Zeitung Heute : Apples Zukunft ist auch mit dem iMac ungewiß

Der iMac hat nach Ansicht vieler Experten der Firma Apple das Leben gerettet.Die Personalcomputer mit dem ungewöhnlichen, durchsichtigen und farbenfrohen Design gibt es jetzt in fünf Geschmacksrichtungen, von Erdbeer-Rot bis Trauben-Blau.Und allein schon durch ihr Aussehen dürften sich die iMacs weiter deutlich von der Masse der üblichen Computer abheben.Aber, ist das nur ein Ein-Produkt-Wunder, oder schafft es Apple tatsächlich, sich ein gutes Stück vom Marktanteil der Windows-Rechner zu sichern?

Der iMac ist jetzt gerade fünf Monate alt, und dieses Jahr wird vielleicht die Antwort auf die Frage bringen.Der Apple-Experte Guy Kawasaki glaubt, daß Apple mit innovativer Gestaltung allein nicht die Revolution vorantreiben kann, die die Firma in den 80er Jahren vor allem in Sachen Benutzerfreundlichkeit eingeleitet hat."Der iMac ist vor allem ein überwältigender Marketing- und Design-Erfolg", sagt Kawasaki, der für die Softwareentwicklung der Macintosh-Rechner verantwortlich war.Heute betreibt er ein Büro in Silicon Valley, das versucht, Menschen mit neuen Ideen mit Kapitalgebern zusammenzubringen.

Die Messe MacWorld in der vergangenen Woche in San Francisko zeigte aber auch, daß Apple stark am Ausbau seiner Position arbeitet.Der Preis für die iMacs, von denen seit der Einführung Mitte August mehr als 800 000 Stück verkauft wurden, wurde um hundert Dollar gesenkt, sie haben jetzt einen schnelleren 266-Megahertz-Prozessor und eine größere Sechs-Gigabyte-Festplatte.Auch die G3-Rechner wurden völlig überarbeitet, Den Spielefans bieten die Rechner jetzt einen schnelleren Prozessor und eine bessere Grafikkarte.Dazu paßt, daß auf der MacWorld renommierte Softwarehäuser eine Reihe neuer Spiele vorstellten.Sie sind Teil der mehr als 1300 Macintosh Anwendungen, die seit der Vorstellung des iMacs im Mai 1998 neu auf den Markt gekommen sind.Zudem gibt es von Apple jetzt eine neue Server-Software, mit der die Macs in Betrieben und Schulen zu Netzwerken zusammengeschaltet werden können.

Den Verkauf der Rechner in Europa will Apple jetzt mit sechs neuen Online-Geschäften ankurbeln.In den sogenannten AppleStores können Kunden seit Anfang Januar über das Internet Bestellungen aufgeben.Neben Deutschland geht dies jetzt auch in Belgien, Frankreich, Italien, Holland und Spanien.Geschäfte für Österreich und die Schweiz sollen im März folgen.Der erste Apple-Online-Store wurde 1997 in den USA eröffnet.

Damit scheint Apple erst einmal auf Kurs zu sein und seine Position im lukrativen Bereich der professionellen Designer und der Schulen und Hochschulen ausbauen zu können.Wie Apple-Chef Steve Jobs schon ankündigte, wird das Unternehmen noch in dieser Woche wohl das fünfte profitable Quartal in Folge vermelden können.Allerdings ging in all dem Jubel auf der MacWorld die Frage nach den langfristigen Aussichten der Firma völlig unter.Denn auch die seit August verkauften 800 000 iMacs sind nur ein Bruchteil der im selben Zeitraum schätzungsweise 35 bis 40 Millionen verkauften PC weltweit.

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