Zeitung Heute : Apple-Computer: Das Mac-Manko

Markus Huber

Apple Computer, man muss es so sagen, sehen einfach gut aus. Wenn beim Apple-Händler des Vertrauens vier iMacs nebeneinander stehen, noch dazu in Farben, deren Namen man noch nie zuvor gehört hat, dann frage nicht. Anschauen, verlieben, ec-Karte zücken. Schließlich weiß man, dass die meisten Menschen in den Trendberufen Grafik, Werbung und Journalismus Apple benutzen - da kann das Gerät ja gar nicht so schlecht sein. Und dann ist da noch etwas, dass die von Apple versprechen: Die Computer wären so simpel, dass jeder Laie damit nahezu alles machen kann, von simpler Textverarbeitung bis hin zum Videoschnitt. Also: gekauft.

Rein optisch verliert der iMac auf dem Weg nach Hause schon ein klein wenig; allein schon deswegen, weil er so allein am alten heimatlichen Schreibtisch weit weniger beeindruckend aussieht als noch draußen im Schaufenster. Aber rein was die Installation betrifft, hält der Rechner, was die Werbung verspricht: bloß den Stecker in die Dose fummeln - sowohl den für den Strom als auch den fürs Telefon. Dann fragt der Computer, ob man schon einen Internet-Provider hat. Und wenn nicht, dann zeigt der Computer eine aktuelle Liste aller Anbieter samt ihrer Preise. Angeklickt, und man ist drin.

Und auch dann macht der iMac am Anfang noch viel Freude: Das meiste, was man damit machen kann, ist so einfach, dass selbst der Laie damit klar kommt: Textverarbeitung sowieso, auch das Installieren eines Druckers und eines externen Disketten-Laufwerkes klappt. Über einen - ebenfalls einfach zu installierenden - Adapter kann man seine Playstation-Spiele am iMac spielen, was das Manko, dass die meisten tollen Computerspiele am Mac nicht laufen, mehr als wettmacht. Und auch, dass die etwas teureren iMacs ein DVD-Laufwerk haben, macht Spaß.

Urlaubsvideos, nicht kompatibel

Aber irgendwann wird die Sache mit dem iMac unlustig, nämlich dann, wenn man das Gerät als das zu nutzen versucht, als das es angepriesen ist: als Multimedia-Plattform. Irgendwann bekommt jeder einmal eine Videokamera in die Hand und spielt seine Urlaubsvideos auf den iMac. iMacs dieser Generation werden serienmäßig mit dem Videoschnitt-Programm iMovie geliefert. Und wie alle Mac-Programme ist auch iMovie relativ simpel zu bedienen. Fünf Minuten üben, man kapiert wie es läuft, und kann dann seine Urlaubserinnerungen nett zusammenschneiden, mit Untertitel versehen und mit Musik unterlegen. Wie gesagt: Lustig, aber doch nicht ganz. Denn irgendwann soll das relativ große Video-File von der Festplatte auch wieder runter - idealerweise auf eine VHS-Kassette. Und da kommt das grundsätzliche Problem von Apple zutage - das Teil ist mit überhaupt nichts kompatibel. Einfach den Videorecorder an den Computer anschließen? Funktioniert nicht. Um die Videos wieder zurück auf die Kamera zu bringen, muss die Kamera einen AV-Eingang haben. Den haben aber nur die ganz teuren Modelle.

Also - Problem erkannt und rasch zum Apple-Händler des Vertrauens, in Berlin meistens die "Gravis"-Kette. Die werden doch eine Lösung für das Problem haben, schließlich wirbt "Gravis" auch mit dem Slogan "weltbester Apple-Shop 2000". Das mag bezüglich der Auswahl stimmen, bezüglich des Kundenservices aber sicher nicht: Von drei mit dem Videoproblem konfrontierten Verkäufern gibt es drei unterschiedliche Antworten, denen eines gemeinsam ist: Praktikabel ist keine. Der eine rät zum Kauf eines Softwarepakets, das 500 Mark kostet, was "Gravis" und Apple freut, den User aber nicht: Eine Verbindung zwischen Computer und Video stellen Software und Adapter aber trotzdem nicht her. Damit kann man nämlich nur das Bild vom Computerbildschirm auf das TV-Gerät überspielen und mit dem Videorekorder mitschneiden. Der Qualitätsverlust ist enorm. Der zweite Kundenberater verweist auf ein Programm, das in den USA in drei Monaten präsentiert wird (ein bisschen spät, wenn man bedenkt, dass iMovie schon drei Jahre auf dem Markt ist). Die intelligenteste Lösung stammt vom dritten "Gravis"-Berater: Er rät zum Kauf einer neuen Videokamera. Natürlich nur, falls man 3000 Mark auf der hohen Kante hat.

Bleibt nur noch die kostenpflichtige "Gravis"-Hotline, bei der laut Werbung 17 Stunden am Tag professionelle Mac-Experten helfen - zum Wahnsinnspreis von 3 Mark 65 die Minute. Aber nicht immer: Kurz nach dem Kauf des iMacs konnten die teuren Herren von der Support-Hotline nicht weiterhelfen, als sich der Palm-Handheld nicht mit dem iMac verbinden ließ (obwohl das laut Apple kinderleicht sein soll). Und auch jetzt: Nach fünf Minuten in der Warteschleife à 3 Mark 65 ist plötzlich die Leitung tot. Ein zweiter Versuch - das gleiche Problem. Das war sie dann, die Sache mit dem Videoschnitt.

Auch ansonsten ist es nervig, dass Apple das Problem mit der Sonderstellung der Mac-Rechner noch nicht beseitigt hat: Vor der Einführung der Playstation-Plattform (Kostenpunkt: 100 Mark) gab es einfach zu wenig Spiele für den Rechner. Wenn man die sicheren Bahnen der Textverarbeitung und des Surfens verlässt und nicht ganz so einfache Programme laufen lässt, würde man oft gern ein Handbuch zur Hand nehmen. Die gibt es aber oft nicht, oder sie sind enorm teuer. Und tauschen geht meistens auch nicht, weil im Bekanntenkreis die wenigsten privat Apple nutzen.

Wenn man aber beschließt, nur auf sicheren Wegen zu bleiben, dann ist das Gerät ganz wunderbar. Enorm leistungsfähig, enorm schnell im Internet, enorm handlich, weil man außer dem iMac am Scheibtisch keine sperrigen Geräte aufstellen muss. Und der iMac ist nicht sperrig, sondern sieht sehr gut aus. Und das sollte man nie vergessen.

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