Zeitung Heute : Arafat von Palästinensern ermordet? Geheimdienstoffizier beschuldigt eigene Leute

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Tel Aviv - Palästinenserpräsident Jassir Arafat soll von seinen eigenen Landsleuten ermordet worden sein. Diese Anschuldigung erhebt ein Mitglied der offiziellen palästinensischen Untersuchungskommission zum mysteriösen Tod Arafats. Fahmi Schabana, ein hoher palästinensischer Geheimdienstoffizier, sagte in einem Interview mit dem israelischen Rundfunk, ein Sicherheitsoffizier aus dem Gazastreifen habe Arafat 2004 vergiftet und ein Politiker habe geholfen, das Verbrechen zu decken. Allerdings nannte er keine Namen der Täter und machte auch keinen Hinweis auf wahrscheinliche Hintermänner und Drahtzieher.

Die Palästinenserbehörde sei im Besitz von Informationen über Arafats Tod, die sie niemals veröffentlichen werde, fügte Schabana hinzu. Gleichzeitig beschuldigte er den arabischen Nachrichtensender Al Dschasira, dessen sensationeller Report über Arafats Tod habe den Sturz von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zum Ziel gehabt.

Al Dschasira hatte vergangene Woche den Untersuchungsbericht eines angesehenen Schweizer Instituts veröffentlicht. Darin heißt es, in den von Arafats Witwe Suha übergebenen Kleidern sei eine hohe Menge des radioaktiven Gifts Polonium 210 gefunden worden. Allerdings stellte das Lausanner Institut auch fest, dass die im Todesprotokoll von Arafats Pariser Krankenhaus beschriebenen Symptome nicht auf eine radioaktive Vergiftung schließen ließen.

Die Palästinenserbehörde hatte danach die baldige Exhumierung der Leiche Arafats angeordnet, um sie auf Giftspuren zu untersuchen. Hintergrund sind die Vorwürfe, Arafat sei auf Befehl des israelischen Geheimdienstes Schin Bet vergiftet worden. Doch inzwischen wurde die Exhumierung wieder bis auf Weiteres verschoben. Die palästinensischen Ermittler hatten erklärt, zunächst den Bericht des Schweizer Labors einsehen zu wollen. Charles A. Landsmann

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