Zeitung Heute : Apple mit bunter Produktpalette

KLAUS ANGERMANN

Für die Vorstellung der neuen Macintosh-Generation hatte Steve Jobs, Interims-Chef von Apple, eine außergewöhnliche Idee: "HAL 9000", der Computer aus dem Science-Fiction-Klassiker "2001 Odyssee im Weltraum", sprach als Inbegriff eines fehlerhaft arbeitenden Computers über eine riesige Leinwand zu Jobs, bis der Rechner neiderfüllt wegen der besseren neuen Mac-Computer durchbrannte.

Nach der Vorstellung der neuen Macs auf der MacWorld in San Francisco Anfang Januar gab es am Montag in Berlin für Händler und Fachpublikum die neuen Rechner zu bestaunen.Reiner Deichmann, Deutschlands Vertriebsleiter für Großkunden, erklärte zu diesem Anlaß, daß man bei Apple guter Hoffnung sei, die positiven Ergebnisse des letzten Jahres nochmals steigern zu können.Nach Konsolidierung der Verkaufszahlen sei nun Wachstum das erklärte Ziel, so Deichmann.

Für dieses ehrgeizige Ziel haben sich die Entwickler die gesamte Produktpalette zur Brust genommen.Optisch schwimmen die neuen G3-Modelle nun auf der iMac-Welle.Die erneuerten Modelle kommen in einem komplett neugestylten Gehäuse mit blauem Farbton daher, wie er bislang vom iMac bekannt war.Passend zu den neuen Desktops sind auch die verschiedenen Monitore optisch aufgepeppt worden.Damit der kleine Verkaufsstar iMac sich weiterhin von den großen PowerPC-Brüdern abgrenzen kann, wurden ihm gleich noch fünf neue exklusive Farbtöne von grün bis hin zu einem zarten lila-violett zur Seite gestellt.Schlechte Nachricht übrigens für allzu farbenfrohe Naturen: die Komponenten Rechner, Tastatur und Maus können jeweils nur in einem Farbton erstanden werden.Neben der Farbe folgte Apple natürlich auch dem "schneller, höher, weiter"-Diktat des Computer-Marktes.Die knalligen iMacs bekamen neben einem schnelleren 266-MHz-Prozessor auch eine größere Sechs-Gigabyte-Festplatte spendiert und werden gleich mit dem aktuellen MacOS-Update 8.5.1 ausgeliefert.

Apple beließ es bei den G3-PowerPC nicht bei schnelleren Prozessoren und blauen Farbklecksen.Als besondere Novitäten sei die USB- und die schnelle 400 Megabit/s Multimedia-Schnittstelle erwähnt.Außerdem sorgen flotte 2D/3D-Grafikarten dafür, daß die Macintoshs zu regelrechten "Game-Machines" mutieren, für die endlich auch wieder Spiele entwickelt werden.Im Server-Bereich sagt Apple den großen Konkurrenten UNIX und NT den Kampf an.Nach Geschwindigkeits-Tests soll die Netzwerk-Performance des neuen G3-Servers bis zu zweimal so schnell wie ein vergleichbarer Pentium II sein.Zusätzlich steht das neue Betriebssystem "MacOS X Server" in den Startlöchern und soll in Amerika voraussichtlich Ende Februar dieses Jahres erhältlich sein.Mit diesem System, das Stabilität und Performance sowie einfachste Bedienung bieten soll, möchte Apple sich ein Stück vom Internet-Server-Kuchen abschneiden.

Apples schwarze Zahlen 1998 sorgen bei dem Konzern für ein erstarktes Selbstbewußtsein.Ob diese durch den iMac eingeleitete Trendwende aber mehr als nur ein Achtungserfolg war, wird Apple in den nächsten Monaten beweisen müssen.Dem "Think different"-Nymbus stehen beispielsweise Kurzaktionen wie der Verkauf der mittlerweile gar nicht mal so schlecht ausgerüsteten "Billig-Rechner" in den Aldi-Filialen gegenüber.Ob die Politik von Apple erfolgreich aufgeht, vermeintlich schnellere Macs ein gutes Stück mehr kosten zu lassen als die PC-Konkurrenz, bleibt noch abzuwarten.Mindestens solange, bis Aldi mit der nächsten Verkaufsoffensive eine weitere Preisrunde einläutet.

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