem ermöglichen, zuerst einen Hintergrund zu fotografieren, um danach beispielsweise eine Person in den Vordergrund zu stellen.

Einige große Hersteller von Digitalkameras haben sich allerdings gegen einen Stand auf der Ifa entschieden. Canon präsentiert seine Neuheiten am Potsdamer Platz gegenüber dem Bundesrat in einem großen Zelt. Mit dabei: Die EOS 300D, eine 6-Megapixel-Spiegelreflex-Kamera, die rund 1100 Euro kosten wird. Mit der Kamera lassen sich die EF-Objektive von Canon nutzen, was für viele EOS-Analogfotografen ein Impuls zum Umstieg auf die gehobene Digitalfotografie sein könnte.

Auch Fujifilm fehlt auf der Ifa, das Unternehmen wird am 1. und 2. September im Schöneberger Wasserwerk die Neuheiten der Herbstsaison vorstellen.

Nikon: Halle 3.2, Stand 204

Kodak: Halle 3.2, Stand 110

Casio: Halle 3.2, Stand 203

Sony: Halle 18, Stand 101

Sanyo: Halle 21, Stand 101

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