Zeitung Heute : Assads Gegner fühlen sich alleingelassen Nach Vertagung

des US-Militärschlags.

Berlin - Syrische Oppositionelle sind enttäuscht von US-Präsident Barack Obama. Sie fürchten, nachdem sich die US-Regierung nun doch gegen einen raschen Militärschlag entschieden hat, dass das Assad- Regime die Zeit nutzen könnte, um sich für eine Intervention zu wappnen und den Kampf gegen die Rebellen noch zu verschärfen. „Assad hat von der internationalen Gemeinschaft grünes Licht bekommen“, beklagen Aufständische in der „Washington Post“. Die Botschaft, die Assad erhalten habe, laute: „Du kannst deine eigenen Leute mit konventionellen Mitteln töten, nur nicht mit Chemiewaffen.“

Die Verzögerung des erwarteten US- Angriffs gebe dem Regime zudem mehr Zeit, seine Soldaten und Waffensysteme in Sicherheit zu bringen, so das Resümee der Nationalen Syrischen Koalition. Die Oppositionellen warnten, in den vergangenen Tagen seien weitere Artilleriegeschütze, Raketen und Truppen in Wohngebiete sowie auf das Gelände von Universitäten und Schulen verlegt worden. Dadurch werde ein Angriff auf rein militärische Ziele erschwert.

US-Präsident Obama hatte am Samstag angekündigt, er wolle den Kongress über einen Angriff entscheiden lassen. Der Kongress wird erst nach der parlamentarischen Sommerpause ab dem 9. September über den Antrag Obamas entscheiden. Die US-Regierung begründet ihre Angriffspläne mit dem Einsatz von Giftgas – nach den Worten von Außenminister John Kerry vom Sonntag verfügen die USA über Beweise, dass dabei das Giftgas Sarin eingesetzt wurde.

Der Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour sagte, sollten die USA eindeutige Beweise dafür haben, dass die Urheberschaft des Giftgasanschlags beim Assad-Regime liege, dann sei es „zwingend nötig“, dass sie diese veröffentlichen, um die Weltgemeinschaft zu überzeugen. Zugleich warnte Nouripour: „Was auf keinen Fall passieren darf, ist, dass über die Debatte um das Ob und Wann eines Militärschlags vergessen wird, was nicht weniger wichtig und aktuell ist – die berechtigte große Sorge, dass der Konflikt auf die Nachbarländer übergreift“. Vordringlich sei die Stabilisierung der Nachbarstaaten Libanon, Jordanien und Irak etwa durch Hilfe bei der Aufnahme von Flüchtlingen. mis/dpa

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar