Zeitung Heute : Astwerk für Artisten

Im Waldhochseilgarten Jungfernheide finden Adrenalinjunkies und Kinder alle Schweregrade.

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Umkehr ausgeschlossen. Der 17 Meter hohe „Parcours Schwarz plus“ gehört zu den Herausforderungen im Charlottenburger Waldhochseilgarten Jungfernheide.
Umkehr ausgeschlossen. Der 17 Meter hohe „Parcours Schwarz plus“ gehört zu den Herausforderungen im Charlottenburger...Kai-Uwe Heinrichi

Oben angekommen, ist es dann doch schwieriger als gedacht: „Ganz schön wackelig“, ruft die 23-jährige Fanny Hass von einem der Bäume hinunter. Durch Körpergurte und Karabiner ist sie an einem Stahlseil gesichert. So klettert sie von Baum zu Baum. Wie eine Artistin gleitet sie durch Seilschlaufen, balanciert über Hängebrücken und schwingt sich mit der Seilrutsche durch die Luft. Ein besonders schwieriges Hindernis sind die runden Holzpfeiler – an Seilen befestigt, hängen sie zwischen den Bäumen. Bei jedem ihrer Schritte schwingen sie hin und her. Und das alles in zehn Meter Höhe. Dabei die Balance zu halten, kostet Kraft. Doch mit Bravour meistert die erfahrene Kletterin den Parcours der höheren Schwierigkeitsstufe. Höhenangst kennt sie nicht. Mindestens einmal die Woche geht sie zum Indoorklettern.

So ein Klettergarten in der freien Natur ist auch für sie etwas neues. „Das Gefühl so hoch oben zwischen den Bäumen zu sein, gefällt mir“, sagt die Kreuzbergerin, die zum ersten Mal mit ihrem Freund im Waldhochseilgarten Jungfernheide in Charlottenburg zu Besuch ist.

Auch zwischen den anderen Bäumen im Park herrscht reges Treiben. Vogelgezwitscher, Freudenschreie und Kinderkreischen. Viele Familien sind an diesem ersten warmen Frühlingstag im April zum gemeinsamen Klettern gekommen. Mit dem guten Wetter hat nun auch die Saison der Kletterparks begonnen – mehr als zehn gibt es in Berlin und Brandenburg. Beispielsweise in Prenzlauer Berg, Hennigsdorf, Potsdam und Strausberg.

Besonders beliebt sind sie bei Schulkindern. In dem Waldhochseilgarten in der Jungfernheide dürfen Kinder ab sechs Jahren in dem etwa drei Meter hohen Kinderparcours alleine klettern. Entscheidend ist jedoch nicht das Alter, sondern die Körpergröße – die Greifhöhe muss mindestens 1,45 Meter betragen. So können die Kinder alleine die Karabiner an dem Stahlseil befestigen. Ab einer Greifhöhe von 1,90 Metern dürfen sie dann in den großen Parcours. Mit den Erwachsenen klettern darf auch der zehnjährige Piet. Mit Schwung nimmt er die finale 50 Meter lange Seilrutsche des Anfängerparcours und wirkt dabei wesentlich entspannter als so mancher Erwachsener hinter ihm.

„Die Kinder haben kaum Angst“, sagt Paul Blecker, einer der Geschäftsführer. Ein wenig Respekt vor der Höhe sei jedoch menschlich und gehöre zum Spaß dazu. Doch Angst vor einem tiefen Fall muss hier niemand haben. Jeder Teilnehmer ist über das „Smart Belay“, ein Karabinersystem, gesichert. „Durch den doppelten Karabinerverschluss ist es nicht möglich, sich in der Höhe gewollt oder ungewollt auszuhaken“, erklärt Blecker. Zu Beginn bekommt außerdem jeder Besucher eine Sicherheitseinweisung. Mit einem Trainer werden die Gurte angelegt und die ersten Schritte am Hochseil geprobt. Außerdem stehen in jedem der zwölf Parcours weitere Trainer für Fragen oder Notfälle bereit. Der Hochseilgarten ist auch ein beliebtes Ziel für Betriebsausflüge. Es gibt einen Parcours für teambildende Maßnahmen und Motivationstrainings. Und wer unter Höhenangst leidet, kann sich für 25 Euro zusätzlich zum Eintrittsgeld (20 Euro ohne Ermäßigung) einen persönlichen Trainer zur Seite stellen lassen.

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