Zeitung Heute : Areal in Prenzlauer Berg ist fast fertiggestellt - Erste Mieter sind bereits eingezogen

Harald Olkus

Dunkles Ziegelrot, sauber sandgestrahlt und neu gefugt, empfängt den Besucher der Kulturbrauerei, sobald er das Areal durch das Tor an der Knaackstraße betritt. Über den Türen und Toren glänzen die neu angebrachten Buchstaben und informieren über die frühere Funktion der Gebäude, als hier am Prenzlauer Berg noch Bier gebraut wurde. Noch beherrschen auf den Innenhöfen die Bauarbeiter das Bild. Hier und da klafft eine Baugrube, Bauzäune trennen Teile des Geländes ab.

Dennoch sind bereits einige Mieter eingezogen: Im Dezember hat der Gehörlosenverband das turmartige Eckgebäude an der Schönhauser Allee bezogen. Vor Beginn der Bauarbeiten hatte dort der Franz-Club sein Domizil. Auf der Hofseite desselben Gebäudes will die Paulaner Brauerei eine Gaststätte mit Biergarten einrichten. Nebenan hat bereits seit September der Minimal-Supermarkt geöffnet. Seitdem ist auch die Tiefgarage mit 252 Stellplätzen in Betrieb. In einer ehemaligen Abfüllhalle ein Stück weiter hat ebenfalls noch im alten Jahr der Soda-Club eröffnet: Der Betreiber B.A.X. Entertainment betreibt dort ein Restaurant, einen Salon und einen Musikclub. Weitere Flächen in den denkmalgeschützen Gebäuden seien an verschiedene Verlage vermietet, sagt Elke Schicktanz, die Pressesprecherin der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft (TLG). Das bundeseigene Immobilienunternehmen ist Eigentümerin des Geländes.

Die meisten Mieter sind allerdings noch mit dem Innenausbau beschäftigt, wie die Warner-Tochter Village Roadshow, die ab Ende Februar ein "Arthouse-Kino" mit 1800 Plätzen in acht Sälen bespielen will. Das großzügige Foyer des Multiplex-Kinos wird dominiert vom industriellen Charakter einer großen stählernen Treppe und den freigelegten Ziegelsteinwänden. Das umstrittene Kino ist neben der Kulturbrauerei gGmbH der größte Einzelmieter auf dem Areal. Es soll als Besuchermagnet Leben in die alten Mauern bringen. Davon hoffen auch die anderen Kultureinrichtungen zu profitieren. Dazu gehören neben einem Tanzcafé, einem Kabarett und einem deutsch-russischen Theater auch der Verein Kulturbrauerei, der auch während der Bauzeit Konzerte, Lesungen und Ausstellungen veranstaltete.

Seit September 1998 saniert die TLG das 25 000 Quadratmeter große, in sich abgeschlossene Gelände der ehemals größten Lagerbierbrauerei der Welt. 1990 hatte die Treuhand-Nachfolgerin die Immobilie übernommen und sich nach jahrelangen vergeblichen Verkaufsbemühungen schließlich entschlossen, das Gelände selbst zu sanieren sowie die Backsteingebäude einzeln zu vermieten. Dabei galt es, ein Gesamtkonzept zu finden, das sich wirtschaftlich trägt und gleichzeitig den Verein Kulturbrauerei mit einbezieht, der seit 1991 für rund ein Sechstel der Fläche einen Mietvertrag bis zum Jahr 2011 besitzt - für den günstigen Mietpreis von fünf Mark pro Quadratmeter. Das Konzept für die "Stadt in der Stadt" war deshalb der Nutzungsmix: Kultur, Gewerbe und Dienstleistungen sollten die Industriebrache wieder dauerhaft beleben.

Etwa 68 Prozent der Gesamtmietfläche von 41 000 Quadratmetern in der KulturBrauerei sind bereits vermietet, sagt Elke Schicktanz. Dazu kommen weitere 2500 Quadratmeter, wenn die Verhandlungen mit einem Betreiber der geplanten Markthalle abgeschlossen sind. Noch zu haben sind Büros, Ateliers, Studios und Werkstätten. Die TLG ist zufrieden mit dem Vermietungsstand. "Wir haben sehr viele Interessenten für die Büroflächen", sagt Elke Schicktanz. "Bei der Auswahl der Mieter achten wir aber sehr genau auf den Mietermix. Der Interessent muss zum Bereich Kunst und Kultur passen. Denn damit steht und fällt die Wirtschaftlichkeit der KulturBrauerei." Architekten und Mieter aus der Werbe- und Medienbranche sind willkommen. Die meisten der freien Büros haben Flächen von 80 bis 300 Quadratmeter, zusammenhängende Großflächen seien kaum noch vorhanden.

Konkrete Angaben über Miethöhen will die TLG-Pressesprecherin nicht machen. "Das hängt ab vom Umsatz des Unternehmens, ob der Mieter die Inneneinrichtung selbst vornimmt, oder ob er Sonderwünsche hat." Die Mieten bewegten sich aber im marktüblichen Rahmen.

Zu einem noch nicht näher bestimmten Zeitpunkt im Frühjahr soll es in der Kulturbrauerei eine Eröffnungsfeier geben. Die TLG hat rund 100 Millionen Mark investiert, um das denkmalgeschützte Areal zu einem Zentrum für Kultur, Kunst, Dienstleistungen und Gewerbe auszubauen. Ob das Konzept nun funktioniert und das Publikum die Kulturbrauerei annimmt, muss sich in den kommenden Monaten herausstellen.

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