Zeitung Heute : AOL: Der Internet-Provider kann doch noch anders

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Wenn in diesen Tagen auf eines Verlass ist, in Sachen Multimedia und Internet, dann auf Schlagzeilen aus dem Hause Bertelsmann oder AOL. Jetzt ist AOL dran. Erst die eingestellten Boris-Becker-Spots ("wieviele E-Mail-Adressen hat meine Familie noch?"), dann die Entlassungen bei AOL/Time Warner, und jetzt will der weltweit größte Internet-Provider angeblich die legendären Compuserve-Foren schließen.

Wer erinnert sich nicht: Anfang der 90er Jahren, als es Internet-Nutzung fast nur an Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen gab, da war Compuserve das Maß aller Dinge, ein Online-Dienst vor allem für Profis im Privatbereich. Im Laufe der Jahre, mit konkurriernden Online-Diensten aus dem Internet, nahm Compuserve an Einfluss ab. Neubesitzer AOL setzte auf eine Mehrmarkenstrategie, unterhält zur Zeit neben Compuserve und seinem eigenen Online-Service noch andere Dienste wie Netscape in England oder GNN. Insider vermuteten nun, AOL wolle Compuserve, den Konkurrenten im eigenen Hause, loswerden, leise absterben lassen. Vergangene Woche wurden den deutschen Forenbetreibern zum 30. April gekündigt. Telepolis spottete schon: "Wir können nun mal nicht Compuserve. Wir können nur AOL."

Ganz so weit ist es noch nicht. "Fakt ist, dass die Compuserve-Foren online blieben, nur mit einer anderen Technik. Alle Windows-Plattformen werden in diesen Wochen auf leistungsfähigere Unix-Systeme umgestellt", sagt Compuserve-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. Die Foren sollen dann "Boards" heißen und redaktionell betreut werden.

Eine der ältesten Online-Gemeinschaften ist offenbar noch nicht am Ende. Über aktuelle Registrierungen gibt Compuserve zur Zeit zwar keine Auskunft, aber angeblich soll sich die Zahl der deutschen Kunden mit der Einführung eines Billig-Onlinetarifs (1,9 Pfennig pro Minute am Tag) auf eine halbe Million erhöht haben. Das sind mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Totgesagte leben scheinbar länger, auch bei AOL. Vielleicht bekommt Boris Becker jetztneue Spots. Und E-Mail-Adressen für Sabrina Setlur.

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