Zeitung Heute : AOL setzt auf Infotainment

HANS-PETER STRICKER

Weltgrößter Online-Dienst in Deutschland auf dem Vormarsch VON HANS-PETER STRICKER

Neben T-Online und CompuServe ist AOL der Dritte im Bunde der großen Online-Dienste.Genauer: "AOL Bertelsmann", ein Joint Venture des Hamburger Medienriesen Bertelsmann und des amerikanischen Stammhauses America Online.Mit knapp acht Millionen Abonnenten in den USA, Kanada, England, Frankreich, Deutschland und demnächst auch Japan ist AOL der weltgrößte Online-Dienst.In Deutschland hat AOL Bertelsmann inzwischen mit CompuServe gleichgezogen und kann auf etwa 300 000 zahlende Mitglieder verweisen.Zum Vergleich: T-Online hat 1,2 Millionen Kunden. Der private Nutzer steht bei AOL Bertelsmann im Mittelpunkt: Der Musterkunde stöbert von zu Hause aus im auf Infotainment ausgerichteten Angebot.Professionelle Datenbanken etwa, wie sie T-Online und CompuServe anbieten, findet man bei AOL eher am Rande.Dafür gibt es große, gut sortierte Software- und Spielebibliotheken sowie Hochglanzzeitschriften in Online-Versionen.Doch nicht nur Verlagseigenes wie GEO, Capital oder das Bertelsmann Universallexikon - das es übrigens auch bei der Konkurrenz CompuServe gibt - stehen auf dem Programm.Mit namhaften Content-Providern (so heißen die Informationsanbieter im Online-Jargon) wie der dpa oder dem Deutschen Wetterdienst ist AOL Partnerschaften eingegangen.Auch Lufthansa und die Deutsche Bahn bieten über AOL ihre Dienste an. Seit 1995 sind die Hamburger auf dem Online-Markt, zehn Jahre zuvor erst ist die amerikanische Mutter angetreten.Auf deren naturgemäß umfangreicheres Angebot hat der deutsche Kunde ebenfalls Zugriff.Bemerkenswert: Hier wie dort werden grundsätzlich keine Extragebühren fällig, alle Dienste, inklusive des Internet-Zugangs, sind kostenfrei - von Telefon- und Verbindungsgebühren abgesehen.Darin unterscheidet sich AOL wohltuend von T-Online und CompuServe, die immer, wenn es interessant wird, die Hand aufhalten. Seit jeher ist America Online für sein forsches Marketing bekannt, der als erster Dienst Zeitschriften Disketten mit der AOL-Zugangssoftware beilegte.Der letzte Coup ging aber, wie berichtet, daneben: Nachdem America Online eine zeitlich unbegrenzte Nutzung nicht nur des eigenen Angebots, sondern auch des Internet für knapp 20 Dollar im Monat in den USA angeboten hatte, konnte es sich vor Neukunden nicht mehr retten und mußte einen Aufnahmestop verhängen.Wohlweislich hat AOL Bertelsmann auf dieses Sonderangebot verzichtet.Für 9 Mark 90 Grundgebühr im Monat kann man daher nur zwei Stunden durch AOL und das Internet surfen, danach werden sechs Mark pro Stunde fällig.Für intensive Surfer ist das freilich zu teuer.Da die anderen Online-Dienste auch nicht preiswerter sind, bleibt als Ausweg ein reiner Internet-Provider mit einem Pauschalpreis um die 50 Mark - schon bei mehr als zwanzig Online-Minuten täglich zahlt sich das aus. Die sechzig AOL-Einwahlknoten - davon einer in Berlin - verfügen über eine Übertragungskapazität von bis zu 28 800 Bit pro Sekunde; ISDN-Anschlüsse gibt es erst vereinzelt.Die AOL-Zugangssoftware, die anders als bei T-Online und CompuServe keinen eigenen Namen hat, gibt es überwiegend auf CD-ROM.Sie liegt immer noch vielen Computerzeitschriften bei, kann aber auch unter 0180/5522-0 telefonisch bestellt werden.Zielgruppengerecht bietet sie eine grafisch ansprechend gestaltete Oberfläche und ist einfach zu bedienen, Übersichtlichkeit ist Trumpf.

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