Zeitung Heute : Apropos Hundegeschichte

SILKE BENDER

Karl-Hofer-Stipendiatinnen im NBKSILKE BENDER Zwei wandfüllende Vergrößerungen von Pressefotos, einmal mit illegalen Einwanderern, die zusammengepfercht in einem Kofferraum sitzen, das andere mit einem lächelnden Dressman.Am unteren Ende der Großbilder mehrere kleine Leinwände, auf die ebenfalls Pressefotos aufgezogen sind.Der elektrische Stuhl neben der Raumschiff-Enterprise-Mannschaft neben einem Verkehrsunfall neben Opfern von Hungerkatastrophen neben James Bond.Die beliebige, zusammenhanglose Welt der Medienbilderflut.Andy Warhol läßt grüßen.Daniela Comanis Arbeiten kreisen um das Thema "Medien und Realität".Um die Manipulierbarkeit von Fernsehinformation geht es ihr in der Videoinstallation "Jein".Auf den zwei Monitoren sind identische Frauen zu sehen.Aus dem Off befragt sie ein Interviewer zu persönlichen Dingen: Sind Sie verliebt? Macht Ihnen Ihre Arbeit Spaß? Ein und dieselbe Frau antwortet synchron auf dem einen Monitor "Ja", auf dem anderen "Nein".Aus der Verdopplung der Person und der Kontrastierung der Antworten wird ein "Jein", eine Null-Information. Beate Daniel ist in ihrer "Idyllenforschung" mittlerweile bei der "Abteilung Hund" angekommen.Dabei geht es ihr um die Verkitschung von Natur und Haustier im menschlichen Lebensalltag.Die Installation kombiniert Zeichnungen, Fotografien und banale Alltagsobjekte wie Hundebriefmarken, Hunde-Zeichenschablonen, Stofftaschentücher mit Hunde-Motiven.Die zwei Plüsch-Hunde blinken auf Knopfdruck mit den Äuglein oder wedeln munter mit dem Schwanz.Aber Vorsicht, auf Schwanzwedel-Level Drei führt die ekstatische Freude des Hundes zu dessen Selbstauslöschung, warnt die Gebrauchsanweisung.Die Kunstgeschichte führt sie in ihrer Arbeit "Evolution 1200-1997" als Hundsgeschichte vor.Sie isoliert Hundemotive aus Gemälden von Holbein bis Dix und zeigt, wie die Form des Tieres sich der Form der Malerei anpaßte.Das Foto zeigt eine Arbeit ohne Titel aus dem zur Ausstellung erschienenen Katalog. Die beiden Karl-Hofer-Stipendiatinnen des Jahrgangs 1993-95 fassen ihre so unterschiedlichen, technisch durch alle Kunstformen vagabundierenden Arbeiten unter dem gemeinsamen Ausstellungstitel "O.m.U." zusammen.Der aus der Filmsprache entliehene Begriff "Originalfassung mit Untertiteln" ist Programm.Die Künstlerinnen verstehen sich als Übersetzer einer komplexen (Medien-)Realität, die sie mittels ihrer Arbeiten untertiteln und dabei offenkundig verändern und reduzieren. Neuer Berliner Kunstverein, Chausseestr.128/129, bis 4.Januar, Dienstag bis Freitag 12-18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 12-16 Uhr.Katalog 25 DM.

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