Zeitung Heute : Ansteckend

FRANK NOACK

Woodys verlorene Schwester - "Sue" von Amos KollekVON FRANK NOACKDepressionen gelten nicht als ansteckende Krankheit, aber wer Sue (Anna Thomson) gesehen hat, der könnte schnell anderer Meinung werden.Gleich, ob sie sich um Arbeit oder eine Freundschaft worum sie sich bemüht, die von ihr Angesprochenen atmen erleichtert auf, wenn sie wieder weg ist.Die Enddreißigerin, die wie eine leicht heruntergekommene Julie Delpy aussieht, klammert sich verzweifelt an ihre Mitmenschen, läßt ihnen keinen Raum zum Atmen.Bei ihren Streifzügen durch Manhattan findet sie kurzzeitig Freunde, die ihr verständnisvoll zuhören, ihr sogar Geld leihen für ihre Mietschulden.Doch es nützt alles nichts.Sues Wunden sitzen zu tief.Es ist dem Autor und Regisseur Amos Kollek hoch anzurechnen, daß er "Sue" im Stil einer Woody-Allen-Komödie inszeniert hat und nicht als triefendes, sadistisch-voyeuristisches Rührstück.In Anna Thomson (bekannt aus Clint Eastwoods "Unforgiven") stand ihm außerdem eine Darstellerin zur Verfügung, die ihre Rolle klug und sensibel mit psychologischer Genauigkeit gestaltet, statt sich bloß exhibitionistisch zu verausgaben. Heute 21 Uhr (Atelier), morgen 16.30 Uhr, Freitag 21 Uhr (Filmpalast)

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