Zeitung Heute : AOL bläst zum Angriff auf T-Online

CHRISTOPH DERNBACH (dpa)

Auf dem hart umkämpften deutschen Online-Markt hat der Branchenzweite AOL einen neuen Angriff auf den Marktführer T- Online gestartet.Bereits zur CeBIT im März hatte AOL eine bundeseinheitliche Einwahlnummer zum Ortstarif präsentiert und damit einen großen Wettbewerbsvorteil von T-Online ausgeglichen.Nun hat AOL das Quasi-Monopol des Telekom-Dienstes beim Homebanking, also dem Führen von Girokonten über das Datennetz, im Visier.

Bei den Banken und Sparkassen in Deutschland sind 80 Millionen Girokonten eingetragen, knapp sechs Prozent davon (4,3 Millionen) werden online geführt.Bei den Direktbanken wie der Bank24 oder ComDirekt liegt der Online-Anteil mit knapp 50 Prozent naturgemäß sehr hoch.Dagegen liegt der Online-Anteil bei den öffentlichen Sparkassen, Volksbanken und Spardabanken nur bei vier Prozent.Mit knapp 57 Millionen Girokonten insgesamt sind das aber immerhin rund 2,3 Millionen Online-Konten.

Über den Telekomdienst waren schon vor Jahren quasi 100 Prozent aller Online-Konten erreichbar, als Bildschirmtext (Btx).Das Führen der Konten über Btx via T-Online erscheint jedoch wegen der starken Begrenzungen in der Benutzerführung nicht mehr ganz zeitgemäß.Btx-Homebanking genießt allerdings den Ruf eines sicheren und zuverlässigen Dienstes.Deswegen glauben viele Experten, daß das Gros der rund zwei Millionen T-Online-Kunden hauptsächlich den Dienst zum Homebanking benutzt.

AOL stand vor zwei Jahren vor dem Problem, ein ebenso sicheres Homebanking-Verfahren entwickeln zu müssen.Diese Hausaufgaben sind mittlerweile erledigt.Außerdem haben sich etliche Banken für einen Homebanking-Auftritt im Internet entschieden, das via AOL erreicht werden kann.Somit sind für die rund 570 000 AOL-Kunden derzeit bereits 84 Prozent der Direktbank-Online-Konten verfügbar, bei den Privatbanken sind es 68 Prozent.

Nur im Bereich der öffentlichen Bankinstitute zeigte der Branchenzweite AOL noch eine große Lücke.Die soll nun geschlossen werden: Den Anfang machte die Stadtsparkasse Düsseldorf.Bei den Volks- und Raiffeisenbanken stehen nach Angaben von AOL 450 Institute in den Startlöchern, die mit dem Rechenzentrum der Fiducia arbeiten."Wir freuen uns, daß mit den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken nun über 60 Prozent aller in Deutschland geführten Online-Konten für unsere Mitglieder erreichbar sind.Unser Anspruch Online für alle, muß natürlich auch heißen: Homebanking für alle", sagte Andreas von Blottnitz, Geschäftsführer von AOL Deutschland.

Anwender von PC-Finanzprogrammen wie "Quicken" von Intuit oder "Money" von Microsoft werden allerding auch künftig auf T-Online angewiesen sein.Das Homebanking-Angebot innerhalb von AOL oder im Internet bietet bislang nicht die notwendige Schnittstelle, um Kontoauszüge automatisiert in eine Finanzverwaltungssoftware einzulesen.Doch auch hier ist eine Änderung in Sicht: Auf eine Initiative mehrerer Großbankenverbände hin wurde der Standard Homebanking Computer Interface (HBCI) entwickelt, der in der Version 1.0 bereits bei einigen Banken im Einsatz ist.Die verbesserte Version 2.0 soll künftig Transaktionen über alle Institutsgrenzen hinweg erlauben, ob über T-Online, AOL oder das Internet.

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