Zeitung Heute : Antiker Staub aufgewirbelt

REINHART BÜNGER

Deutsches Rundfunkmuseum versteigerte doppelte GeräteVON REINHART BÜNGER

Von DAB und PC sind diese Geräte so weit entfernt wie mancher Aufsichtsrat von der richtigen Prognose: Rundfunkempfänger aus den Kindertagen des Mediums bestechen eher durch ihre Form und ihren Geruch denn durch technischen Schnickschnack.Zweihundert Geräte standen gestern und vorgestern Abend im Deutschen Rundfunkmuseum in Auktionen zur Wahl.Es waren doppelte, zum Teil leicht lädierte Geräte, denen der Umzug in neue Räumlichkeiten im November zu beschwerlich wird: alte Röhren soll man nicht auswechseln. SFB-Moderator Klaus ("Land unter") Strebe gelang mühelos, dem staunenden Publikum - mancher hatte fünfzig Jahre auf diesen Tag gewartet - mit seinem Mundwerk die Taschen zu leeren: "Aus Vernunftsgründen macht man das ja nicht", sagte er zu der Veranstaltung, die ihre Besucher weit, weit in die Welt der Erinnerung zurückführte.An das Stromnetz konnten die ob ihres Gewichtes und ihrer Abmessungen teilweise außerordentlichen Respekt einflößenden Apparate nicht gehen.Museumsdirektorin Heide Riedel, mit der Messegesellschaft wegen zu hoher Miete seit Monaten über Kreuz, wollte weitere Kurzschlüsse vermeiden.Unvorstellbar, daß der Funkturm in diesen Tagen ohne Beleuchtung dastehen könnte. Die Geräte wurden hier unter Liebhabern ge- und verhandelt.Wer sonst schon würde sich für ein LV 17/5 im Holzgehäuse aus dem Jahr 1947 interessieren, dessen Verbandskasten-Design in der Farbe Elfenbein die Firma Blaupunkt direkt vom Deutschen Kreuz übernommen hatte? Alles eine Frage des Geschmacks: Geräte aus den fünfziger Jahren sahen häufig so aus, wie die futuristischen Entwürfe von Toastern aus der Jetzt-Zeit.Antiquarischer Staub befand sich auch auf dem Acuston Trichterlautsprecher von 1927, das freilich das Angebotslimit von 220 DM nicht einspielen konnte: Keiner hatte das System mit dem Knie gesehen.

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